Gries RHEINPFALZ Plus Artikel Lilau-Skulpturen in St. Tropez und bei Symposium in Hessen

Angestrahlt: Lilaus vier Skulpturen im Ausstellungsgarten der JPB Gallery St. Tropez.
Angestrahlt: Lilaus vier Skulpturen im Ausstellungsgarten der JPB Gallery St. Tropez.

Ab Sonntag nimmt der Bildhauer Lilau zum ersten Mal an einem Symposium teil. Mit Holz, wo doch Stein sein meistgenutztes Material ist, wie beim Skulpturenweg am Ohmbachsee. Markus Bäcker freut sich auf die Herausforderung und kann von weiteren Abenteuern berichten.

Ein wahres Kunst-Refugium hat Lilau sich am Ohmbachsee in Gries geschaffen: Ein Skulpturengarten mit herrlichen Ein- und Ausblicken, ein kreativ-chaotischer Werkraum, daneben viel Platz für Steinblöcke und Metallfundstücke. Eichenwald drumherum – aus kranken Bäumen werden Kunstwerke. Und dort unten der Ohmbachsee mit dem von Lilau realisierten Skulpturenweg.

„Das könnte ich sonst nirgends so machen“, ist er überzeugt, der Rastlose, der in seinem künstlerischen Tun Ruhe findet. Stets seien mehrere Werke gleichzeitig im Entstehen, berichtet Lilau. „Ich habe immer irgendwelche Ideen, im Unterbewusstsein bin ich immer am Machen.“ Es könne durchaus Monate dauern, bis er ein Stück für fertig erklärt. Wann das ist? „Wenn ich denke, es sieht schön aus. Das muss nicht perfekt sein, kann auch Macken haben.“

Intensität von Mensch und Kunst

Die Intensität, mit der Lilau lebt, scheint der künstlerische Autodidakt in seine Skulpturen zu übertragen, auch wenn er sagt: „Das Werk treibt eher mich an, nicht umgekehrt.“ Sein Schaffen, das vor zehn Jahren seinen Anfang nahm, ist vielseitig. „Alles ist im Fluss“, sagt er – und meint damit eigentlich gar nicht seine Werkgruppe „Elemente“, deren Skulpturen wie von Wasser durchlöchert, wie stehengebliebene Wellen wirken.

Ganz anderen Gewalten setzt er Stahl für seine Reihe Blast (Explosion) aus: Es wird gesprengt. Es entstehen Löcher und Spalten für Blickwinkel und Lichtspiele. Kunstwerke. Kleine Skulpturen gestalte er meist ganz frei, berichtet Lilau. Steinbildhauerisch agiert er für seine Kopf-Skulpturen. Doch er zeichne auch vor, um die gewünschte filigrane „Leichtigkeit“ zu erreichen, bei seinen gleichnamigen Werken, verrät der 46-Jährige: Was wie aufeinander liegende Ovale aussieht, ist aus einem Stück geschaffen.

Holz kann reißen

Eine solche Skulptur will er auch beim Symposium schaffen, bei dem er ab morgen dabei ist. „Zeitzeuge Holz“ ist das Motto des achten Holz-Bildhauer-Symposiums in Eppstein-Niederjosbach in Hessen, veranstaltet vom Kulturkreis Eppstein. Acht Künstler sind eingeladen, eine Woche lang auf einem Holzlagerplatz zu arbeiten. „Ich weiß nicht, wer mich ausgewählt hat“, sagt Lilau. Die Teilnehmer seien von vorherigen vorgeschlagen worden. „Da sind richtige Kracher dabei“, sagt Lilau mit Respekt.

Am sichersten fühlt er sich mit seinem Werkstoff Stein. Doch reizt ihn auch das Holz, das „Dir voll um die Ohren fliegen kann“, wenn man es nicht mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl behandelt. „Steine brechen, Holz kann reißen“, weiß der Skulpteur. Deswegen habe er mal den Stamm für eine Eichenskulptur 400 Tage lang im Ohmbach versenkt: „Ich wollte ein Jahr, habe es aber vergessen.“ Egal wie: Nasses Holz lässt sich besser bearbeiten. „Da sind die Kräfte rausgegangen. Jetzt sind auf der Skulptur noch Schlammfelder zu sehen.“ Bearbeitungs- und Faserspuren, die Natürlichkeit des Material, belässt Lilau gerne an seinem Werk. Oder er gibt ihm eine besonders rostende Patina durch eine selbst hergestellte metallhaltige Beize.

Hilfe für Hochwasseropfer

Seit Juli stehen einige seiner Skulpturen in St. Tropez: zwei kleine in der JPB Gallery mitten im Ort, vier große auf dem Ausstellungsgelände etwas außerhalb, mit dem Kran passend platziert. Der Transport solch großer Werke macht einige Mühe: 13 Stunden sei er mit dem Hänger unterwegs gewesen, damit mitten nach St. Tropez reingefahren mit seinen kleinen Gässchen, hinein in die Welt der Reichen und Schönen. Ein Abenteuer. Aber für die ist Lilau gerne zu haben. „Mit Kunst und Kultur wird es nie langweilig“, sagt er.

Ganz kurzfristig habe sich das mit St. Tropez ergeben, Galerist Jean-Pierre Botella habe ihn via Instagram angeschrieben. Verkauft wurde in St. Tropez noch keine der Skulpturen. Aber da hat Lilau Geduld, freut sich über weitere Kontakte und Möglichkeiten, etwa dass ein weiteres Werk Teil einer renommierten Ausstellung wird: bei der Massenheimer Auenkunst in Bad Vilbel. Das Kunstfestival Artmuc in München (Oktober) steht ebenso wie die Discovery Fair Art Frankfurt (November) in Lilaus Kalender. Und im kommenden Jahr wieder die Art Karlsruhe.

Dennoch findet er Zeit, für ein paar Tage ins Ahrtal zu fahren. Dreimal war er jetzt im Hochwassergebiet. Das Leid beschäftigt ihn, aber auch die Gemeinschaft und Dankbarkeit, die er dort erlebe. Eine seiner Skulpturen hat er bereits im Bieterverfahren verkauft, konnte so 6666 Euro an den Landkreis Ahrweiler spenden. Vielleicht werde es beim Symposium eine Möglichkeit für ein gemeinsames, weitere Spenden einbringendes Projekt geben, fährt Lilau voller Hoffnung nach Hessen.

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