Haus und Hof
Mediterranes Paradies am Ortsrand von Neunkirchen
Eigentlich hatte der Regenradar für den Besuch der RHEINPFALZ etwas Nass von oben angekündigt. Doch dann war die Sonne doch da, und das nicht zu wenig. Hier oben, auf rund 380 Metern Höhe am Potzberg, kommt sie besonders intensiv an. „Wir liegen hier voll auf der Südseite“, erläutert Helga Stenschke-Heinz. Das fast mediterrane Klima wird verstärkt durch zahlreiche Stein-Aufbauten und den hellen Schotter, der die große Terrasse entlang des Hauses bedeckt.
Im Zweifamilienhaus wohnt neben Helga Stenschke-Heinz und ihrem Ehemann Gunter Heinz noch die Familie von dessen Schwester. Ihre Schwägerin war beim Besuch der RHEINPFALZ bei der Arbeit, und Ehemann Gunter kam vom Rasenmähen erst etwas später zurück. So war die mitgebrachte, selbstgebackene Heidelbeer-Tarte sozusagen ein Fall für zwei ...
„Am Steilhang zu bauen, ist nicht einfach“
Helga Stenschke-Heinz ist Maklerin und zählt vor allem US-Amerikaner zu ihren Kunden. Bis vor zwei Jahren war sie als Kreisgeschäftsführerin der Landfrauen tätig, ist also auch eine echte Landfrau inklusive der Begabung des Grünen Daumens. 2007 ist die Familie von der anderen Straßenseite ins neue Eigenheim umgezogen, der letzte Neubau ganz am Rand des Dorfes. Und der hatte es in sich, wie Helga Stenschke-Heinz erinnert: Wegen der Hanglage waren umfangreiche Befestigungen zur Stabilisierung notwendig. „Am Steilhang zu bauen, ist nicht einfach“, schildert die 69-Jährige. Heute weiß sie: „Aus jedem Steilhang kann man etwas machen.“
Vor dem Haus ist in Südlage ein mediterraner Innenhof entstanden. Eine Mauer begrenzt den Abhang. Hier geht es steil nach unten. „Wir haben hier Büsche gepflanzt, inzwischen ist es ein ganzer Wald“, sagt Stenschke-Heinz. Eine stabile Stahltreppe mit knapp 40 Stufen führt hinab auf eine Streuobstwiese mit Obst, das gerne verarbeitet wird. Unter anderen kocht die Landfrau Apfelmus und Marmeladen. Ein toller Panorama-Blick bietet sich hier, von Jettenbach bis nach Fockenberg.
Gemüse und Kräuter wachsen üppig
Insgesamt sei das Grundstück rund 3000 Quadratmeter groß, berichtet die Gärtnerin. Und was macht für sie den perfekten Garten aus? „Er muss pflegeleicht sein“, sagt Stenschke-Heinz. Die obere Etage entspreche diesem Ideal auch. „Im Hang wird es schon schwieriger“, etwa wenn dort wilde Brombeeren entfernt werden müssen. „Das ist nicht ohne“, verrät sie und ergänzt augenzwinkernd: „Ich habe nun mal gerne Ordnung.“
Ihr Garten soll nicht nur lebenswert sein, man sollte sich daraus auch ernähren können, finden die Besitzer. Daher hat Gunter Heinz einen ganz besonderen Bauerngarten angelegt: ein Garten in U-Form als praktisches Hochbeet. Durch die stabilen Mauer-Einfassungen ist auch hier ein warmes Klima garantiert, Gemüse und Kräuter wachsen üppig, drumherum bunte Bauernblumen wie Zinnien, Phlox und Löwenmäulchen. Die Gurkenernte läuft auf Hochtouren, Buschbohnen hängen voll, Kohl und Salat, Zucchini und Lauch gibt es reichlich. Beim Kräuteranbau zeigt sich die Feinschmeckerin: Zitronenthymian, Verbene, Petersilie kraus und glatt, Rosmarin, Salbei und Basilikum gedeihen hier prächtig. Die Tomaten stehen etwas abseits unter Folie. Auch ein Beerengarten zum Naschen ist angelegt: „In diesem Jahr haben wir eine Himbeerschwemme.“
Urlaub zwischen Kiwis und Feigen – also zu Hause
Stenschke-Heinz stammt aus Mackenbach und hat von Kindesbeinen an im Garten mitgeholfen. „Es ist mein Hobby“, erzählt sie. Anregungen nimmt sie gerne auch von Experten wie der aus dem Fernsehen bekannten Heike Boomgaarden auf. Beispiel: eng bepflanzen, damit der Boden gut bedeckt ist und nicht austrocknet.
Lavendelbüsche locken Bienen und Hummeln an, auf den warmen Steinen sonnen sich kleine Eidechsen und huschen geschwind in die Steinritzen, sobald man sich nähert. Die sperrigen Findlinge sind hübsch mit Stauden wie Teppichschleierkraut bewachsen. „Unser Urlaub findet bei uns zu Hause statt – zwischen Kiwis, Feigen und der Weinrebe Fragolino“, sagt die Gärtnerin. Die sogenannte Erdbeertraube wuchert über das Dach eines idyllischen Schatten-Sitzplatzes. Die Trauben verarbeitet die Hobby-Gärtnerin unter anderem zu Saft und Balsamico-Essig. Ein alter Holz-Leiterwagen ist mit einer Glasplatte abgedeckt und dient in dem von Trauben umrankten Unterstand als Tisch. Weinbergpfirsich und Zitronenbaum gedeihen nebenan im Kübel. „Derzeit experimentieren wir auch mit Säulenäpfeln aus Südtirol“, sagt Stenschke-Heinz.
Warum streunende Katzen nicht gern gesehen sind
An vielen Plätzen im Garten locken gemütliche Sitzecken zum Verweilen. Und gleich mehrere Gartenhäuschen hat die Familie gebaut, in einem ist sogar eine richtige Küche integriert. „Wir leben draußen“, berichtet die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Wenn die Enkelkinder zu Besuch sind, haben sie im schattigen Bereich unter den Obstbäumen viel Platz zum Toben. Gern gesehene Besucher sind auch die Vögel an der Wassertränke. Dompfaff, Specht und Eichelhäher sind hier keine Seltenheit, eine Fasanenfamilie war auch schon da, und „der Igel, der zu uns kommt, ist sehr groß und dick“. Wegen der Vogelvielfalt nicht so besonders gern gesehen sind wild streunende Katzen ohne Besitzer, von denen es in der Gegend offenbar mehrere gibt.
Auch Rehe gehören nicht unbedingt zu den Lieblingsbesuchern der Familie. „Vom Salat bleiben dann nur die äußeren Blätter übrig“, weiß Stenschke-Heinz. Hingegen sind Schafe hier willkommen. Am Eingang des Grundstücks weiden die schon geschorenen Tiere einer Freundin auf einer beschatteten Koppel. Und hier hat Stenschke-Heinz noch einen Tipp: Die Wolle der Schafe ist bekanntlich ein ganz guter Naturdünger. „Gegen Schnecken hilft sie aber kaum“, lautet ihre Erfahrung. Allerdings sollen Wollfetzen Rehe abhalten. Ein paar Rosenstöcke sind in ihrem Garten daher wollig „dekoriert“.