Thallichtenberg Jugendstil auf der Mittelalter-Burg

Vermerkt ist nur die Wiesbadener Herkunft des Tores.
Vermerkt ist nur die Wiesbadener Herkunft des Tores.

Zu den Anschaffungen des Landrats Gustav Adolf Held, die er für die Burg Lichtenberg machte, gehört ein großes schmiedeeisernes Tor. Es steht in der Maueröffnung, durch die man in die Oberburg gelangt. Inzwischen gibt es gute Gründe, warum es einen anderen Platz bekommen soll.

In den Aufzeichnungen der Burgverwaltung ist lediglich vermerkt, dass das Tor aus Wiesbaden stammt. Angaben über den Vorbesitzer oder den Künstler fehlen. Aber man kann davon ausgehen, dass es das Hof- oder Gartentor einer Villa war. Eine genaue zeitliche Einordnung seiner Entstehung ist nicht möglich. Der Stil der Ornamente verweist auf den Klassizismus, während der florale Schmuck eher auf den Jugendstil schließen lässt. Es könnte also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sein.

Das Tor besteht aus zwei Flügeln, die jeweils knapp zwei Meter breit sind. Ihre Höhe beträgt an den Seiten etwa 2,10 Meter und nimmt bis zum Mittelsteg um einen halben Meter zu. Die beiden Seiten sind gleich gegliedert und ähnlich verziert. Die beiden großen rechteckigen Felder werden durch Mäander eingerahmt, ein Ornament, das bereits im antiken Griechenland sehr beliebt war. Ergänzt wird dieser Schmuck durch verschiedene geometrische Formen wie Voluten (Spiralen) oder stilisierte Blumen und Blätter.

Schutzpatron der Händler

Auf beiden Flügeln gibt es zwei große Felder, deren Mitte besonders betont ist. Das äußere Feld füllt eine große Blüte, die mit reich verzierten Eisenstangen befestigt ist. Noch kunstvoller sind die beiden inneren Felder, deren Gitter von Lorbeergirlanden eingefasst sind. Die beiden ovalen Medaillons (40 x 30 Zentimeter) mit den sorgfältig gearbeiteten Profilen von zwei antiken Göttern sind der Mittelpunkt des Tores.

Auf dem rechten Flügel sieht man den Kopf von Hermes (römisch Merkur), ein gelockter Jüngling, dessen Flügelhelm die Form eines eisernen Hutes hat. Als Gewand kann man den oberen Rand einer Toga mit einer Fibel erkennen. Hermes war einer der populärsten olympischen Götter. Er galt als Bote der Götter und als Schutzpatron der Händler.

Schutzherrin des Handwerks

Das weibliche Gegenstück ist die Göttin Athene (römisch Minerva). Den korinthischen Helm mit Wangen- und Nasenschutz hat sie zurückgeschoben, so dass ihr langes lockiges Haar sichtbar wird. An ihrer Schulter ist der Rand ihres Brustpanzers zu erkennen, auf dem vorne das Medusenhaupt angebracht ist. Dieses Schreckbild sollte den Gegner versteinern.

Auch Athene war als Göttin sehr beliebt. Sie galt als die Schutzherrin der Wissenschaften und des Handwerks. Außerdem wurde sie oft verehrt als Beschützerin der Menschen. Das bekannteste Beispiel ist die Odyssee, in der sie den Titelhelden bis zu seiner Heimkehr beschützt.

Kritik am Standort

Das Tor ist ein historisches Kunstwerk, aber sein derzeitiger Standort wurde schon mehrfach kritisiert. Ernst Schworm und Hartmut Stepp wiesen in einer Abhandlung über die Burg Lichtenberg darauf hin, dass das Werk aus dem 19. Jahrhundert nicht zu den mittelalterlichen Gebäuden passt. Außerdem ist es an einer Stelle eingefügt worden, wo es früher keinen Zugang zur Oberburg gab.

Inzwischen weist das Tor an mehreren Stellen Rostschäden auf. Auch das eiserne Band, an dem die Medaillons scheinbar aufgehängt sind, ist bei dem Hermesrelief verschwunden.

Andreas Rauch von der Burgverwaltung will die Reparaturen dazu nutzen, das Tor hinterher an einem anderen Platz aufzustellen. Die große Nische in der westlichen Schildmauer ist seiner Meinung nach dafür besonders geeignet. Dort steht es geschützt, ist der Öffentlichkeit zugänglich und vermittelt trotzdem kein unhistorisches Bild der Burg.

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