Wolfstein
KOB erneuert Stammsitz an der Lauter: Baustellen liegen im Zeit- und Kostenplan
Wer am Werksgelände des Herstellers von Spezialtextilien für Medizin- und Pharmaunternehmen in Wolfstein vorbeifährt, der kann seit Jahren beobachten, dass sich bei KOB baulich einiges tut. So ist innerhalb von gut einem Jahr die neue Energiezentrale des Unternehmens entstanden, deren Spatenstich im November 2024 stattfand. Mittlerweile steht der riesige Schornstein da und qualmt vor sich hin. Im Sommer wurde er von zwei Kränen im sogenannten Tandemhub über die Lauter bugsiert. „Das war schon beeindruckend“, sagt Markus Kimpel, der seit 1. Juni kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens ist.
In der Energiezentrale werden Holzhackschnitzel verfeuert, in der Spitzenlast und im Winter sorgt ein Gaskessel zusätzlich für Energie und Dampf. Beides wird bei der Bearbeitung von Baumwolle und Viskose in großen Mengen gebraucht, erläutert Christoph Herder, zuständig für die Werksinfrastruktur. Geheizt werde ebenfalls mit Dampf. Laut der KOB-Geschäftsführung wird der CO2-Ausstoß des Unternehmens durch die neue Technik um 37 Prozent verringert, was eine jährliche Einsparung von rund 4000 Tonnen bedeute. Unabhängiger von Gas als Hauptenergiequelle zu werden, sei ebenfalls wichtig gewesen.
Herausforderung: Im Bestand Gebäude sanieren
Noch ist die Heizzentrale im Probebetrieb, wie Herder erklärt: „Wenn die Kinderkrankheiten ausgemerzt sind, können wir 2026 das ganze Werk von hier aus versorgen.“ Vor Ort schildert der Baufachmann, dass die Hülle des Gebäudes um die großen Brennkessel herum gebaut wurde. Das sei deutlich einfacher gewesen, als die Schwerlasten mit entsprechenden Kränen von oben hinabzulassen. In den kommenden Wochen werde die Baustelleneinrichtung auf dem KOB-Mitarbeiterparkplatz zurückgebaut, doch bereits jetzt habe sich die Parksituation auf dem Gelände deutlich entschärft.
Ein großes Werk wie das in Wolfstein, noch dazu an dieser Stelle im Lautertal gelegen, im laufenden Betrieb zu erneuern, ist durchaus herausfordernd. Laut Herder unter anderem, weil es detaillierte Zeit- und Ablaufpläne geben müsse, wer wann in welches Gebäude umzieht und wie es dann weitergeht. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viel saniert“, unterstreicht der Vorsitzende der KOB-Geschäftsführung, Achim Hehl. Er ergänzt: „Allerdings sind die Veränderungen in den Bestandsgebäuden von außen kaum sichtbar.“ Die Heizzentrale und der stattliche Spinnerei-Neubau nebenan in den Unternehmensfarben beige und grün sind dagegen nicht zu übersehen.
KOB: „Modernste Spinnerei Europas“
Der Neubau wird das Werk um fast 5000 Quadratmeter zusätzliche Fläche erweitern. Vor wenigen Wochen wurde mit den Mitarbeitern die Spinnerei mit einer Feier eingeweiht und eine Betriebsversammlung darin veranstaltet. Vertreter der Kommunalpolitik durften kürzlich ebenfalls einen Blick in die Spinnerei werfen. Derzeit sind Spezialisten dabei, die Produktionstechnik zu installieren. Herder: „Wir haben hier zuerst die Maschinen geplant, die wir wollten, und das Gebäude dann drumherum.“ Schon jetzt bezeichnet sich KOB auf seiner Internetseite stolz als „die modernste Spinnerei Europas“.
Das Obergeschoss des Neubaus ist fast ausschließlich der Lüftungstechnik vorbehalten. Wie Geschäftsführer Hehl erklärt, brauche es in der Produktion möglichst konstant 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent, um die Baumwolle optimal verarbeiten zu können. Dabei entstehe auch viel Staub, der zwar gesundheitlich unbedenklich, aber brandschutztechnisch durchaus bedenklich werden könnte. „Ungefähr 20-mal in der Stunde wird hier die Luft komplett ausgetauscht“, sagt Herder. Damit das reibungslos funktioniert, sei jede Menge Technik nötig.
Ein gutes Zeichen an die Mitarbeiter
Gut 50 Millionen Euro lässt sich KOB, unterstützt von der Muttergesellschaft Hartmann, die Erneuerung des Stammsitzes an der Lauter kosten. Welche Summe konkret in welche Maßnahme fließt, lässt das Unternehmen offen. Zu dem Investitionspaket zählen unter anderem auch eine neue Kläranlage und ein bereits vor Jahren installierter moderner Blitzschutz für die Gebäude. Dass die Hartmann-Gruppe, zu der KOB seit 2000 gehört, im Kreis Kusel eine solche Summe investiert, sei ein gutes Zeichen und mache ihn stolz, sagt Hehl. Das zeige, dass in der Firmenzentrale in Heidenheim an das traditionsreiche Unternehmen in der Pfalz geglaubt werde. „Das ist nicht zuletzt ein Zeichen für die Mitarbeiter, dass wir langfristig an den Standort glauben“, betont Hehl.
Denn natürlich sei die Textilbranche, zu der KOB zählt, in Europa und speziell in Deutschland sehr gebeutelt. Hehl: „Wir haben uns in unserer Nische entwickelt und wollen das auch weiter tun.“ KOB produziert in Wolfstein Binden und Gewebe für Medizin- und Pharmaunternehmen von der Baumwoll- oder Viskosefaser bis zum fertigen Produkt für verschiedene Auftraggeber. Im Handel selbst taucht der Markenname KOB übrigens nicht auf, immer nur die Namen der Vertragspartner. Nur wer genau weiß, auf was er achten muss, erkennt, ob eine Binde in Wolfstein hergestellt wurde.