Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Kurioses von der KI: Wo in Kusel der Teufel hausen soll

Wer sich auf die Künstliche Intelligenz verlässt, kann ganz schön durcheinander kommen. Das hat RHEINPFALZ-Redakteur Jan Ullm er
Wer sich auf die Künstliche Intelligenz verlässt, kann ganz schön durcheinander kommen. Das hat RHEINPFALZ-Redakteur Jan Ullm erfahren. Im Lokalen geht eben nichts über die klassische Recherche.

In seiner ersten Wochenendkolumne geht Jan Ullm der Frage nach, was Kusel ausmacht – und fragt eine Künstliche Intelligenz. Dabei erhält er verblüffende Antworten.

Was genau macht Kusel aus? Auch einem Neuankömmling aus der Vorderpfalz wie mir fallen dabei natürlich sofort mehrere Orte und kulturelle Besonderheiten ein – allen voran die Burg Lichtenberg, die Herbstmesse oder die idyllische Berglandschaft. Mir reicht das aber nicht: Als Journalist will ich tiefer graben, mehr über die Geschichte des Kuseler Lands erfahren – und die Geheimnisse, die sich unter der Oberfläche verbergen.

Was also tun? Eigentlich sitzt Christian Hamm mir gegenüber am Schreibtisch, der mir von den Kollegen als wandelndes Lexikon vorgestellt wurde, mit Sicherheit meine drängendsten Fragen beantworten könnte – nur ist er heute leider nicht hier. Also öffne ich die Suchmaschine und ziehe die Künstliche Intelligenz (KI) zurate. Immerhin schreiben wir das Jahr 2025 – und ganz ehrlich: Wer ist nicht neugierig, welche womöglich brisanten Details die KI über Kusel ausspuckt?

Verborgene Orte und Teufelssagen

Nachdem ich meine Eingangsfrage bei Chat GPT gestellt habe, erhalte ich Antworten, die mich etwas verdutzt zurücklassen. Wussten Sie etwa, dass Kusel neben der historischen Altstadt und ihren engen Gassen auch durch die Basilika St. Andreas bekannt ist? Richtig gehört: Anscheinend wurde die romanische Kirche in Köln Stein für Stein abgebaut und in der Westpfalz wieder aufgebaut. Eine andere Erklärung finde ich spontan nicht.

Ein weiterer kurioser „Fakt“: Wussten Sie, dass sich unterhalb von Kusel ein riesiges System aus Kellern und unterirdischen Gängen befindet? Angeblich soll dort auch der „Kuseler Teufel“, eine bekannte Sagengestalt, von der die Kuseler in kalten Winternächten beim Einschlafen erzählen, sein Unwesen treiben. Wenn nicht dort, dann im Pfälzerwald, um arglose Einheimische zu erschrecken.

Zugegeben: Ganz abwegig ist der Gedanke von einer Teufelsgestalt, die in Kusel ihren Schabernack treibt, nicht. Immerhin gibt es in der gesamten Pfalz zahlreiche Sagen und Orte, die einen Bezug zum Höllenfürst haben. Laut dem dritten Band von Viktor Carls Sammelband „Pfälzer Sagen“ wollte er etwa in der Nähe von Lauterecken auf dem heutigen Veldenzköpfchen eine Kapelle verhindern. Dennoch lassen sich bei meiner Recherche keine Hinweise auf einen „Kuseler Teufel“ finden. Auch in der Redaktion blicke ich nur in ratlose oder irritierte Gesichter – obwohl doch laut KI jeder Kuseler die Geschichte von klein auf kennt.

„Muss mit offenen Augen durch die Stadt gehen“

Spätestens an dieser Stelle wird es Zeit, den Laptop zuzuklappen. Ich muss selbst auf die Straßen gehen, um Kusel zu ergründen. Das meint auch Hans-Joachim Redzimski, langjähriger Leiter der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Kaiserslautern, der in Kusel aufgewachsen ist und hier das Schreiben begann. „Man muss mit offenen Augen durch die Stadt gehen, um das Besondere an Kusel zu entdecken“, sagt er – etwa die engen Gassen, die verborgenen Hinterhöfe oder die alten Schriftzüge von ehemaligen Geschäften, die von einer Zeit zeugen, als Leerstand noch kein Thema war.

Auch wenn Redzimski in Kaiserslautern und in Danzig lebt: Immer wieder gerne komme er nach Kusel – seinem Ruhepol. Vielleicht liegt darin die Antwort auf meine Frage – was mich beruhigt. Es zeigt, wie wichtig es ist, mit den Menschen vor Ort zu sprechen und zu recherchieren – was keine Maschine der Welt ersetzen kann.

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