Kusel
Landtagswahl: Duell der „Neulinge“, die keine sind
Oliver Kusch (52) legt Wert auf die Feststellung, kein Seiteneinsteiger zu sein. „Ich bin seit 1992 SPD-Mitglied, habe mit zwölf Wahlplakate für Rose Götte geklebt, war fünf Jahre Beigeordneter“, zählt der Mediziner auf. Seine Praxis, die der Kardiologe gemeinsam mit seiner Frau führt, will er auf jeden Fall behalten. Wenn er ins Parlament gewählt wird, stellt er zwar einen Mediziner ein, praktiziert aber weiterhin.
„Ich will immer wissen, von was ich rede“, ist der Bezug zur praktischen Arbeit für Kusch wichtig. Es reize ihn ungemein, daran mitzuwirken, die Probleme der Gesundheitspolitik anzugehen. „In einem System, das Ärzte in eine Scheinselbstständigkeit drängt, mit Budgetierung das medizinisch Notwendige verhindert wird und wo noch Jahre danach Regressforderungen möglich sind, braucht sich niemand zu wundern, dass es auf dem Land immer weniger Ärzte gibt“, zählt er die Missstände aus seiner Sicht auf.
Nur dank Bafög studiert
Das Eintreten für sozialdemokratische Werte sei für ihn Teil der Biografie. „Ich kommen aus einfachen Verhältnissen, meine Mutter war alleinerziehend, ohne Lernmittelhilfe, und später ohne das Bafög hätte ich weder Abitur gemacht noch studieren können“, blickt er zurück. Daraus leitet er auch die Forderung ab, dass der Öffentliche Personennahverkehr nichts kosten darf: „Dass das noch freiwillige Ausgaben der Gemeinden sind, ist einfach unglaublich.“
Einen Haustürwahlkampf kann er sich auch wegen Corona nicht vorstellen. Kusch will mit dem E-Bike den Landkreis abfahren und dabei mit den Bürgern ins Gespräch kommen.
Großvater im Landtag
Auch Isabel Steinhauer-Theis (44) hat mit 15 in Lauterecken mit der Jungen Union die ersten Wahlkampferfahrungen gemacht. „Wir waren in der Jugend eine tolle Truppe“, blickt sie mit Stolz zurück. Der Vater saß im Stadtrat, der Großvater war Stadtbürgermeister und Landtagsabgeordneter. „Bei uns zu Hause ist schon immer über Politik diskutiert worden“, will die erste Frau im Bürgermeisteramt in Lauterecken auch das Kunststück vollbringen, erstmals für die CDU das Direktmandat zu gewinnen.
„Ich lebe gerne hier und will deshalb dazu beitragen, dass es den Menschen besser geht“, hat der Betriebs- und Landwirtin der Sieg bei der Stadtbürgermeisterwahl 2019 zusätzlichen Auftrieb gegeben. Als zweite Vorsitzende der Landfrauen in der Pfalz weiß sie eine treue Anhängerschaft hinter sich: „Wir sind mit 45.000 Mitgliedern die größte Frauenbewegung in Rheinland-Pfalz.“
Über den Wahlkampf zu Corona-Zeiten hat sie sich noch keine Gedanken gemacht. Sie werde tun, was sie in der Politik schon immer getan habe: den Menschen zuhören und ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen. Das wünsche sie sich auch von Landes- und Bundespolitikern, die die Gemeinden finanziell immer mehr austrocknen würden über die Pflichtaufgaben. Im Blickpunkt stünden viel zu oft die Metropolen. Der ländliche Raum werde vernachlässigt.
Grüner Außenseiter
Und dann gibt es ja noch einen Arrivierten, der als lachender Dritter für die Überraschung sorgen könnte: Andreas Hartenfels (54) von den Grünen, seit 2011 Mitglied des Landtages. Der Stadtplaner aus Nanzdietschweiler ist trotz der guten Umfragewerte für die Grünen ganz entspannt: „Ich weiß, dass da ganz viel zusammenkommen müsste, um das Direktmandat zu gewinnen.“
Hartenfels kann wie Steinhauer-Theis davon ausgehen, auf der Landesliste so gut platziert zu sein, dass ein Einzug in den Landtag gelingen wird, auch wenn er nicht das Direktmandat holt. Kusch muss dagegen wahrscheinlich den Wahlkreis gewinnen – so wie es seinem Vorgänger Jochen Hartloff auch immer gelang.