Kusel
Kreissparkasse: Mehr Zeit für Beratung, weniger für spontane Bankbesuche
Die 100-Tage-Marke hat Thomas Hintermeier am Freitag geknackt: Der Nachfolger von Helmut Käfer hat am 1. Januar als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Kusel angefangen, zuvor war er gut ein halbes Jahr bereits als Vorstandsmitglied eng eingebunden. Der 52-Jährige war zuletzt bei der Volksbank Hochrhein eG tätig.
Das Ende der 100 Tage fällt für Hintermeier mit einer besonders turbulenten Zeit an den Börsen weltweit zusammen. „Die Verwerfungen am Aktienmarkt sind gewaltig, das treibt uns momentan natürlich um.“ Der Schock nach der Verkündung der US-Zölle durch Präsident Donald Trump sitze tief. Die Kuseler Kreissparkasse habe deshalb in dieser Woche alle Anlageberater versammelt und von Fachleuten der Deka ausführlich informieren lassen.
Trotz Ostern: „Nicht alle Eier in einen Korb“
Hintermeier: „Der Spruch ist zwar alt, aber noch immer aktuell: nicht alle Eier in einen Korb legen.“ Damit meint er, dass Anleger gut beraten sind, ihr Depot breit aufzustellen. Also bei Aktien nicht nur auf eine Branche oder ein Land zu setzen und möglichst verschiedene Anlagenklassen zu wählen – beispielsweise auch Anleihen. Wichtig findet der 52-Jährige, dass Anleger nach einem solchen Kurssturz nicht in Panik verfallen und ihre Aktien verkaufen. „Ruhe bewahren ist jetzt wichtig“, betont er. Wer durchhalte, könne damit rechnen, dass die Kurse wieder steigen.
Doch bis die Depots wieder auf dem Wert von Ende März sind, könne es noch dauern. Die Trump-Regierung in den Vereinigten Staaten habe sich als unberechenbar erwiesen. So gelte es außerdem abzuwarten, wie sich die Inflation nach dem Zoll-Beben entwickelt und wie die Notenbanken darauf reagieren. Bis die Wirkung der Zölle bei der Inflation voll durchschlage, dauere es noch ein wenig, erläutert Hintermeier.
Jugendliche und junge Erwachsene im Fokus
Nicht erst seit dem Kurssturz registriere die Kreissparkasse Kusel einen steigenden Beratungsbedarf der Kunden. Hier sieht Hintermeier einen Schwerpunkt, den es auszubauen gelte: „Die Beratungsqualität ist für uns maßgeblich, um uns von Mitbewerbern abzugrenzen.“ Für die Weiterbildung der Mitarbeiter sei jährlich ein hoher sechsstelliger Betrag vorgesehen.
Als Beispiel, wen die KSK verstärkt beraten will, nennt Hintermeier die jungen Menschen: „Wir müssen mehr auf sie zugehen. Berufsunfähigkeit und Pflege werden für sie später große, wichtige Themen.“ Je früher jemand mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung starte, desto günstiger sei sie auf lange Sicht.
Das gelte auch für die private Altersvorsorge: „Sonst endet das im Fiasko“, mahnt Hintermeier. Sich als heute junger Mensch bei der Rente auf den Staat zu verlassen, sei gewagt: „Die Menschen werden älter und es gibt immer weniger Einzahler in die Rentenkasse. Das kann auf Dauer so nicht finanziert werden.“ Der Vorstandsvorsitzende räumt ein, dass 20- oder 30-Jährige das oft als nicht so wichtig einschätzten. „Aber wir geben nicht auf und bleiben dran“, kündigt er an. Meist rückten diese Themen erst in den Vordergrund, wenn eine Familie gegründet wird oder ein Hauskauf ansteht.
Kreditanfragen: Entscheidung innerhalb einer Woche
Apropos Hausfinanzierung: Hier versichert der KSK-Vorstandsvorsitzende, dass private Kreditanfragen mittlerweile schneller entschieden werden als noch vor einigen Monaten. Interne Umstrukturierungen und eine wöchentliche Kreditsitzung mit allen zuständigen Entscheidern der KSK sorgten für mehr Tempo. „Wir können die Kunden bei so einer wichtigen Entscheidung nicht über Monate warten lassen“, sagt der 52-Jährige. Wenn alle Unterlagen abgegeben wurden, liege jetzt kein Fall länger als eine Woche.
In Sachen Unterlagen gibt’s ebenfalls eine Neuerung: Die KSK sei gerade dabei, weg vom Papier zu kommen und auch „alle Kreditthemen zu digitalisieren“. Die Zeiten, in denen Kreditakten von Kusel zum Kundengespräch in eine Geschäftsstelle gebracht werden müssen, sollen nach dem ersten Halbjahr vorbei sein.
Öffnungszeiten werden gekürzt
Während viele Veränderungen von den Kunden unbemerkt ablaufen, stehen ab Mai verkürzte Öffnungszeiten bevor. Hintermeier: „Wir passen uns den Kunden an, bieten mehr flexible Beratungszeiten.“ Montag bis Freitag könnten Kunden künftig zwischen 8 und 20 Uhr Termine vereinbaren, das Beratungscenter für Video- und Telefongespräche sei unter der Woche von 8 bis 18 Uhr besetzt. Dagegen spare man Arbeitsstunden an den Schaltern der Geschäftsstellen ein, unter anderem sei der Montagnachmittag zwischen 16 und 18 Uhr wenig frequentiert gewesen und falle deshalb weg. Manche Filiale hat an weniger Tagen geöffnet.
Laut Hintermeier nutzen gut zwei Drittel der KSK-Kunden Onlinebanking, eine Quote, die er gern weiter steigern würde. Im Sparkassenverband liege die Onlinenutzung bei etwa 75 Prozent. „Da wollen wir auch hin“, sagt der Sparkassenchef. Die Sparkasse versuche mit Schulungsveranstaltungen, Menschen, die sich bislang nicht dafür interessierten oder noch misstrauisch seien, an die digitalen Themen heranzuführen.
Ganz undigital will die Sparkasse ihre Präsenz in der Region ausbauen. Laut Hintermeier wurden deshalb für die Bereiche Nord, Mitte und Süd Regionalleitungen eingeführt, die das Gesicht der Sparkasse vor Ort sein sollen, und die Bank werde künftig auf Volksfesten prominenter vertreten sein.