Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kriegsende vor 80 Jahren: Warum die USA die beliebtere Besatzungsmacht waren

Der Einmarsch von US-Soldaten in die Pfalz im Jahr 1945: Gegenüber der einheimischen Bevölkerung verhielten sie sich oft sehr fr
Der Einmarsch von US-Soldaten in die Pfalz im Jahr 1945: Gegenüber der einheimischen Bevölkerung verhielten sie sich oft sehr freundlich. Viele Zeitzeugen, die damals Kinder waren, erinnern sich an positive Begegnungen – und fragten schon mal nach »Chocolate« oder »Chewing Gum«.

Frankreich und USA: Die Pfalz und ihre Bewohner erlebten nach dem Zweiten Weltkrieg zwei unterschiedliche Besatzungsmächte. Von der Bitte nach Schokolade und Schmähliedern.

Nach Ende der Kämpfe im März 1945 wurde der größte Teil des pfälzischen Gebiets von US-Truppen besetzt. Französische Soldaten kontrollierten einen kleinen Teil der Südpfalz. Ab Juli übernahm Frankreich die Besatzung für das gesamte Gebiet. Die Erfahrungen der Bevölkerung mit den Besatzungsmächten waren höchst unterschiedlich: Die amerikanischen Soldaten verhielten sich gegenüber den Einheimischen meistens korrekt und oft auch freundlich. Das hatte mehrere Gründe: Die USA sahen ihre Beteiligung am Krieg mehr als einen Kampf gegen Hitler und die NS-Ideologie als gegen das deutsche Volk. Zur Entspannung der Lage trug bei, dass sie schon nach wenigen Tagen eine selbstständige demokratische Verwaltung in Deutschland einsetzten.

Zudem gab es zwischen den USA und der Pfalz infolge der Auswanderungswelle des 19. Jahrhunderts eine Reihe verwandtschaftlicher Beziehungen. Persönliche Kontakte entstanden auch durch die Wandermusikanten, für die Amerika ein bevorzugtes Ziel darstellte. Während ihrer Reisen hatten die Pfälzer Englischkenntnisse erworben, die ihnen eine Kommunikation ermöglichten. Viele Zeitzeugen, die damals Kinder waren, erinnern sich an positive Begegnungen mit US-Soldaten, auch mit den „People of Colour“. Sie verteilten großzügig Geschenke wie Orangen oder Kekse. Deshalb lernten auch Kinder, die noch nicht in die Schule gingen, bereits die ersten amerikanischen Sätze – beispielsweise „Have you Chocolate?“ oder „Have you Chewing Gum?“

Jahrhunderte alte Konkurrenz zu Frankreich

Eine Zäsur gab es im Juli 1945: Die US-Streitkräfte zogen sich zurück und überließen die komplette Besatzung den Franzosen. Dies veränderte völlig die Lage. Zum Verständnis ist ein Rückblick in die deutsch-französische Geschichte sinnvoll. Denn schon seit Jahrhunderten bestand eine Konkurrenz zwischen den beiden Nachbarstaaten. Die Folge waren etliche negative Vorurteile, nach denen die Franzosen etwa als „faul, leichtsinnig und windbeutelig“ (Schopenhauer) bezeichnet wurden, während in Frankreich das Schimpfwort „boche“ (Dickschädel) für die Deutschen üblich war. Das kritische Bild des jeweiligen Nachbarn wurde vielfach über Karikaturen verbreitet.

Vor allem aber kam es zwischen Deutschland und Frankreich immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen. Auf die „Befreiungskriege“ (1813-1815) und den deutsch-französischen Krieg (1870/71) folgte der Erste Weltkrieg, in dem Frankreich vier Jahre lang Kriegsschauplatz war und große Verluste erlitten hatte. Etwa 27 Prozent der Männer zwischen 18 und 27 Jahren waren gefallen. Die Folgen waren in der zehnjährigen französischen Besatzung der Pfalz spürbar, die von Misstrauen und Hass auf beiden Seiten geprägt war. Die Pfälzer wehrten sich mit Spottversen. In dem Lied „Warum ist es am Rhein nicht schön?“ hieß es zum Beispiel: „weil der Franzmann, der Drecksack, das Rheinland besetzt hat.“ Besonders verhasst waren die Kolonialsoldaten aus Afrika, die man „die schwarze Schmach am Rhein“ nannte.

Bessere Lebensbedingungen im Besatzungsgebiet

Die Geschichte wiederholte sich mit dem Zweiten Weltkrieg, die deutsche Niederlage und die folgende Besatzung. Zudem hatten die Franzosen zwischen 1940 und 1945 die Germanisierung der von Deutschland besetzten Gebiete Elsass und Lothringen sowie die Ausplünderung ihres Landes erlebt. Als Sieger bestraften sie das Land durch umfangreiche Requisitionen und Demontagen, die vor allem die eigene Not lindern sollten. Deshalb zogen auch viele französische Soldaten mit ihren Familien ins Besatzungsgebiet, weil dort die Lebensbedingungen besser waren.

Eine andauernde Bedrohung waren außerdem die Pläne über die Zukunft der Pfalz. Gemäß der französischen Devise „Sécurité et Charbon“ (Sicherheit und Kohle) befürchtete man nicht nur wirtschaftliche Nachteile durch die Annexion des Saargebiets, sondern auch, dass der Rhein dauerhaft die französische Ostgrenze darstellen würde. Nicht zuletzt gab es im Alltag viele Schikanen, wie das geforderte Grüßen der Trikolore und strenge Bestrafungen für die Vergehen der Deutschen. Dagegen verfolgten die Behörden Verbrechen der Franzosen wie Vergewaltigungen oder Plünderungen oft nur zögerlich und halbherzig. Das führte in der Bevölkerung zu einem Gefühl der Rechtlosigkeit.

Wunsch nach Verständigung wurde Wirklichkeit

Aber schon früh waren auch erste Schritte zu einer Verständigung erkennbar. Das wurde vor allem in einer Rede zum Thema „Grundzüge der französischen Deutschlandpolitik“ deutlich, die der General Piere Billotte am 24. Juli 1945 in Trier hielt. Er versicherte den deutschen Verwaltungsvertretern, dass Frankreich die Kriegsgesetze, die Grundsätze des Rechts und der Menschenrechte achten werde. Als Voraussetzung für eine positive Entwicklung erwarte er eine enge Zusammenarbeit der französischen Militärbehörden mit den zivilen deutschen Dienststellen. Es sollte nur wenige Jahre dauern, bis dieser Wunsch Wirklichkeit wurde.

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