Wolfstein
Kleiner Schritt hin zum Wunschvorhaben Einkaufsmarkt am Kalkbergwerk
Wenn man denn schon mal zusammensitzt ...: Die Mitglieder des neu formierten Wolfsteiner Stadtrats haben am Mittwoch einen Sommerpausen-Abend opfern müssen, um über Putz, Beton und Dach-Flickwerk an einem wenig ansehnlichen Gebäudegiebel zu befinden. Einige Anstrengungen sind noch notwendig, um das vom Bagger verschonte und nach dem Abriss der benachbarten Ruine nun freistehende Altgemäuer an der Ampelkreuzung Bahnhofstraße/B270 aufzuhübschen.
Zwischen Bestandsgebäude und Bundesstraße ist bald nach Jahresbeginn ein Areal freigelegt worden, das künftig als Festplätzchen dienen soll. Jetzt eilt es, weil die Arbeiten schnell ausgeführt werden müssen, ehe die Sache noch kostspieliger wird als ohnehin. Mit gut und gerne 60.000 Euro werden die ausstehenden Leistungen insgesamt zu Buche schlagen, wie sich den Ausschreibungsergebnissen entnehmen lässt.
Aufhebungsbeschluss reine Formsache
War nun die Stadtsanierungs-Angelegenheit dringlich, um den Zeitplan zum Arbeitsbeginn Mitte August einhalten zu können, so hat sich der Rat in seiner ersten echten Arbeitssitzung nach der Konstituierung am 11. Juli einem ungleich bedeutenderen Thema gewidmet. Zwar hatte sich die Aufhebung des Bebauungsplans für die Pfingstweide von vornherein als reine Formsache abgezeichnet. Und doch erweist sich die einmütige Zustimmung aus Ratsreihen letztlich als ein Schrittchen auf dem Weg hin zu einem Wolfsteiner Wunschvorhaben.
Ein neuer Einkaufsmarkt soll her – und zwar nicht auf dem unwirtlich wirkenden Buckel abseits des Stadtkerns oberhalb der Straßenmeisterei. Sondern an einer Stelle, zu der auch die weniger mobilen Bürger zu Fuß gelangen können. Ein von den Bürgern im Allgemeinen als geeignet betrachteter Fleck ist längst gefunden, ein Investor steht, seit die ersten Ideen aufkeimten, auch schon bereit, das Vorhaben zu verwirklichen, wie der jüngst aus dem Amt geschiedene frühere Stadtbürgermeister Herwart Dilly schon mehrmals gegenüber der RHEINPFALZ betont hat.
Baubeginn steht noch in den Sternen
Gebaut werden soll der Supermarkt auf einem Platz, den der Investor selbst und auch die Verantwortlichen der künftigen Betreiberkette bevorzugen: Dort, am Dreieck hinter der Abzweigung der Hauptstraße zur B420, soll der neue Markt aus dem Boden wachsen, den die Supermarktkette Edeka bestücken und betreiben möchte.
Und wann? Das steht in den Sternen. Es gilt noch eine Reihe bürokratischer Hürden zu überwinden. Begraben liegt der sprichwörtliche Hund in der Pfingstweide – dort, wo einst auf der Anhöhe in Richtung Lauterecken Kunden bei Aldi, Wasgau, Kik ein- und ausgingen. Dort und nirgends sonst solle gefälligst Handel ansässig werden, ist herrschende Ansicht im Lager übergeordneter Raumordnungs- und Genehmigungsbehörden, sprich Planungsgemeinschaft Westpfalz sowie Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD).
Nach Brand bei Aldi Pfingstweide verödet
Die Lage des Areals abseits des Städtchens noch jenseits des KOB-Werks hatte sich als nicht eben ideal erwiesen. Als im Herbst 2016 der Aldi-Markt in Flammen aufging, schien das Ende schon besiegelt. Wasgau verabschiedete sich, der Textildiscounter Kik ebenfalls. Dann aber kam Netto und baute neu: Eine Filiale dieser Verbrauchermarkt-Kette hält seit 2021 allein auf weiter Flur die Stellung.
Für die Pfingstweide gibt es einen Bebauungsplan, der schon 37 Jahre alt ist. Handelsflächen wären demnach nur in einer Größenordnung genehmigungsfähig, die die Anbieter heutiger Vollsortimenter als nicht rentabel betrachten würden. Aus eben diesem Grund hatten die Stadtverantwortlichen den alten Plan ändern wollen, um die Chancen auf eine Vermarktung der Grundstücke zu verbessern, beispielsweise Anbietern wie eben Aldi zu ermöglichen, im Falle eines Neubaus deutlich größere Verkaufsflächen zuzugestehen. Zudem sollten in diesem Zuge auch die Gestaltungsmöglichkeiten für die Nutzung der verbleibenden, noch unbebauten Grundstücke erweitert werden.
Plan fürs alte Gewerbegebiet jetzt Makulatur
All dies ist jetzt Makulatur. Die vom Stadtrat einst vorgesehene Änderung hätte sich mit dem Wunsch nach einem großen Einkaufsmarkt in zentraler Lage nicht vertragen – so sehen es zumindest Vertreter übergeordneter Raumordnungs- und Genehmigungsbehörden, speziell die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD). Somit hat sich der Rat am Mittwoch lediglich von einem schon Ende 2018 herbeigeführten Beschluss verabschieden müssen, den Bebauungsplan für die Pfingstweide zu ändern. Dort bleibt alles beim Alten. Gewerbeansiedlungen, auch Handel bis zu einer gewissen Größe, sind weiterhin möglich.