Altenglan RHEINPFALZ Plus Artikel Landesinnungsmeister: Viele Herausforderungen für Frisörhandwerk

Landesinnungsmeister Ingo Cappel arbeitet allein in seinem Salon in Altenglan. Kunde Harald Hertzberg kommt schon seit den 1960e
Landesinnungsmeister Ingo Cappel arbeitet allein in seinem Salon in Altenglan. Kunde Harald Hertzberg kommt schon seit den 1960er-Jahren zum Haareschneiden in den Familienbetrieb.

Wie viele andere Handwerkszweige gibt es auch bei den Frisören einen Fachkräftemangel. Das ist aber nicht die einzige Herausforderung für die Haarkünstler, wie der Landesinnungsmeister Ingo Cappel aus Altenglan weiß.

Seit etwa 35 Jahren ist Ingo Cappel in seinem Friseursalon in Altenglan tätig. Angefangen habe alles mit seinem Urgroßvater, der den Salon seinerzeit in denselben Räumen eröffnete. Cappel ist aber nicht nur selbst Friseurmeister in der Familientradition, sondern mittlerweile sogar Landesinnungsmeister des Friseurhandwerks in der Pfalz. Ende Juni wurde er ins Amt gewählt. Als Landesinnungsmeister vertritt er jetzt die Interessen der selbstständigen Friseure von Ludwigshafen bis Zweibrücken.

„Dabei geht es vor allem um arbeits- und berufspolitische Themen“, erklärt Cappel. Heißt konkret: Cappel sammelt, was Friseure in der Pfalz beschäftigt, und trägt das an die zentrale in Köln heran. Die wiederum steht dann für die Interessen gegenüber der EU und der deutschen Regierung an. Gtoße Themen seien gerade unter anderem Ausbildung, Mindestlohn und elektronische Rechnungen. Gerade die Bezahlung der Friseure sei ein viel diskutierter Punkt. Cappel: „Wenn wir den mindestlohn erhöhen, dann müssen wir natürlich auch die höheren Stufen im Betrieb anheben. Und dann kommt es für den Kunden zu höheren Preisen, denn irgendwo muss das Geld ja auch herkommen.“

Kunden kommen seltener

Anliegen Bündeln ist eine Aufgabe Cappels, die Mitglieder mit Informationen des Zentralverbandes versorgen gehört aber auch dazu. Hier aktuell: Eine Pilzinfektion, die sich von Bayern aus ausbreitet. „Da haben wir dann gleich Lösungen vom Verband bekommen, zum Thema Hygiene. Wenn man richtig desinfiziert, besteht keine Gefahr“, so Cappel. In der Pfalz seien Cappel noch keine Fälle des sogenannten Fadenpilzes bekannt. Dieser sei in Bärten zu finden und könne bei einer Infektion zu Auschlägen und Haarausfall führen.

Was bei Friseuren nicht nur in der Pfalz sondern in ganz Deutschland für Kopfzerbrechen sorgt sind zwei weitere Dauerthemen: Preiserhöhungen und der Nachwuchs. Dass das Leben teuer geworden ist äußere sich nicht nur in den Lebensmittelpreisen oder den Kosten für Energie oder Versicherungen, sondern auch indirekt bei den Friseuren, wie Cappel erklärt. „Wenn das Geld knapp ist, dann wird beim Friseurbesuch schnell gespart“, so der Friseuermeister. Das merke er auch im eigenen Betrieb. „Einige kommen jetzt seltener zum Haarschnitt“, so der Altenglaner. Gehe das so weiter, bestehe die Gefahr, dass unlautere Konkurrenz, wie Cappel es nennt, mehr Zulauf bekomme. Gemeint seien damit unter anderem Barbiergeschäfte, welche in der Vergangenheit vereinzelt mit illegalem Lohndumping Preise gedrückt hätten. „Diese Geschäfte stehen aber natürlich nicht unter Generalverdacht“, fügt Cappel hinzu.

Großes Potential nutzen

Wie auch andere Branchen in Deutschland spürt das Friseurhandwerk den Fachkräftemangel. Cappel arbeite alleine, Auszubildende gebe es in seinem Betrieb keine. Die Ursachen für den Friseurschwund seien vielfältig. „Viele Betriebe bilden nicht mehr aus, weil sie schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden gemacht haben“, so Cappel. Oft sei von fehlendem Anstand die Rede: „Dass wir immer freundlich sein müssen gehört nunmal bei uns dazu. Manchen fehlt das.“ Auch fehlende Schulbildung, unter anderem in den Bereichen Mathematik und Chemie, werde von Kollegen bemängelt. Gleichzeitig bestehe ein großes Potential, welches das Handwerk eigentlich nutzen könne: „Auf Social Media gibt es so viele Inhalte zum Thema Beauty und Frisör, viele junge Menschen interessiert das. Aber der Schritt zur Ausbildung fehlt noch.“

Auch darüber, Bürgergeldempfänger und Geflüchtete aus der Ukraine anzuwerben, solle man nachdenken, so Cappel. Die Landesinnung arbeite in jedem Fall an Lösungen. Viel wäre gewonnen, wenn mehr junge Frisöre sich im Verband einbrächten. „Gerade Leute, die sich mit den sozialen Medien auskennen und junge Menschen animieren können, würden uns sehr helfen“, so Cappel. Zudem werde versucht, mehr Betriebe wieder für Ausbildungen und Praktika zu öffnen. Denn selbst wenn jetzt weniger oft zum Haareschneiden gegangen werde, seien Frisuren immer noch ein wichtiger Teil von Mode und Stil. „Gerade Männer werden immer experimentierfreudiger. Das konnte man gut am Nationalspieler Robert Andrich sehen“, so Cappel. Und genau deswegen brauche es immer Leute, die diese Frisuren auch schneiden können.

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