Kusel / Ramstein-Miesenbach
Leader-Region Westrich-Glantal: Auftakt für neue Strategie
Es war die Auftaktveranstaltung zu einem mehr als einjährigen Prozess, mit dem die sogenannte Lile, die Lokale integrierte ländliche Entwicklungsstrategie, entwickelt werden soll. Sie ist dann sowohl Bewerbung für die Anerkennung als europäische Leader-Region für die neue Förderperiode ab 2023, als auch Leitfaden für die dann folgenden Entscheidungen: Gefördert werden können dann nur Projekte, die auch zur Strategie passen.
Bei Leader geht es um Fördermittel für kommunale wie private Akteure, für Vereine und Bürgerprojekte. Dazu gehört auch ganz praktische, tatkräftige Hilfe durch das Team der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG), verdeutlichte Wolfgang Lutz von der Krottelbacher Kaffeerösterei Reismühle in einem Vortrag. Durch Leader-Gelder konnte dort ein Anbau gebaut werden, ein Antrag zur Förderung einer gläsernen Manufaktur sei gerade raus. „Man wird nicht irgendwo abgearbeitet, sondern da sind wirklich Menschen, die sich kümmern.“ Menschen, die die Region kennen und sich für deren Entwicklung einsetzen.
Kusel-Altenglan und Weilerbach neu dabei
Genau solche haben sich am Donnerstagabend getroffen. Bis zu 60 Menschen waren in der Online-Videokonferenz. Die Landräte Otto Rubly (Kusel) und Ralf Leßmeister (Kaiserslautern), Bürgermeister von Verbandsgemeinden, politisch und in Vereinen Aktive, Bürger. Fast 120.000 Einwohner gibt es in der Region, die sich nun neu formiert.
Waren bisher in der Lokalen Arbeitsgruppe Westrich-Glantal die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Landstuhl, Oberes Glantal und Ramstein-Miesenbach dabei, kommen nun nicht nur durch die Fusion mit Landstuhl die ehemalige VG Kaiserslautern Süd, sondern auch noch Kusel-Altenglan und Weilerbach – die VG war bisher in der LAG Donnersberger und Lautrer Land – hinzu.
Bis zu 3,5 Millionen Euro
Das Überschreiten von Grenzen (hier von Landkreisen und Verbandsgemeinden) ist bei Leader gewünscht, es geht um Verbindungen, um gemeinsame ländliche Entwicklung. Man habe bisher viele Leute begeistern können, sagte Landrat Otto Rubly. Immerhin sind seit 2015 bisher 68 Projekte mit insgesamt etwa zwei Millionen Euro gefördert worden, berichtete Anne-Marie Kilpert von der Winnweilerer Regionalentwicklungsagentur, die die LAG betreut. 30 bis 75 Prozent der förderfähigen Kosten können aus den Mitteln von EU und Land zugeschossen werden, wenn der LAG-Vorstand ein Projekt annimmt. Für Bürgerprojekte gibt es 1500 bis 2000 oder gar die Premiumförderung von 3000 Euro.
In der kommenden Förderperiode werde die LAG Westrich-Glantal voraussichtlich 3,2 bis 3,5 Millionen Euro ausgeben können – eben für Projekte, die zur Strategie passen. Die wird teilweise fortgeschrieben aus der bisherigen, deren Hauptthemen lauten: Nachhaltiges Wirtschaften vor Ort, Leben in zukunftsfähigen Gemeinden, naturnahe Erholung aktiv gestalten. Hinzu kommt ein Fokus auf Natur und Umwelt. Rubly: „Damit können wir die Menschen begeistern.“ Denn diese seien das Fundament von Leader. Die Strategie solle von ihnen, von unten nach oben entwickelt werden, erklärte Kilpert.
Rege Beteiligung
Begeisterungswürdig waren viele der Ideen, die dann in den Arbeitsgruppen in den Raum geworfen wurden. Von einer Markthalle für regionale Erzeuger bis zu gemeinsamer Online-Vermarktung. Von der Belebung der Wirtshauskultur bis zur Stärkung der Ortsmittelpunkte. Von Entwicklung der Leerstände bis zu guten Lebensverhältnissen sowohl für Senioren als auch für junge Familien. Vom Nachhilfeprogramm bis zu Wasserspielplätzen für Jugendliche und Kinder. Von besserer gemeinsamer touristischer Vermarktung bis zur stärkeren Herausstellung der einzigartigen Fernblicke von unseren Höhenrücken, der Wanderregion. Von kultureller Vernetzung bis zur App-Lösung, um Kühlschränke, Fahrrad-Reparaturboxen oder mehr unterwegs nutzen zu können.
Über die rege Teilnahme freute sich Roland Palm aus Kottweiler-Schwanden, Vorsitzender des Vereins Lokale Arbeitsgruppe Westrich-Glantal mit Sitz in Ramstein-Miesenbach. „Das zeigt: Alle sind bereit, sich für die Region einzusetzen und sich zu engagieren, dass die Region und die Heimat ihnen am Herzen liegt.“
Bis zur Strategie ist es noch ein Stück Wegs: Es gibt einen Online-Fragebogen, Experteninterviews und -workshops sind geplant, ein Überraschungsprojekt ist für nächsten Sommer angekündigt, bevor im Oktober bei der Konsensveranstaltung die neuen Leitlinien vorgestellt werden – wohl inklusive Bewerbungsvideo, für das die Videokonferenz am Donnerstag aufgezeichnet wurde.
Info
Wer noch Ideen für die Region und die neue Leader-Strategie hat, kann diese bei der Online-Umfrage äußern.