Kusel-Altenglan / Oberes Glantal
Kriminalität: Nach „Allzeithoch“ anno 2023 Anzahl der Straftaten 2024 merklich gesunken
„Ballerspiele im Internet“ und reichlich Frust: Damit lässt sich laut Polizei wohl teilweise erklären, dass zunehmend Kinder gewalttätig werden. Ein immenser Anstieg an Körperverletzungsdelikten, die mutmaßlich auf das Konto von Kindern gehen, sticht beim Blick auf die Kriminalitätsstatistik 2024 der Polizeiinspektion Kusel heraus. Beim ersten Blick auf das Zahlenwerk fällt auf: Die Anzahl der Straftaten war gegenüber dem Jahr zuvor merklich rückläufig. Die Kreisstadt bleibt weiterhin Kriminalitätshochburg. Und: Bei gut 30 Prozent aller Straftaten galten Personen ohne deutschen Pass als tatverdächtig. Bei Gewalttaten waren es sogar noch deutlich mehr.
Der Verantwortungsbereich der Polizeiinspektion Kusel umfasst die beiden Verbandsgemeinden Kusel-Altenglan und Oberes Glantal. Knapp über 53.000 Einwohner zählen die insgesamt 57 Ortsgemeinden inklusive der beiden Städte Kusel und Waldmohr. Hinzu kommen die Bewohner der Aufnahmestation für Asylbegehrende (AfA), für deren Belange die Polizei eigens eine „Ermittlungsgruppe Migration“ eingerichtet hat. Dies ist insofern von Belang, als in der AfA Straftaten bearbeitet werden, die in einem direkten Zusammenhang mit der Einrichtung stehen: Registriert werden dort Delikte gemäß Aufenthaltsgesetz und Asylgesetz, die allen illegal Eingereisten – und nur diesen – angelastet werden.
Fallzahlen auf fast allen Feldern zurückgegangen
Das ist auch im Hinblick auf die Kriminalstatistik von einiger Bedeutung. Denn zieht man die ausländerrechtlichen Verstöße vom Straftatenaufkommen ab, wird das Bild klarer. 3497 Taten sind im vergangenen Jahr ruchbar geworden – 2023 waren es noch 4242. Nach Abzug der ausländerrechtlichen Taten bleiben 2710 (2023: 3360), die sich in die Hauptgruppen der „Alltagskriminalität“ – Diebstahls- und Rohheitsdelikte, Gewalt- und Straßenkriminalität beispielsweise – einsortieren und interpretieren lassen.
Durch die Bank sind die Fallzahlen im vergangenen Jahr gegenüber 2023 zurückgegangen. Erfreulich für die Kuseler Polizei, wie Inspektionsleiter, Erster Polizeihauptkommissar Christoph Maurer, feststellt. Maurer und seine Stellvertreterin, Erste Polizeihauptkommissarin Anja Simon, haben das Zahlenwerk erläutert.
Maurer und Simon sehen allerdings keinen Anlass, in Jubelarien auszubrechen. Vielmehr verlangten manche hinter Zahlen verborgene oder auch augenscheinliche Entwicklungen nach einem besonderen Augenmerk – schließlich gehört die Prävention mit zu den wichtigsten Aufgabenfeldern. Nicht von ungefähr sucht die Polizei Schulen auf und bietet sicherheitstechnische Beratung an oder widmet sich Problemfeldern wie unverschlossen abgestellten Autos. Gezielte Ansprache wirke da manchmal fast Wunder.
Mehrere Serientäter dingfest gemacht
Der Inspektionsleiter kann durchaus von Ermittlungserfolgen berichten. So habe sich die Anzahl der Diebstähle aus Fahrzeugen zwischenzeitlich deutlich reduziert, weil zum einen Aufklärungsarbeit bei den Eigentümern betrieben werde sowie auch Aufklärung hinsichtlich der verübten Taten zu Buche schlage. Die Polizei hat einige Serientäter dingfest gemacht, die zum Teil schon in Haft sitzen.
Als nach wie vor deutlich zu hoch betrachtet die Polizei die Anzahl der sogenannten Rohheitsdelikte. Dazu zählen Raub, Körperverletzung und sogenannte Straftaten gegen die persönliche Freiheit – Erpressung und Bedrohung etwa. 718 Fälle wurden 2023 registriert, im vergangenen Jahr immerhin noch 657. Trotz des Rückgangs fällt auf: Der Anteil solcher Rohheitsdelikte am Gesamtaufkommen der Straftaten ist sogar gestiegen und erhöht sich auf 18,8 Prozent. Dies spiegelt laut Maurer die hohe Bereitschaft wider, Konflikte mit Mitteln der Gewalt auszutragen.
Kinder greifen verstärkt zu Mitteln der Gewalt
Besorgniserregend in diesem Zusammenhang: Immer mehr Kinder werden wegen Körperverletzungsdelikten auffällig. 29 solcher Fälle gab es 2024 – 16 mehr als im Jahr zuvor. Nach Angaben des Inspektionsleiters hatten die Sachbearbeiterinnen der Inspektion die Verdächtigen mal hinsichtlich ihres Freizeitverhaltens unter die Lupe genommen und bei ihren Ermittlungen herausgefunden, dass die meisten dieser Kinder mit Begeisterung sogenannten Ballerspielen im Internet frönten.
Was Gewaltdelikte betrifft, hat die Polizei im vergangenen Jahr 525 Tatverdächtige ausgemacht und damit ihre Aufklärungsquote auf 92 Prozent hochgeschraubt. Auch allein bei Körperverletzungen kommt die Inspektion auf eine Aufklärungsquote von über 90 Prozent. Überhaupt darf sich die Kreisstadt-Inspektion über eine hohe Aufklärungsquote freuen: 73,7 Prozent – das liegt deutlich über dem Landesschnitt: Rheinland-Pfalz-weit wurden im vergangenen Jahr demnach 64,3 Prozent der Fälle insoweit geklärt, als sich Tatverdachtsmomente derart verdichtet haben, dass die Fallakten weitergereicht werden konnten. Darüber, wie viele Täter letztlich schuldig gesprochen wurden, lassen sich daraus allerdings keine Rückschlüsse ziehen. Wohlgemerkt ist deshalb in der Kriminalstatistik stets von Tatverdächtigen und nicht von Tätern die Rede.
Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger gestiegen
Tatverdächtig waren insgesamt – wenig überraschend – deutlich mehr Männer (73,68 Prozent) als Frauen. Was die Altersstruktur betrifft, so geht das Gros der Taten auf das Konto der 25- bis 30-Jährigen. Augenfällig ist der Anteil der Tatverdächtigen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Knapp unter zehn Prozent der gemeldeten Bewohner in den beiden Verbandsgemeinden sind keine Deutschen. Und doch wurden in 29,5 Prozent aller Fälle Nichtdeutsche als Tatverdächtige ausgemacht. Dieser Anteil steigt im Mehrjahresvergleich, so die Polizei.
Noch auffälliger ist der hohe Anteil, wenn man allein die Gewaltdelikte betrachtet: 2024 sind sogar in 37,8 Prozent aller Fälle von Gewalttaten Menschen ohne deutschen Pass als Tatverdächtige in den Fokus gerückt.