Kreis Kusel Konzentration bei Kaiserwetter
«HINZWEILER.» Wahrhaft eine Ehre für das kleine Dorf im Kreis Kusel: Schon zum zweiten Mal wurden am Wochenende die deutschen Meisterschaften im 3D-Bogenschießen bei der Schützengilde Königsberg in Hinzweiler ausgetragen (wir berichtete gestern kurz). Aus dem ganzen Land reisten Schützen an, um durch den hügeligen Wald-und-Wiesen-Parcours zu marschieren, in dem sich 24 Tierattrappen versteckten – mal einfach zu treffen, mal eine echte Herausforderung.
Bogenschützen sind weit gereiste Leute, die auch das Frühaufstehen nicht scheuen: Der Sandplatz neben dem Hinzweilerer Schützenhaus wurde zum Einschießplatz für rund 350 Bogenschützen umfunktioniert, die aus allen Himmelsrichtungen in den Kreis Kusel geströmt waren und schon ab 7 Uhr auf der Matte standen. In den Morgenstunden wurden die Bögen auf Tauglichkeit und Sicherheit kontrolliert, und die Schützen hatten Gelegenheit, sich an mehreren Scheiben warmzuschießen. Unweit davon: der Start in den Parcours, der über Wiesen und durch Wälder führte und einige nennenswerte Steigungen beinhaltete. Jeder Teilnehmer, egal welche Alters- oder Bogenklasse, musste den Parcours einmal absolvieren. „Wenn man den Parcours von oben betrachten würde, käme er etwa einer Acht gleich“, beschrieb Irmgard Deutsch-Höfer, die zusammen mit Günter Kirschneck das Duo der leitenden Kampfrichter bildete. Beide kommen vom Deutschen Schützenbund (DSB), nach dessen Regeln sich der Wettkampf richtete. Begonnen hatte der Marsch für alle Teilnehmer an beiden Tagen um 10 Uhr. Unüberhörbare Schüsse markierten den Start. Das Heranführen der Schützen an ihre ersten Schießstationen war bei 24 Zielen eine organisatorische Großaufgabe. Am Samstag gingen rund 30 Gruppen an den Start und wurden von einem siebenköpfigen Kampfrichter-Team des DSB im Parcours verteilt. Die meisten Gruppen bestanden aus sechs Leuten: Wer bei Station eins begann, endete bei 24; wer bei Station 15 begann, endete entsprechend bei 14. „So schleusen wir alle durch“, sagte die leitende Kampfrichterin. „Dass mal Gruppen auflaufen, lässt sich nicht vermeiden.“ Aber darauf hatte man sich vorbereitet: Bei jeder Tierattrappe gab es einen zweiten Wartebereich. Der erste Warte- war gleichzeitig der Schussbereich: Die Schützen ließen sich und den anderen Zeit für die zwei Schüsse pro Station, konzentrierten sich und kamen sich nicht ins Gehege. Hans Frieder Dippi, erster Vorsitzender des Schützenvereins, der am Wochenende alle Hände voll zu tun hatte, betonte die Diszipliniertheit und Freundschaftlichkeit im Bogensport. Alle Teilnehmer schossen aus ihnen nicht bekannten Entfernungen auf die Ziele: „Visierschützen zielen und feuern ab dem roten Pflock, Nicht-Visierschützen ab dem blauen Pflock“, erklärte Deutsch-Höfer. Vor den Pflock treten durfte keiner. Und ob Visier oder kein Visier ist abhängig von der jeweiligen Bogenklasse: Compoundbögen etwa haben eines, Blankbögen nicht. „Bei diesem herrlichen Wetter würde ich auch lieber schießen“, gestand Deutsch-Höfer mit Blick in den strahlend blauen Himmel. Hätte es „Bindfäden geregnet“, hätte man die Veranstaltung womöglich unterbrechen müssen: Doch dank der pfälzischen Septembersonne war das nicht nötig. „Es ist echt immer wieder schön hier“, sagte der Niedersachse Dirk Hartwich, der 2017 schon dabei war. Es galt, möglichst immer die innerste Trefferzone am Tier zu erwischen: Blieb der Pfeil dort stecken, gab es die meisten Punkte. Als echte Herausforderung erwies sich für viele das im Unterholz kauernde, nicht unbedingt zu den heimischen Tierarten zählende Krokodil. „Da ist der Hase, der da vorne gleich kommt, schon deutlich einfacher zu treffen“, sagte Deutsch-Höfer. Biber, Bär, Wildschwein und Vielfraß gab es auch. Auch Zuschauer durften den Parcours betreten, jedoch nur in Begleitung eines Kampfrichters. Unter den Zuschauern war auch Hartmut Kaune, der niedersächsische Landesbogenreferent: „Viele Schützen aus unserem Landesverband sind hier: Da kann man sich ruhig mal blicken lassen – auch wenn die Anfahrt weit ist.“ Von der Schützengilde Hinzweiler hatte sich nur Benjamin Schreck für die nationalen Titelkämpfe auf heimischem Terrain qualifiziert: Er schoss in der Kategorie Compound Herren. SPORT Die TITELTRÄGER —Recurve Herren: Volker Kindermann (BS Nürtingen, 401 Punkte), Damen: Meike Räder (Krefelder SSK 1842, 406 Punkte) —Compound Herren: Sascha Pflug (SV Querum, 476 Punkte), Damen: Andrea Flöck-Schmitt (BSC Bad Kreuznach, 447 Punkte), Master: Joachim Heinle (SV Westernach, 494 Punkte) —Blankbogen Herren: Richard Klesmann (BS Nürtingen, 441 Punkte), Damen: Christine Schäfer (1. FC Passau, 379 Punkte), Master: Andreas Staszewski (SV Nienhagen, 400 Punkte), Jugend: Julius Maria Potempa (VfL Westercelle, 332 Punkte) —Langbogen Herren: Dirk Hartwich (SV Hohegeiß, 314 Punkte), Damen: Elli Roller (BS Mühlen, 281 Punkte), Master: Uwe Kruse (SV Hohegeiß, 367 Punkte) —Instinktiv Herren: Erwin Schwartz (Schützengilde Waldkraiburg, 357 Punkte), Damen: Amke Hesse (BS Rheinbach, 366 Punkte), Master: Martin Kaliner (SV Erfurt West Bogen, 371 Punkte), Jugend: Leon Bettio (TSV Ellerbach, 233 Punkte)