Fahrsport
Lokalmatador im Sturzpech – Standenbühler gewinnt
26 Jahre kommt Otto Werst schon zum Turnier aufs Gelände des Reitervereins Veldenz Lauterecken, zwölf davon mit seinen beiden Freiberger Wallachen Nemo und Norton. Für die beiden Braunen war es der letzte Auftritt auf der Anlage Im jungen Bauwald auf der Höhe im Wald mit der weiten Sicht Richtung Glantal. Und der letzte auf einem Turnier überhaupt. Sie werden, so sagt es ihr Besitzer, künftig nur noch als Lehrpferde fungieren, also sowohl angehenden Fahrern als auch angehenden Fahrpferden das Einmaleins des Gespannfahrens beibringen.
Und so mischte sich bei dem Standenbühler, der für den Zellertal-Donnersberger Reit- und Fahrverein startet, am Sonntagnachmittag viel Wehmut in die Freude über den erneuten Landesmeistertitel. Den hatte der 62-Jährige gerade festgezurrt im Hindernisfahren, in dem die aus Leitkegeln gebauten Tore gerade einmal zwischen siebeneinhalb und zehn Zentimeter breiter waren als die jeweilige Kutsche. Meistens rollte das Kutschenmodell Spider durch die knifflig gestellten Tore, aber auch ein Linzer Wagen mit viel Holz statt Metall war zu sehen.
Finanziell kaum noch zu stemmen
Nemo und Norton meisterten die Anforderungen so gut wie kein anderes Team, nur einmal wackelte ein Hütchen so, dass sein locker auf der Spitze liegendes Bällchen herunterfiel. Allerdings ließen es die beiden Routiniers rechts und links der Deichsel – Nemo ist 17, Norton 19 Jahre alt – ruhig angehen und überschritten eher gemütlich trabend die erlaubten zweieinhalb Minuten. Werst kassierte Zeitfehler, die ihn in der Prüfungswertung auf Platz zwei zurückwarfen. In der Gesamtwertung aus Dressur am Freitag und Geländestrecke am Samstag aber war keiner besser als das Trio aus dem Donnersberger Land.
Das versüßte das große Manko dieser Meisterschaft: Werst war quasi gegen sich selbst gefahren, die Konkurrenz war vor allem aus Baden-Württemberg nach Lauterecken angereist. Der Fahrsport im Land steckt in einer Krise, waren sich viele Stimmen rund um den 600 Quadratmeter großen Fahrplatz einig. Eine extrem teure Ausrüstung mit mehreren Kutschen für jedes Turnier, der passende Fuhrpark, die Pferde und deren Unterbringung, Lkw-Maut und Spritpreise – finanziell sei das immer schwieriger zu stemmen. „Wenn ich an früher denke, wo wir mit zehn, elf Kutschen um den Titel gefahren sind – da war ich lieber Vierter als heute Sieger“, meinte Werst denn auch nachdenklich.
Zweikampf in der Pony-Meisterschaft
In der Ponyklasse sah es etwas besser aus: Zum einen, weil die 14 Jahre alte Marie Reinhard (VRG Südwestpfalz) innerhalb der Familie den Generationenwechsel repräsentiert; auch Mutter Stephanie ist eine erfahrene Fahrsportlerin und als Beifahrerin und ruhender Pol stets mit auf der Kutsche. Zum anderen, weil mit Florian Hambach (FahrSV am Nürburgring) immerhin ein zweites Gespann um die Meisterschleife mitfuhr. Die im Saarland lebende Schülerin des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums hatte in diesem Zweikampf am Ende mit fast elf Punkten Vorsprung klar die Nase vorn. In der Gesamtwertung reichten 114,24 Punkte für Platz drei.
Die Fahrer aus dem Gastgeberlager hatten auf ihrer Heimanlage großes Pech. Der Gangloffer Hermann Hülsken, angetreten im Einspänner Pony Klasse A, verletzte sich, als seine Haflingerstute am Samstag auf dem Weg zum Start scheute und die Kutsche in den Graben katapultierte. Jörg Schuch, ausgewiesener Geländespezialist, als Landesmeister Titelverteidiger und zuletzt bei den süddeutschen Meisterschaften in seiner Paradedisziplin auf Platz zwei, kam immerhin bis Hindernis drei. Dort kippte seine Kutsche und der zu diesem Zeitpunkt klar in Führung Liegende schied aus. „All die Jahre ist nichts passiert und jetzt gleich zweimal“, sagte Vereinssprecherin Esther Hebel traurig.
„Pferdefreundlich und flüssig“
„Ich wollte das Ding halt gewinnen, da musste ich Gas geben“, analysierte der für Lauterecken startende Alzeyer am Tag danach das Malheur, das ihm einen dicken Fuß bescherte, aber ansonsten glimpflich abging. „Die anderen sind in den Hindernissen getrabt, ich bin galoppiert und da war ich halt in der Linkskurve am Hindernis drei viel zu schnell. Aber wenn man gewinnen will, muss man Risiko gehen, zumal es in der Dressur noch nicht so gut läuft.“ Gemeint ist damit die Leistung der zwölfjährigen Stute Alice, die Schuchs Routinier Baxter im Gespann mit Linus ersetzt hat und noch etwas Ausbildungsbedarf im Viereck hat.
Freuen konnten sich die Ausrichter, die auch noch von einem nächtlichen schweren Gewitter gebeutelt wurden, aber auch: Für Organisation, Bewirtung und Anlage gaben die Teilnehmer volle Punktzahl. Auch, was den von Heiko Hebel gesetzten Geländekurs anging. „Das war sehr pferdefreundlich und flüssig gebaut“, sagte Jörg Schuch. „Besser kann man nicht bauen.“ Und Landesmeister Otto Werst lobte: „Da kann man mit nachgebenden Hilfen arbeiten. Das ist richtig schön.“