Krottelbach RHEINPFALZ Plus Artikel Modenschau in Krottelbach: „Sie hat den Look“

War schon bei den vergangenen Modenschauen in Krottelbach mit von der Partie: Elena Waldeit (Bildmitte).
War schon bei den vergangenen Modenschauen in Krottelbach mit von der Partie: Elena Waldeit (Bildmitte).

Eine Modenschau in einem Sportheim? In Krottelbach gibt es das nicht zum ersten Mal. Warum das Konzept in der Südkreis-Gemeinde auf viele Interessierte trifft und wie Andrea Goetzke überhaupt dazu kam, die Veranstaltung zu organisieren.

Eine halbe Stunde vor Beginn der Modenschau im Sportheim in Krottelbach am Donnerstagabend füllen sich schon die Stuhlreihen. Am Ende des Laufstegs sind Roll-ups, also mobile Aufsteller, platziert, die verraten, worum es heute geht. Andrea Goetzke präsentiert die Mode, die sonst in ihrem Laden Fashion Party im Hirtenweg 29a im Dorf zu finden ist. Die Gäste stöbern schon in den Produkten, die unweit des Laufstegs ausgestellt sind. Nicht nur Kleidung, auch Schmuck, Gürtel, Düfte und vieles mehr liegen aus. Obwohl überwiegend Frauen gekommen sind, sitzt auch der ein oder andere Mann zwischen ihnen. Beispielsweise Goetzkes Ehemann Steffen, der ihr eine große Hilfe bei der Organisation der Veranstaltung ist, wie die Modeexpertin sagt.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die gelernte Apothekenhelferin sich der Modewelt widmete? „Eine Bekannte mit einer Boutique in Köln brachte damals ein paar Kleider mit. Das hat mir sehr gut gefallen. Als sie wieder wegzog, habe ich gedacht: Ich mache jetzt Modepartys“, erzählt Goetzke von den Anfängen ihres Geschäfts. Sie hat sich auf italienische Mode spezialisiert, weil diese oft in praktischen Einheitsgrößen produziert wird. „Die passt so gut wie jedem. Außerdem ist der Style sehr vielfältig. Dazu kommt, dass die Klamotten zu erschwinglichen Preisen angeboten werden“, erklärt Goetzke ihre Liebe zu der Stilrichtung. „Und ich liebe den Glitzer“, schiebt sie lachend hinterher. Bis zu dreimal pro Woche habe sie früher Strecken bis nach Alzey zurückgelegt, um zum Beispiel Geburtstagsfeiern zu versüßen. Auf Dauer sei das aber ein zu großer logistischer Aufwand gewesen.

Eine eigene Boutique musste her

Es entstand die Idee eines eigenen Ladens in Krottelbach. An diesem festen Standort empfängt die 45-Jährige ihre Kunden seitdem. So ganz ablegen kann sie ihre Vergangenheit aber nicht – und so kommt es vor, dass sie immer noch hin und wieder eine Modenschau organisiert oder auf Messen mitwirkt. Ihre erste Modenschau organisierte sie in Otterberg. „Ich habe nie gedacht, dass ich das so kann“, gibt sie zu. Doch danach hatte sie Blut geleckt. Seit sieben Jahren ist die Modewelt fester Bestandteil ihres Lebens. Trotz Corona-Zwangspause findet schon zum dritten Mal eine Modenschau in Krottelbach statt. Das kleine Sportheim ist kaum wiederzuerkennen: Stühle wurden platziert, in der Mitte liegt der Catwalk, bunte Lichter sorgen für die passende Bühnenatmosphäre und drumherum finden sich die Artikel aus Goetzkes Laden. Hergerichtet und mit Dekoartikeln versehen, wirkt das Ganze fast schon wie eine Ladenfläche.

Die Jüngsten aus der Familie Goetzke helfen mit, während ihre Mutter mit den letzten Vorbereitungen im Kabinenbereich der Models beschäftigt ist. Tochter Davina und Sohn Nevio beraten die interessierten Kunden und helfen da weiter, wo Fragen aufkommen. Als dann alle Gäste mit Aperol Spritz, Bier und Co. versorgt sind, dringt eine Melodie aus der Musikbox am Rand des Laufstegs. Die Tür schwingt auf und das erste Model beginnt im Takt des dumpfen Basses auf und ab zu laufen. Sofort ist die Menge begeistert. Kommentare wie „Das ist genau meins“ und „So ein schönes Teil“ fallen fortan im Minutentakt. Die Models der Krottelbacherin sind Freunde und Bekannte, die in ihre Rollen reingewachsen sind. „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt Goetzke.

Bietet das Sportheim einen Heimvorteil?

„Vor Ort, wo man in so viele bekannte Gesichter blickt, ist man dann doch etwas nervös“, erzählt Elena Waldeit. Doch die Show ist top organisiert; so gibt es sogar Lookbooks, also Alben mit Bildern der fertigen Outfits. Auch die musikalische Untermalung wurde thematisch an die Veranstaltung angepasst: Nach „Sie hat den Look“ von Neonlicht folgen italienische Klänge wie „Sarà perché ti amo“. Die Mobiltelefone werden gezückt, um direkt Fotos von dem ein oder anderen Favoriten zu schießen. Nach knapp einer halben Stunde ist es dann schon vorbei. Ein letztes Mal betreten die Models und Andrea Goetzke den Laufsteg, um sich mit einer Verbeugung zu verabschieden. Kurze Zeit später eröffnet der Verkauf, bei dem mitunter auch die zuvor präsentierten Teile erworben werden können.

Der Ansturm ist groß. Sobald sich Goetzke umdreht, wartet schon eine neue Kundin auf eine individuelle Beratung in den zur Verkaufsfläche umfunktionierten Kabinen des Sportheims. Schick, aber auch alltagstauglich sollen die Klamotten, die von der Modeverkäuferin angeboten werden, sein. „Wenn sich eine Kundin ein Kleidungsstück für eine Kommunion kauft, soll sie es auch danach noch öfter tragen können“, betont Goetzke den Nachhaltigkeitsaspekt bei ihrer Kleiderauswahl.

Besonders beliebt: ein grüner Mantel

Dass Menschen unabhängig von ihrer Konfektionsgröße ein neues Lieblingsteil entdecken, ist ihr wichtig. „Deswegen habe ich auch Models mit unterschiedlichen Kleidergrößen, sonst würde das nicht der Realität entsprechen. Jeder hat doch seine Problemzonen“, sagt die Krottelbacherin. Im Laufe des Abends kristallisieren sich einige Lieblinge heraus. Ein grüner Wintermantel ist bei den Anwesenden besonders beliebt. Doch auch die anderen der rund 1500 Produkte, die sich im Vereinsheim befinden, sind gefragt. Erst um halb zwölf kommt Andrea Goetzkes Tag zu einem Ende, als die Pop-up-Boutique nach Aufräumarbeiten weichen muss.

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