Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Musik, Geselligkeit, aber auch kritische Stimmen bei der Musikerwanderung

Die musikalische Wandergruppe auf dem Radweg zwischen Ulmet und Erdesbach.
Die musikalische Wandergruppe auf dem Radweg zwischen Ulmet und Erdesbach.

Es ist eine liebe Gewohnheit geworden, dass Musikerinnen und Musiker aus dem Landkreis in den ersten Tagen des neuen Jahres mit ihren Instrumenten durch die Lande ziehen. Am Samstag führte der Marsch von Ulmet nach Altenglan. Die RHEINPFALZ hat ihn bis Erdesbach begleitet.

Für Bernd Bork ist die Musikerwanderung mehr als nur ein feuchtfröhlicher Spaziergang von Gleichgesinnten. Der Gitarrist und Sänger der Band Sergeant, hatte zusammen mit dem Schönenberg-Kübelberger Gitarristen Manuel Distler vor Jahren die zündende Idee zu diesem Treffen. Bork betont, dass diese Wanderung immer mehr Zustimmung unter den Musikern finde. Neben einem regen Erfahrungsaustausch biete sie auch die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Die seien notwendig, um sich gegenseitig helfen zu können, wenn beispielsweise ein Bandmitglied wegen Krankheit ausfällt und Ersatz gefunden werden muss. Oder wenn man, wie der Kindsbacher Musiker Ralph Koennecke, noch einen erfahrenen Gitarristen für seine Kinder-Gitarrentage sucht, die vom 24. bis zum 27. Mai in Kindsbach stattfinden sollen.

Die Musiker Ingo Even (Hit-Connection) und Roland Benner (Roland Benner Band) erinnern aber auch an die Tradition der Wandermusikanten. Benner: „Die Menschen in den Ortschaften sollen uns nicht nur wahrnehmen; wir wollen auch zeigen, dass das Musikantenland lebt.

Über 40 Musiker mit von der Partie

Es ist kurz nach 10 Uhr, die kleine Wirtsstube des Landgasthofs Zum Steinernen Mann mitten in Ulmet füllt sich. Immer wieder umarmen sich die Musiker, wünschen sich ein gutes neues Jahr. Nach gut einer Stunde ist die letzte Tasse Bohnenkaffee getrunken, das letzte Brötchen geschmiert. Spontan erheben die Musiker ihre Gläser und lassen die Mauern des Steinernen Mannes mit einem Toast förmlich erzittern: „Prost, Prost, Prösterchen im Schnaps sind Kalorien ...“ Und glaubt man der ausgelassenen Truppe, so steht ihnen ein Spaziergang durch einen sonnigen Wald bevor, gleichwohl soll es sich bei den durstlöschenden Getränken ausschließlich um Medizin handeln.

Nach knapp zwei Stunden, es ist kurz nach 12 Uhr, beginnt der „lange Marsch“ nach Altenglan. Aus dem Wirtshaus kommend, erscheint „König Mo“ alias Klaus Molter. Sein langes, wallendes blondes Haupthaar fällt auf den blauen Samtumhang. Der ist allerdings genauso unecht wie des Königs Haarpracht. In seinem Gefolge: über 40 Westpfälzer Musikanten mit ihren Pauken und Trompeten, einer Tuba, Saxofonen, Posaunen und gleich mehreren Gitarren, dazu zwei rhythmusgebenden Teufelsgeigen.

Platzkonzert vor dem Steinernen Mann

Großartig, wie sich vor dem Wirtshaus aus einem anfänglich leisen Trompetensolo von Michael Hofmiller ein Orkan in Orchesterstärke entwickelt und die Musiker frei nach Lolita bekunden: „Seemann, deine Heimat ist das Meer …“ Die Ulmeter, die vor Haustüren und geöffneten Fenstern dem Platzkonzert lauschen, applaudieren spontan – und aus allen Ecken rund um den Steinernen Mann sind Bravorufe zu hören.

In der Nachbarschaft, im Hof von Elisabeth Korb, sehr zur Freude der Seniorin, das nächste Platzkonzert. Nach knapp einer Viertelstunde Guggenmusik vom Feinsten brechen die Brüder „in die Pfalz auf“. Doch nur knapp 200 Meter weiter überraschen die Musikanten Frieda Drumm und gratulieren ihr mit Pauken und Trompeten und einem inständigen „Happy Birthday“ zum 91. Wiegenfest. Und während ihre Töchter Martina und Doris als Dankeschön kleine Häppchen servieren, erklingt mit einer melancholischen Einfärbung „Lily Marleen“, einst gesungen von Lale Andersen. Die letzten Häuser von Ulmet sind fast erreicht, als der Musikexpress noch einmal zum Platzkonzert einlädt. Diesmal gibt’s für Erwin Drumm, den Trompeter des früheren Sextetts „Tijuana“, ein Ständchen. Auch hier gelingt die Überraschung. Bevor die Karawane weiterzieht, bedankt sich Drumm mit einer Runde Selbstgebranntem.

Stiefmütterliche Behandlung der eigenen Musiker?

Was es unterwegs allerdings auch gibt, sind kritische Anmerkungen. Ein Musiker, der vor knapp 50 Jahren aus dem schwäbischen Crailsheim ins Kuseler Musikantenland kam und dort einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat, moniert, dass der Landkreis mit der Tradition der Westpfälzer Wandermusikanten werbe, selbst für die Musikantenland-Bratwurst die Werbetrommel rühre. Nur: Die Musiker im Landkreis, die tatsächlich diese Tradition leben, würden oft stiefmütterlich behandelt, so sein Eindruck. In die gleiche Kerbe schlägt ein weiterer Musiker, der beklagt, „dass der Prophet im eigenen Land wohl nicht zähle“. Er bezieht sich bei seinem Vergleich auf die Kuseler Herbstmesse, bei der im großen Festzelt vorwiegend bayerische Musiker verpflichtet würden. Er kritisiert, dass die Veranstalter wohl übersehen, dass der Landkreis großartige Musikvereine habe. Eine Vielzahl von Bands bilde jedes Genre ab. Die Musiker des Musikantenlandes hätten schon oft bewiesen, dass sie selbst große Zelte füllen können.

x