Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Mitreißendes Dudelsack-Konzert auf Burg Lichtenberg

Mehr als 100 Zuhörer kamen zum Konzert in die Zehntscheune.
Mehr als 100 Zuhörer kamen zum Konzert in die Zehntscheune. Foto: sayer

Bereits zum zwölften Mal begeisterten am Samstagabend in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg Dudelsackmusiker um Christian Grosser im kurzen Schottenrock und Kilt Jung und Alt. Als Stargast trat der Dudelsack-Virtuose Willie McCallum aus dem schottischen Glasgow auf.

Weit mehr als hundert Besucher drängten sich in der Zehntscheune, etliche mussten sogar stehen: Das Abschlusskonzert des alljährlichen Dudelsack-Workshops auf Burg Lichtenberg hat inzwischen viele Fans. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten sie nicht nur die Musikstücke, sondern auch die Moderation und die Erklärungen von Christian Grosser, aber auch anderen Musikern.

Traditionelle Stücke

Die charakteristischen, durchdringenden Klänge der Dudelsäcke mit ihrem voluminösen, reichen Oberton-Sound füllten mühelos den Saal, als die Band einmarschierte. „Wir spielen nahezu ausschließlich traditionelle Stücke“, führte Christian Grosser aus, der den Workshop und das Konzert auch organisiert hatte. „Viele Stücke kommen aus der Militärgeschichte, es sind aber auch Tanzlieder dabei. Der Dudelsack ist auf jeden Fall ein Instrument für draußen.“

Über die Besucherzahl freute er sich sehr. „Am Anfang haben wir mit zwölf bis 15 Zuhörern angefangen, und in den letzten Jahren ist der Raum immer brechend voll geworden. Ich sage jedes Mal: 'Das ist der letzte Workshop' – seit zwölf Jahren. Aber bei einem solchen Zuspruch müssen wir doch einfach weitermachen“, erzählte der Arzt, der selbst seit 20 Jahren Dudelsack spielt. „Unser Konzept ist einzigartig: Dudelsack-Lehrer haben hier die Gelegenheit, sich bei einem Experten, wie zum Beispiel in diesem Jahr Willie McCallum, weiterzubilden – die Lehrer werden wieder zu Schülern. Das gibt es sonst nirgends in ganz Deutschland – außer in unserem Workshop!“

McCallums Auftritt ein Erlebnis

Willie McCallums Soloauftritt war ein Erlebnis. Langsam schritt er zu den Klängen des langsamen Marsches „Farewell to Nigg“ von der hinteren Tür durch den Saal nach vorne, hoch virtuose Triller bettete er souverän, technisch wie stilistisch absolut sicher in den kraftvollen Fluss der klar hervortretenden Melodie mit ihrem markanten Rhythmus ein und entlockte dem Instrument so eine frappierende Beweglichkeit. Durchdringend, aber nie grell waren diese Klänge, von höchster Eindringlichkeit; mit dem rechten Fuß stampfte McCallum den Takt dazu. Für den spontan aufbrandenden Applaus bedankte sich der Musiker. „Leider kann ich Ihnen die Tänze, die ich jetzt spielen werde, nicht demonstrieren“, moderierte er gut gelaunt in englischer Sprache seine nächsten Stücke an, das traditionelle „Strathspay“ und ein paar Reels an. Über einem lang angehaltenen, durchdringenden Bordun-Liegeton entfaltete er eine flotte, schnelle Weise in bestechend klar intonierten Klängen und präzisen Konturen und ließ so ein malerisches tönendes Panorama lebendig werden. Schwungvoll gestaltete McCallum die Tänze, bevor er zusammen mit Tim Lethen, Bernd Mösle, Susanne Klinger, Thomas Schalla und Christian Grosser als Band zurückkehrte. Evergreens wie der melancholische Gospel „Amazing Grace“, der durch den spezifischen Dudelsackklang einen ganz neuen Klangcharakter annahm, und „Scotland the brave“ rissen die Zuhörer fast von den Sitzen.

Mitreißend gespielte Märsche

Aber auch die deutschen Dudelsackspezialisten überzeugten das Publikum mit mitreißend gespielten Märschen, meistens im 6/8-Takt, eine Besonderheit der schottischen Musik. Tim Lehnen fesselte seine Zuhörer durch eine vom ersten bis zum letzten Ton spannende Interpretation des hymnenartigen Stückes „Piobarreachd“ oder „Beloved Scotland“, Bernd Mösle steuerte flotte Jigs bei und Christian Grosser und der Nürnberger Thomas Schalla präsentierten eine eindrucksvolle Bandbreite an Marschmusik, meist im 6/8-tel, aber auch im für dieses Genre ganz untypischen 3/4-Takt. „Sie sehen, der Dudelsack ist viel mehr als nur ein Dudelinstrument, er ist das Kennzeichen der schottischen Highlands“, verabschiedete sich Christian Grosser von den hingerissen applaudierenden Zuhörern.

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