Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Kuladig-Pilotgemeinde Lauterecken: Die Stadt digital entdecken und bewahren

Zwei in einem Bild: Für das Kriegerdenkmal am Veldenzplatz gibt es ebenso einen Eintrag im Kuladig-Portal wie für die Protestant
Zwei in einem Bild: Für das Kriegerdenkmal am Veldenzplatz gibt es ebenso einen Eintrag im Kuladig-Portal wie für die Protestantische Pfarrkirche dahinter.

Der Blücherbrunnen, die Lauterbrücke, die Kriegerdenkmäler und Kirchen – natürlich das Schloss: Über die Kulturschätze Lautereckens können sich Touristen ebenso wie Schüler oder Studenten auf der Datenbank Kuladig informieren. Das Pilotprojekt ist fast abgeschlossen, fast alle Beiträge sind online, doch der größte Komplex fehlt noch.

Es ist eine große Fülle an Informationen, die da über Lauterecken zusammengetragen und im Kuladig-Portal zugänglich gemacht wird. Webseite und App von „Kultur.Landschaft.digital“ können Touristen nutzen, aber die Datenbank dient auch dem Wissenserhalt und der modernen Kulturvermittlung.

13 Einträge gab es Anfang der Woche – jederzeit könnten neue freigeschaltet werden, die Projektgruppe wartet sehnsüchtig darauf. Es fehlt beispielsweise der große Komplex zur Geschichte des Veldenzschlosses und den Häusern am Veldenzplatz, Schwerpunkt des Projektes. Dazu gehören auch ein Video-Interview mit dem Künstler Gottfried Bräunling über die Skulpturen am Schloss und ein Audiobeitrag mit Brigitte Schön, die die historische Stuckdecke im Schloss restauriert hat.

Höhepunkte: Drohnenfilme und 3-D-Schlossmodell

Die beiden Höhepunkte des Projektes sind für Archivar Jan Fickert zum einen zwei Filme mit Drohnenaufnahmen über Lauterecken sowie über das Schloss, die mit dem Projektgeld (1000 Euro) für die Pilotkommune Lauterecken in Auftrag gegeben werden konnten – sie sind auch auf der Internetseite der Stadt zu sehen. Zum anderen ein noch nicht fertiggestelltes digitales 3-D-Modell des Schlosses, wie es zur Zeit der Renaissance ausgesehen haben könnte. Das wird von Gerhard Philipp aus Breitenbach in akribischer Kleinarbeit programmiert: Jeder kleinste Gebäudeteil muss so förmlich moduliert werden, dass er räumlich dargestellt werden kann.

Lauterecken ist eine der Pilotgemeinden, wo auch wegen der Pandemie alles nicht ganz so schnell voranging, wie nach einem ersten Rundgang im Juni 2020 erhofft. Geplant sind noch ein Rundweg und ein touristischer Flyer, außerdem sollen die bestehenden historischen Informationstafeln mit QR-Codes ergänzt werden, die auf Kuladig verweisen. Noch leiten die schwarz-weiß gemusterten Quadrate auf den blauen Schildern mit den Kurzbeschreibungen an Denkmälern und Sehenswürdigkeiten auf izi.travel, wo 30 Stationen hinterlegt sind. Kuladig habe beispielsweise den Vorteil, dass die Daten für 50 Jahre gesichert sind, außerdem Änderungen und Ergänzungen möglich seien, erklären Jan Fickert und Achim Wirth im Gespräch.

Vor allem von App begeistert

Ein Projektteam, angeführt von Archivar Jan Fickert, hat die Beiträge über die Stadtgeschichte erstellt. Die Pfarrer halfen bei den Kirchenchroniken, Heimatforscher Karl Pfleger und Stadtführer Dieter Drumm waren mit von der Partie, auch Stadtbürgermeisterin Isabel-Steinhauer-Theis schrieb mit, Guido Schönfelder fotografierte.

Achim Wirth von der Verbandsgemeindeverwaltung kümmert sich um die Technik. Vor allem von der App ist er begeistert: antippen, hin navigieren, sich informieren – bei Interesse auch nur digital. Natürlich sei jedoch das Ziel, dass die Leute auch nach Lauterecken kommen und die Sehenswürdigkeiten der Stadt ganz real genießen.

Hoher wissenschaftlicher Anspruch

Ursprünglich war vorgesehen, dass jede Modellkommune von zwei bis drei Studenten unterstützt wird. Für die Veldenzstadt hat das nicht geklappt. Der zuständige Professor habe keine Studenten gefunden, berichtet Fickert. Immerhin: Als Archivar sitzt er ja an der Quelle. Der wissenschaftliche Anspruch bei Kuladig sei hoch, sagt Fickert: „Jede kleine Info muss irgendwie belegt werden, daraus ergibt sich ein riesiges Quellen- und Literaturverzeichnis. Für vieles habe ich Wochen und Monate gebraucht.“ Anderes, gibt er lachend zu, habe er in der Schublade gehabt.

Erst nach wissenschaftlicher Prüfung werden die Beiträge auf dem Portal freigeschaltet. Deshalb könnte die Plattform auch für wissenschaftliche Recherchen genutzt werden, von Schülern und Studenten beispielsweise. Touristen, die sicherlich nicht so tief in die Materie einsteigen wollen, könnten sich herauspicken, was sie interessiert.

Kuladig: Da ist mehr für den Kreis drin

Das Informationssystem Kuladig, Kultur, Landschaft, digital, mit Webseite und App wird seit 2002 vom Landschaftsverband Rheinland betrieben – räumliche Grenzen gibt es keine. Um Rheinland-Pfalz verstärkt zu präsentieren, wurden 2019 erstmals neun Pilotkommunen betreut. Lauterecken gehörte zur zweiten Phase im Jahr 2020, aktuell läuft die dritte und letzte Phase mit etwas Corona-Verzögerung. Dafür verantwortlich zeichnet das Institut für Kulturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau, mit Unterstützung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Anhand dessen, was die Pilotkommunen entwickeln, sollen Leitfäden erarbeitet werden für jene Gemeinden, die Kuladig zukünftig nutzen wollen.

Mit Informationen über Denkmäler und andere Kulturschätze gefüttert wird das System auch von der SGD Süd sowie vom Verein Zukunftsregion Westpfalz, sodass es für den Kreis Kusel beispielsweise auch Einträge wie jenen zur Burgruine Deinsberg bei Theisbergstegen und der Sprengelburg-Ruine bei Oberweiler im Tal sowie dem Wasserturm am Sangerhof gibt. Kuladig ist ein bisschen wie Wikipedia: jeder kann Beiträge einreichen. Diese müssen fundiert sein, Quellennachweise geliefert werden. Das Kuladig-Kompetenzzentrum prüft sie und stellt die Beiträge dann online.

Info

www.kuladig.de

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