Kusel
Leichtes Aufatmen beim Einzelhandel nach Lockdown-Lockerung
Dass ab Montag zumindest wieder einzelne Kunden oder mehrere aus einem Haushalt in die Läden dürfen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Da sind sich alle befragten Einzelhändler einig. Selbst wenn man nicht ganz nachvollziehen könne, warum die Größe des Ladens keine Rolle spiele. „Wir haben hier 200 Quadratmeter Ladenfläche und dürfen auch nur so viele Leute reinlassen, wie ein Geschäft mit 20 Quadratmetern. Dabei könnten bei uns drei Personen gleichzeitig gefahrlos einkaufen“, sagt beispielsweise Karin Mayer, eine von vier Geschäftsführerinnen bei Mode Wenk in Offenbach-Hundheim. „Ich denke, man hätte da nach Ladengröße entscheiden können, wie viele Leute gleichzeitig einkaufen dürfen“, pflichtet auch Jürgen Fritz bei, der in Lauterecken und Kusel seine Schuhhäuser betreibt.
„Wir freuen uns aber riesig, dass endlich mal wieder Kunden in den Laden dürfen – es war auch fünf vor zwölf“, sagt Pia Häring, Inhaberin von Yello Moden in Kusel. Bei ihr stehen schon seit Bekanntwerden der Lockerungen die Telefone nicht mehr still, und über die über die Social-Media-Kanäle erreichen sie zahlreiche Anfragen. Wer einen Termin bei Yello Moden macht, habe dann mindestens 30 und maximal 60 Minuten Zeit, sich das Angebot in Ruhe anzuschauen und Kleidung anzuprobieren.
„Es ist einfach schön, dass man die Kunden auch wieder persönlich in Ruhe beraten kann“, sagt Fritz. Auch bei ihm haben sich die ersten Kunden schon gemeldet, um Termine zu vereinbaren. 60 Minuten Zeit zum Stöbern und Anprobieren hält er aber dann doch für etwas zu lange. „Ich denke 20 bis 30 Minuten sollten reichen.“ Nach der langen Zeit ohne reguläre Umsätze, abgesehen vom Abholservice, werde es allerhöchste Zeit, dass man den Kunden wieder die Möglichkeit zum Einkaufen geben könne. „Der Abholservice ist zwar schön und gut, die Kunden schätzen aber einfach die persönliche Beratung im Laden“, weiß Fritz.
Nachfrage abwarten
Der Abholservice wird auch beim Modehaus Bischoff in Krottelbach und bei Mode Wenk nach wie vor sehr gut genutzt. „Wir werden das beibehalten“, sagt Mayer. „Natürlich vergeben wir Termine, wenn das ein Kunde wünscht, werden das aber erstmal nur von 9 bis 12 Uhr machen – in der gleichen Zeit, in der unser Abholservice läuft.“ Sollte die Nachfrage da sein, werde man das Angebot aber selbstverständlich ausweiten.
Michael Bischoff will ebenfalls zunächst einmal abwarten, wie groß die Nachfrage ist, bevor er sich über die Details der Öffnung und der Terminvergabe Gedanken macht. „Erste Anfragen per Telefon und E-Mail sind aber schon eingegangen.“ Schon in den vergangenen Wochen hätten ihn immer wieder Kunden angerufen und nachgefragt, wann er endlich wieder öffnen dürfe. „Man hat schon deutlich gemerkt, dass der Bedarf einfach da ist und sich die Leute, gerade jetzt, da die Temperaturen steigen, mal wieder etwas Neues zum Anziehen kaufen wollen.“
Nur einen Kunden – oder eben mehrere aus einem Haushalt – in den Laden lassen zu dürfen, sei natürlich keine Dauerlösung. „Aber es ist sowohl für uns als auch für die Kunden eine kleine Erleichterung und hoffentlich ein Schritt dahin, bald wieder regulär öffnen zu können“, hofft Bischoff.
Wildpark öffnet ebenfalls
Die angekündigten Lockerungen betreffen aber nicht nur den Einzelhandel. Harald Schauß darf seinen Wildpark auf dem Potzberg ab Montag wieder öffnen. Seiner Meinung nach zu spät. Denn wer am vergangenen Wochenende das frühlingshafte Wetter für den Besuch eines Tierparks nutzen wollte, der musste ins benachbarte Saarland ausweichen, wo Zoos und Tierparks schon länger wieder geöffnet sind. Und das haben offenbar viele Menschen getan. „Ich wurde von vielen Leuten angesprochen, dass sich die Leute im Tierpark in Freisen fast tottrampeln, während ich nicht öffnen durfte“, ärgert sich Schauß.
Ab Montag darf er nun endlich wieder Besucher begrüßen. Einen Termin müsse man aber nicht vereinbaren. „Zwar dürfen wir keine Flugshows veranstalten, Essen und Getränke gibt es nur ’to go’, und die Leute müssen zumindest im Kassenbereich Maske tragen und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Aber zumindest können wir wieder ein paar Einnahmen generieren.“ Denn ohne die vielen Spender, die ihn während des Lockdowns unterstützt haben, würde es den Wildpark womöglich schon nicht mehr geben.
Nur eines sei schade: „Für das Wochenende ist bombastisches Wetter angekündigt – während es für die kommende Woche ja nicht mehr ganz so gut aussieht. Und gerade am Wochenende würden sich die Leute sicher freuen, das tolle Wetter bei einem Besuch im Wildpark genießen zu können.“