Kusel
Kunden, Mitarbeiter, Filialen und Kredite: So ist die Kreissparkasse Kusel aufgestellt
Diese Position „haben wir uns über Jahrzehnte erarbeitet“, sagt Thomas Hintermeier. Seit Januar ist Hintermeier Vorstandsvorsitzer der Kreissparkasse Kusel. Zusammen mit seiner Vorstandskollegin Luzia Welter, die ihren Vertrag nach fünf Jahren bei der Bank gerade erst verlängert hat, stellte Hintermeier die vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024 vor. Die Bilanzsumme überschritt erstmals knapp die Zwei-Milliarden-Euro-Marke, ein „Meilenstein“, der wesentlich durch „sehr gute Zuwächse“ im Kundengeschäft sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten erreicht worden sei, sagt Hintermeier.
Um den Kontakt mit den Kunden zu halten, will der Sparkassenchef an der Präsenz in der Fläche mit 19 Geschäftsstellen, davon neun personenbesetzt, unbedingt festhalten. „Stand heute gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern.“ Aber natürlich werde man sich weiterhin genau anschauen, welche Leistungen an welchen Standorten nachgefragt werden. „Wenn keine drei Kunden mehr am Tag in eine Filiale kommen, müssen wir gegebenenfalls reagieren.“
Personalsuche ist eine Herausforderung
Gerade die Digitalisierung führe zu einer Veränderung des Kundenverhaltens hin zu einer stärkeren Nachfrage nach digitalen Beratungs- und Serviceangeboten. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass ein Standort geschlossen werde. Beispielsweise könnten die Öffnungszeiten an das Verhalten der Kunden angepasst werden. Die Präsenz in der Fläche mitsamt Wachstum im Kundengeschäft sei die Basis dafür, die Eigenständigkeit der Kreissparkasse aufrecht zu erhalten. „Dafür tun wir alles“, sagt Hintermeier.
Eine Herausforderung bleibt die Personalsuche. Derzeit beschäftigt die Kreissparkasse 313 Mitarbeiter, Ende 2023 waren es 302 Frauen und Männer. „Wir arbeiten täglich daran, als Arbeitgeber attraktiver zu werden“, sagt Hintermeier. Denn ein Aderlass beim Personal stehe bevor, wenn sich in vier, fünf Jahren aus den Reihen der „Babyboomer“ überdurchschnittlich viele Beschäftigte der Sparkasse in den Ruhestand verabschieden. Dafür treffe die Bank schon jetzt Vorsorge und stelle Mitarbeiter ein. So soll die Anzahl der Auszubildenden auf zehn pro Lehrjahr, also 30 insgesamt (derzeit 18), erhöht werden. „In den vergangenen Jahren war es schwierig, überhaupt acht Auszubildende zu finden“, sagt Luzia Welter.
Unsicherheit bei Kunden im Südkreis
Auch Seiteneinsteiger seien willkommen, sagt Hintermeier. Gerade habe eine Kollegin einen Arbeitsvertrag unterschrieben, die aus der Gastronomie komme. Wichtig sei, dass jemand auf Menschen zugehen könne. Künstliche Intelligenz könne die Mitarbeiter künftig unterstützen bei der Bearbeitung von Daten, Prozesse könnten so beschleunigt werden, sagt Hintermeier.
Eine Herausforderung für die Bank sei auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Mit Sorge blickt der Sparkassenvorstand ins Saarland, wo große Industriebetriebe wie Michelin, Bosch, ZF oder Schaeffler Stellen abbauten. Betroffen seien auch Sparkassen-Kunden – insbesondere aus dem Südkreis. „Wir spüren deren Unsicherheit“, sagt Hintermeier. Investitionsentscheidungen wie etwa Kauf oder Bau eines Eigenheims würden zurückgestellt, solange nicht klar sei, was aus dem Arbeitsplatz wird.
Insgesamt hätten die Privatkunden der Bank aber im Geschäftsjahr 2024 mit 108,4 Millionen Euro (davon 98,9 Millionen für den Wohnungsbau) wieder mehr Kredite neu aufgenommen als im Vorjahr (92,6 Millionen Euro), das Hintermeier zufolge geprägt war durch Unsicherheiten wegen des Ukraine-Kriegs, der hohen Inflation und steigender Energiekosten. Die gewerbliche Kreditnachfrage sei 2024 zwar zurückgegangen auf 107,4 Millionen Euro (2023: 122 Millionen Euro), aber die Nachfrage nach Krediten durch Gewerbekunden sei zu Beginn des Jahres 2025 deutlich angestiegen, sodass das Ergebnis von 2022 (134,9 Millionen Euro) wieder erreicht werden könnte.
Wertpapiere immer mehr nachgefragt
Nach wie vor hadert der Sparkassen-Vorstand mit regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen. Die nähmen bisweilen Ausmaße an, die nicht mehr als normal bezeichnet werden können. Luzia Welter nennt ein Beispiel: Schon bei einer normalen, unkomplizierten Baufinanzierung falle eine Papierflut an, die einen kleinen Leitz-Ordner fülle. Aber das ist ein Ärgernis am Rand, wichtiger sei die wirtschaftliche Stärke der Bank: „Wir verfügen über eine stabile Ertragslage und eine solide Eigenkapitalausstattung“, so der Sparkassenvorstand. Das Betriebsergebnis sei um rund 0,4 Millionen auf 12,8 Millionen Euro gestiegen, und dem Eigenkapital seien erneut 8,1 Millionen Euro zugeführt worden. Bei den Wertpapieren sei die Nachfrage hoch, das Neugeschäft lag im Vorjahr bei 121,6 Millionen Euro. „Wer eine vernünftige Rendite erzielen will, kommt um Wertpapiere nicht herum“, sagt Hintermeier.
Auf unverändert hohem Niveau blieb mit 593.000 Euro das gesellschaftliche Engagement der Kreissparkasse Kusel. Mit dem Geld seien Veranstaltungen und Projekte in den Bereichen Soziales, Sport, Kultur und Kunst unterstützt worden, sagt Luzia Welter. Beispielsweise seien der Stiftung Kuseler Musikantenland erneut 140.000 Euro zugeführt worden. 2025 stehen für Spenden und Sponsoring rund 620.000 Euro im Budget der Kreissparkasse.