Lauterecken
Nahwärme aus der Lauter: Rechtsstreit läuft immer noch
2010 verfolgte der damalige Stadtbürgermeister Heinrich Steinhauer das Ziel, der Lauter die im Wasser gespeicherte Wärme zu entziehen, um damit zu heizen. Das ökologische Projekt genoss Pilotcharakter in Rheinland-Pfalz. 840.000 Euro hat es gekostet. Aus dem Konjunkturprogramm von Bund und Land flossen 360.000 Euro, außerdem gab es ein zinsloses Darlehen über 240.000 Euro. Doch Steinhauers Rechnung, derzufolge „die Lauter keine Rechnung schreibt“, ging nicht auf. Weil das System nicht funktionierte, musste stets mit Gas zugeheizt werden.
2011 wurde das Nahwärmenetz der Stadt, an das mittlerweile 14 Gebäude angeschlossen sind, offiziell eröffnet – allerdings nur symbolisch. Denn das Herzstück der Anlage, die Wärmepumpe, war zum Starttermin nicht geliefert worden. Stattdessen setzten die Gäste, darunter die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad, vier Gas-Brennwertkessel in Gang.
Probleme im Winter
Die Wärmepumpe, die erst im Oktober geliefert wurde, entzieht dem Wasser aus der 150 Meter entfernten Lauter Wärme. Das dann um etwa drei Grad abgekühlte Wasser fließt wieder in die Lauter zurück. Die entnommene Wärme wird in der Wärmepumpe verdichtet und auf 80 Grad hochgeheizt. Sinkt die Wassertemperatur unter drei Grad, werden die Gaskessel zugeschaltet. Für den Wassertransport sorgt eine Tauchpumpe. Soweit das Funktionsprinzip.
Noch im März 2012 war Stadtbürgermeister Steinhauer voll des Lobes. Die Anlage funktioniere, in zehn Jahren habe sie sich amortisiert, lobte er damals. Einen Winter später gab er sich zurückhaltender. Die Wärmepumpe hatte im Winter, wenn sie am nötigsten gebraucht wurde, ihren Dienst versagt. Statt bei einer Wassertemperatur von drei Grad schaltete das Gerät schon bei vier oder fünf Grad ab. Das sei allerdings nur eine Einstellungssache, zeigte sich Steinhauer im August 2013 noch zuversichtlich. Das Problem ließ sich aber nicht beheben, und so kippte schließlich auch die Stimmung bei den Stadträten. Mittlerweile wird nur noch mit Gas geheizt. Die Stadt strengte ein Beweissicherungsverfahren an. Ein Sachverständiger sollte herausfinden, ob es sich um einen Herstellungs-, Planungs- oder Ausführungsfehler handelt.
Beratungs- und Planungsfehler
Wie Stadtbürgermeistern Isabel Steinhauer-Theis auf Anfrage mitteilte, hat sich im Beweissicherungsverfahren herauskristallisiert, dass es sich von Anfang an um einen Beratungs- und Planungsfehler gehandelt hat. Mit Verweis auf den Datenschutz wollte Steinhauer-Theis keinen Namen nennen. Gelandet ist die Sache schließlich vor dem Landgericht Kaiserslautern. Ausgestanden ist der Rechtsstreit noch nicht. Nun soll die Gegenseite Ende Mai einen Vergleichsvorschlag präsentieren. Ein 2019 auf dem Tisch liegender Vergleich, der zunächst annehmbar erschien, kam nicht zustande.