Medard
Nachwuchs soll Wald fit machen: Bürger pflanzen 450 Bäume
Mit Spaten, Hacken und Handschuhen ausgestattet, fanden sich am Samstagmorgen 42 Helfer ein, um den Medarder Wald durch eine „Vorausverjüngung“ mit hunderten Pflanzen zukunftsfähig zu machen. Mit heimischen und vor allem mehr Baumarten soll der Wald fit für die nächsten 100 Jahre gemacht werden. Hunderte Stieleichen, Winterlinden und Rotbuchen, die möglichst resistent sein sollen, hatten Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamts Kusel, und die Försterinnen Kai-Sophie Nöcker und Yvonne Lippert im Gepäck. Die jungen Bäumchen, noch in Zweiggröße, stammten aus einer begleiteten Anzucht, was für die Qualität und Vitalität der Pflanzen spreche.
Die Stieleiche benötige viel Licht, der darum gepflanzten Winterlinde komme „eine erzieherische Aufgabe“ zu. Denn sie sorge für einen geraden Wuchs der Eiche, verdeutlichte Revierförsterin Nöcker. Die Buche „als dienender Unterstand“ sorge für Laub, das den Boden mit Nährstoffen anreichere. Zudem beschatte der Baum, sodass die Brombeere nicht mehr so wuchern sollte, führte Kleinhempel aus. Nöcker erklärte, dass durch die Durchforstung neue Baumarten eingebracht werden können. Je mehr Arten, desto besser und zukunftsfähiger sei der Wald. Denn der Ausfall einer Art sei dann besser zu verkraften. Die Fichten, die einmal in der Nähe standen, seien durch die vergangenen heißen Sommer vom Borkenkäfer befallen und nicht zu retten gewesen.
Schweißtreibende Angelegenheit
Etliche, rund sechs mal drei Meter große „Klumpen“ wurden von Kleingruppen bepflanzt. Der Mittelpunkt jedes Bereiches war mittels Stab vom Forst festgelegt. Gesetzt wurden dort 15 Stieleichen, darum zwölf Winterlinden und das mit „Schrittmaß“-Abständen, wenngleich manch vorbereiteter Helfer auch mit Zollstock auftaucht war. Um diese Flächen herum könne die Natur auch selbst durch Versamung für weitere Baumarten sorgen.
Während die ersten Gruppen Werkzeug, Setzlinge und benötigtes Material in den Wald schleppten, machten sich fünf Männer auf, um weitere Bereiche von Brombeeren zu befreien – eine schweißtreibende Angelegenheit.
Wildbratwurst und Glühwein
Dass alle Anwesenden schon Pflanzerfahrungen mitgebracht haben, zeigte sich bei der sicheren Handhabung von Hacke und Spaten sowie dem Umgang mit den Jungbäumen. War das noch dünne Bäumchen gesetzt und die Erde gut angetreten, wurde ein Robinienstab mit Hammer oder Ramme in den Boden getrieben. An diesem langlebigen Stab, direkt neben dem neu gepflanzten Bäumchen, konnte eine Schutzmanschette angelegt werden. Diese schützt den Setzling vor Wildverbiss. Das sei wichtig, da im Gelände einiges an Wild unterwegs ist, wie auch die sogenannten Wechsel, die Trittpfaden ähneln, belegen.
Die Freiwilligen waren nicht nur zum Arbeiten da, sondern erfuhren auch, warum die drei Baumarten ausgewählt wurden, wie sie sich entwickeln sollen und was beim Pflanzen alles zu beachten ist. Auch die soziale Komponente kam mit Wildbratwurst von den Jagdpächtern Peter Nagel und Matthias Hofmann und Glühwein von den Landfrauen nicht zu kurz.
Beitrag für die Zukunft leisten
Die 14-jährigen Zwillinge Kaya und Colin Größl waren mit Vater und Großvater fleißig am Bäumchenpflanzen. Die beiden wollten für ihre Zukunft und auch für die Dorfgemeinschaft einen Beitrag leisten und hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit. Auch der ukrainische Flüchtling Oleksii, im Ort als Alex bekannt, war mit seiner Familie mitten im Geschehen. Er stamme aus einem Dorf und liebe die Natur, erzählte er. Weil ihm die Idee um die Aufforstung gut gefiel, habe er mit Frau und Kind die Aktion unterstützen wollen. Eine weitere Pflanzaktion soll es im kommenden Jahr geben.
