Kreis Kusel
Komm-gud-hääm-Taxi bisher wenig gefragt
Nach einer Wochenendfeier lieber ein Taxi nehmen, statt eine Trunkenheitsfahrt zu riskieren oder die Eltern mitten in den Nacht zum Abholen bewegen zu müssen. Und dabei noch einen Preisnachlass bekommen. Das wird allen 14- bis 21-Jährigen mit Erstwohnsitz in Kreis Kusel seit Juli angeboten. An Wochenendabenden sowie vor Feiertagen und in der Faschingswoche von 21.45 bis 6 Uhr kostet die Taxifahrt nach Hause fünf Euro weniger. Die zahlt der Kreis direkt an die drei beteiligten Taxiunternehmen.
Die Regularien für das Jugend-Taxi sind schnell erklärt. Vor der Fahrt muss ein Mitnahmeschein ausgefüllt und beim Taxifahrer abgegeben werden, den man sich online runterladen oder im Taxi erhalten kann. Der Startpunkt der Fahrt kann auch außerhalb des Kreises sein. Wie teuer die Taxifahrt wird, könne mit der Internetseite taxi-rechner.de geschätzt werden, rät die Kreisverwaltung. Alternativ kann aber auch Google Maps aushelfen, denn einheitlich für den Kreis ist neben der Startgebühr von 3,50 Euro der Preis von 2,25 Euro pro Kilometer geregelt. Doch stößt das Angebot tatsächlich auf weitreichendes Interesse?
Taxifahrer machen ähnliche Erfahrungen
Das Komm-gud-hääm-Taxi komme bei den Personen, die davon Gebrauch machen, gut an, sagt Hans-Jürgen Klauk aus Kusel. Doch würden sich nur wenige Jugendliche dafür melden, meist seien es zwei bis drei Personen pro Wochenende, vor allem Mädchen.
Ähnlich sieht es bei Taxi Sommer aus, das von Marc-Daniel Kehl und Franz Sommer von Schönenberg-Kübelberg aus betrieben wird. „Momentan gibt es oft eine Fahrt am Wochenende“, sagt Sommer, „und meistens sind es auch die gleichen Jugendlichen.“ Teilweise würden sich auch ältere Personen für den Preisnachlass melden, dies werde aber selbstverständlich immer abgelehnt. Der Taxifahrer erkennt aber eine mögliche Ursache für die geringe Nachfrage: „Viele wissen gar nicht darüber Bescheid, wir versuchen sie beim Anruf dann darüber in Kenntnis zu setzen.“
Bei Jonas Wannenmacher aus Lauterecken ist die Situation ähnlich. „Insgesamt gab es bislang ungefähr zehn Fahrten, aber meistens wurde sich in Gruppen aus vier bis fünf Personen dafür gemeldet.“ Weiter sagt er: „ Nachtfahrten sind generell nicht so oft gefragt, und durch Corona sind die Fahrten allgemein zurückgegangen, so dass ich auch nicht 24 Stunden am Tag erreichbar bin, da sich das derzeit nicht lohnen würde.“ Daher sollte sich bis 21 Uhr oder auch schon tags zuvor melden, wer eine Heimfahrt in der Nacht anmelden möchte.
Kürzere Distanzen scheinen attraktiver
Die Kreisverwaltung Kusel bestätigt, dass es zurzeit keine große Nachfrage für das Jugend-Taxi gibt. Dies sei jedoch von Kreis zu Kreis verschieden. So sei die Nutzung des Angebots im Kreis Birkenfeld gleich null, während es im Kreis Merzig-Wadern durch überwiegend kürzere Distanzen bei den Fahrten und den damit verbundenen allgemein bereits geringeren Kosten mehr Jugendliche anlocke.
Werbung dafür gebe es eigentlich zur Genüge, so auf der Homepage der Kreisverwaltung, auf Facebook, durch Pressemeldungen und im Wochenblatt, an allen Schulen sowie auf Festen (Plakate und Flyer). Es sei aber bei den geplanten 10.000 Euro für das Angebot geblieben. Durch die geringe Nachfrage sei dieses Geld auch noch nicht ausgeschöpft, teilt die Kreisverwaltung mit.
Im März hatte die Verwaltung für das zunächst auf drei Jahr angelegte Projekt Kosten von 70.000 Euro geschätzt, was 14.000 Fahrten entspricht. „Das Komm-gud-hääm-Taxi ist ein tolles Angebot“, betont die Kreisverwaltung. Die Rahmenbedingungen müssten überprüft werden, um zu sehen, ob es in Zukunft modifiziert oder irgendwann doch beendet werde.
Info
Komm-gud-hääm-Taxis fahren: Taxi Klauk in Kusel (06381 2324), Taxi Sommer in Schönenberg-Kübelberg (06373 4433) und Jonas Wannenmacher in Lauterecken (06382 1551).