Lauterecken
Metallbau Böhl: Ohne Kurzarbeit durch die Corona-Zeit
214 Jahre ist das Familienunternehmen nun alt, das Ottheinz Böhl zum 200. Jubiläum an seinen Sohn Markus übergeben hat. Ottheinz Böhl hatte ab 1974 den Betrieb von seinem Vater übernommen und die Weichen in Richtung Metallbau gestellt. Dass die ausschließliche Produktion von Holzfenstern nicht zukunftweisend sein würde, das hatte Ottheinz Böhl frühzeitig erkannt. Sein Tüftlergeist führte immer wieder zu Neuentwicklungen. Ein Beispiel dafür ist der „Dictamat-Pneumatik-Drehtürantrieb BLA 31244“, den Böhl im Jahr 2002 auf der internationalen Baufachmesse „bautec“ in Berlin vorstellte.
Geräuschloser Antrieb
Dieser Antrieb zeichnet sich dadurch aus, dass er fast geräuschlos arbeitet und sich daher ideal eignet für die Installation in Krankenhäusern, Kinderheimen oder Seniorenheimen, aber auch in Industriebetrieben. Außerdem fertigt die Firma Böhl alles nach Maß, was mit einem privaten Hausbau verbunden ist: neben Fenstern und Türen, die es auch in explosionshemmender Ausführung gibt, gehören Wintergärten und Beschattungsvorrichtungen wie Rollläden ebenso zum Sortiment. Für den professionellen Einsatz produziert Böhl auch automatische Schiebetüren für Flucht- und Rettungswege.
Vor zehn Jahren hat das Familienunternehmen als erstes im Landkreis das „Gütesiegel für Arbeits- und Gesundheitsschutz durch Organisation“ von der Holz-Berufsgenossenschaft erhalten. Alle drei Jahre muss man sich das Siegel neu verdienen. Grundlage ist eine Arbeits- und Gesundheitsschutzorganisation im Betrieb, die weit über den gesetzlichen Anforderung liegt.
Das Geschäft läuft. Firmeninhaber Markus Böhl kann und will sich nicht beklagen. Im Gegenteil: „Der Umsatz steigt seit Jahren kontinuierlich, wir sind zufrieden“, sagt er. Der Produktionsbereich sei voll ausgelastet, die Mitarbeiter immer beschäftigt. Auch in diesen Corona-Zeiten habe man voll durcharbeiten können. „Wir mussten noch nie Kurzarbeit anmelden. Da gibt es welche, die sind schlechter dran“, konstatiert Böhl.
Ein großer Kunde ist die BASF in Ludwigshafen, wo ein Subunternehmen mit fünf Beschäftigten für den Lauterecker Metallbetrieb arbeitet. Dort habe man im vergangenen Jahr 650 Brandschutztüren ausgetauscht, schildert Böhl. Seit 35 Jahren arbeite man für das Ludwigshafener Chemieunternehmen, das für rund 70 Prozent des Umsatzes verantwortlich sei. Ansonsten kommen seine Kunden aus der Pfalz. Der Aktionsradius erstreckt sich nach Norden bis Bad Kreuznach und auch schon mal bis nach Frankfurt. Viele private Kunden seien dabei. „Wir sind über jeden privaten Kunden froh“, sagt Mutter Angelika Böhl.
Dass es so gut läuft im Traditionsbetrieb in Lauterecken, ist laut Böhl auch den treuen Mitarbeitern zu verdanken, drei in der Produktion und zwei im Bürobereich. Alle fühlten sich mit der Firma verbunden und seien sehr engagiert. „Ohne solche Mitarbeiter wäre die Firma auch nicht zu führen“, sagt der Firmenchef.
Mit 23 Jahren Meister
Markus Böhl, der mit 23 Jahren schon den Meister im Glaserhandwerk abgelegt hat, sieht auch im Engagement der Mitarbeiter einen wesentlichen Grund für die geringe Reklamationsquote. „Wir werden oft gelobt und haben selten Reklamationen“, weiß Böhl, der oftmals außer Haus ist. An ihm bleiben 90 Prozent der Organisationsarbeit hängen. Er fährt zu den Kunden, erledigt das Aufmaß, stellt das Material zusammen.
Vor der Zukunft ist Markus Böhl nicht bange. „Es sieht nicht schlecht aus“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Handwerk hat goldenen Boden.“ Nur dass Fachkräfte fehlen, sei ein großes Problem.