Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne zum Wochenende: Über den Herbst, die Bahn und das Positive im Negativen

think positive

Der Herbst gibt – gefühlt seit einer Ewigkeit – das Wetterzepter nicht mehr aus der Hand. Wind und Regen sorgen nicht gerade dafür, dass die Tage vergnügungssteuerpflichtig sind. Statt im Erholungsort Wald eine Runde zu drehen, werden in den eigenen vier Wänden oder im Büro die Pfade vom Hin- und Hertigern immer tiefer. Ich war diese Woche einige Tage in München, um ein Seminar zu besuchen. Dabei ging es an einer Stelle auch um die eigene Einstellung, die Glas-halb-voll- statt Glas-halb-leer-Geschichte.

Der Seminarleiter betonte, wie wichtig es auch für die Stressbewältigung sei, sich im Negativen auf das Positive zu konzentrieren. Klingt ja ganz nett, ist aber nicht so einfach. Los geht’s: Der Herbst bietet schöne Dinge; die Blätter verfärben sich und knistern unter den sanften Schritten durch den Wald. Es ist noch nicht so kalt, dass sich der Regen in Eis verwandelt. Es ist ... aaaaargh, das funktioniert nicht. Bei dem Wetter will ich eigentlich gar nicht raus, und sollte ich doch ein paar Schritte machen, rutsche ich durchnässt auf dem nassen Blattwerk aus und fliege beinahe auf die Nase. Sehen Sie: Das hat bei mir vorerst mal nicht so funktioniert mit den positiven Gedanken.

Auf die Hilfsbereitschaft ist Verlass

Und doch gibt es im Negativen auch Positives zu beobachten und zu berichten. Diese Woche war in mehreren Orten des Landkreises Land unter. Straßen wurden überflutet, Keller liefen mit Wasser voll. Was daran positiv sein soll? Ganz einfach: Die Bürger im Kreis können sich sicher sein, dass sie in solchen Fällen Hilfe erhalten. Am Montagabend und Dienstagmorgen rückten die Wehrleute aus, schleppten Sandsäcke, räumten Straßen frei und opferten ihre Freizeit für das Gemeinwohl. Diese Hilfsbereitschaft stimmt mich positiv, lässt mich dankbar sein und durchhalten, bis die Sonne den Regen in die Schranken weist und für die goldene Seite des Herbstes sorgt.

Durchhalten mussten diese Woche auch viele Bahnreisende. Die Gewerkschaft der Lokführer hat im Vorfeld weiterer Tarifverhandlungen zum Streik aufgerufen. Ich habe es gerade noch rechtzeitig von München zurück nach Kaiserslautern geschafft – wenn auch mit Verspätung. Viele andere hatten dieses Glück nicht: Anschlusszüge fielen aus, Menschen standen mit verzweifelten Mienen an den Bahnsteigen.

Es könnte viel schlimmer sein

Die Auswirkungen des Streiks waren auch im Kreis zu spüren. Die Deutsche Bahn hatte darüber informiert, dass die Regionalbahn von Kusel nach Kaiserslautern nur noch im Vier-Stunden-Takt, die Regionalbahn von Lauterecken nach Kaiserslautern sogar überhaupt nicht mehr fahren soll. Nun gibt es jene, die Verständnis für den Wunsch der Angestellten nach einer besseren Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen haben. Viele andere können die Arbeitsniederlegung zwar nachvollziehen, doch der Ärger ob des Zeitpunkts und ob der Notwendigkeit zur Arbeit oder zur Schule zu kommen überwiegt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich in diesem Thema meine Meinung noch nicht endgültig gebildet. Da ich aber versuche, positiv zu sein und Dinge mit Humor zu nehmen, könnte man es ja auch so sehen: Die Zuglinien sind in den vergangenen Wochen so häufig ausgefallen, da kommt es auf diese zwei Tage auch nicht mehr an. In diesem Sinne: Halten Sie durch, bleiben Sie positiv und denken Sie immer daran: Es könnte viel schlimmer sein...

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