Lauterecken
Kriminalstatistik: Polizei meldet mehr häusliche Gewalt
Die Corona-Pandemie habe sich sowohl positiv als auch negativ auf die Kriminalität in seinem Zuständigkeitsbereich ausgewirkt, erklärt Peter Natter, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. 1100 Straftaten sind im Ausnahmejahr 2020 in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein (774, 23 mehr als 2019) und der ehemaligen Verbandsgemeinde Meisenheim (326, 29 weniger als 2019) dokumentiert und bearbeitet worden. Insgesamt sind das sechs weniger als im Vorjahr bei 25.553 Einwohnern, wobei 216 auf die Stadt Lauterecken entfallen. „Ähnlich wie vorher“, erklärt Natter.
Der Rückgang ist kaum erwähnenswert, liegt die Fallzahl gar über den Werten der Jahre 2016 bis 2018. Und die Zahlen stehen im Gegensatz zur Entwicklung im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz insgesamt mit einem Rückgang von fünf Prozent. Bei der Aufklärungsquote ist die Polizeiinspektion Lauterecken gleichauf mit 70 Prozent. 68 Prozent waren es im Jahr davor. Von 556 Straftätern waren etwa 75 Prozent männlich, ein „übliches Verhältnis“. Knapp zehn Prozent hatten keine deutsche Staatsbürgerschaft.
54 Mal eskaliert es Zuhause
„Der Anstieg der häuslichen Gewalt kann durchaus darauf zurückzuführen sein, dass die Leute wegen Corona mehr aufeinander hängen“, sagt Natter. 54 Fälle sogenannter Gewalt in engen sozialen Beziehungen wurden bekannt, 16 mehr als 2019.
Sieben Sexualdelikte wurden von den Beamten im Nordkreis bearbeitet, alle aufgeklärt. Drei waren es 2019 gewesen. 2020 noch hinzu kamen jedoch 29 Delikte, die von der Kriminaldirektion in Kaiserslautern bearbeitet wurden: Mehrere Fälle von Kinderpornografie wurden aufgedeckt. Außerdem habe sich ein „psychisch auffälliger Mann in einem kleinen Dorf im Landkreis Kusel exhibitionistisch gezeigt“, erklärte Natter.
Einbruchserie in Gartenhäuser
Er macht wie in den Vorjahren darauf aufmerksam, dass in einem Bereich mit generell niedrigen Fallzahlen eine statistische, prozentuale Auswertung ein verzerrtes Bild darstellen könnte. Eine Serie wirke sich dann stark aus, wie eine Einbruchsserie in Gartenhäuser im Bereich Meisenheim. Eine deutliche Steigerung von 81 auf 119 ist somit bei den Einbrüchen vermerkt. Allerdings entfallen nur 13 (2019: acht) davon auf bewohnte Räume, der Rest auf Gartenhäuser, Lagerhallen, Geschäfte. In diesem Bereich will die Polizeiinspektion ihre Anstrengungen intensivieren. Denn die Aufklärungsquote ist auf 17 Prozent (2019: 20 Prozent) gesunken.
Öfter im Netz beleidigt
Ein deutlicher Anstieg ist auch im Bereich „sonstige Straftaten“ zu beobachten: 350 gegenüber 302 im Jahr 2019. Darunter fallen Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Üble Nachrede, vor allem Anfeindungen in sozialen Medien, wurde 108-mal angezeigt, im Jahr davor 92-mal. Dies folge einem allgemeinen Trend, durch die verstärkte Kommunikation übers Internet verursacht, meint Natter, könnte aber auch durch Corona verstärkt worden sein. Er warnt auch im Hinblick auf Betrugsfälle vorm „Tatort Internet“. Allerdings sind die Zahlen im Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte im Nordkreis rückläufig: von 140 in 2019 auf 104 in 2020.