Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Jugendherberge auf Burg Lichtenberg ist 100 Jahre alt

Ein Blick von oben auf die Jugendherberge auf Burg Lichtenberg.
Ein Blick von oben auf die Jugendherberge auf Burg Lichtenberg.

Nahezu unbemerkt droht ein wichtiges Jubiläum zu verstreichen: Vor 100 Jahren konnten in der Jugendherberge auf Burg Lichtenberg erstmals Besucher übernachten – in recht unkomfortablen Verhältnissen. Eine Einweihungsfeier gab es aber erst knapp ein Jahrzehnt später.

Integriert in die Burganlage Lichtenberg übernachten in der Jugendherberge jedes Jahr zahlreiche Jugendgruppen, junge Familien mit ihren Kindern und Kurzurlauber. In diesem Jahr feiert die Unterkunft ihren 100. Geburtstag. Auf der detaillierten Zeittafel im Eingangsbereich der Burg finden die Gründung und Eröffnung der Jugendherberge keinerlei Erwähnung. Dabei trägt das Haus seit einem Jahrhundert maßgeblich zur Anzahl der Übernachtungsgäste im Kreis Kusel, aber auch im Raum St. Wendel bei.

Letztgenannter zeichnete sich einst federführend dafür, dass die Herberge ihren Betrieb aufnahm. Denn unter der Trägerschaft des damaligen „Kreis Sankt Wendel-Baumholder (Rest)“ – Landrat war Otto Hoevermann (1888-1953) – wurde die Herberge 1922 erstmals eingerichtet. Der Trierer Regierungspräsident Johannes Fuchs (1874-1956), Mitglied der Zentrum-Partei, hatte die Patenschaft der Jugendherberge übernommen – Fuchs und Hoevermann waren gute Bekannte.

Die Jugendherberge wurde im Obergeschoss der Landschreiberei untergebracht, dem damals einzig verfügbaren Haus auf der Burg – mit stark reduziertem Anspruch an Komfort. Weil die Einrichtung nicht den Standards des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) entsprach, wurde sie (zunächst) auch nicht in dessen Pflegschaft aufgenommen. Wegen ihrer exponierten Lage mit Blick auf die Landschaft und des Fehlens von Unterkünften für wandernde Jugendliche war die Nachfrage nach Übernachtungen trotz mangelndem Komforts dennoch sehr groß.

Große Eröffnungsfeier

Hoevermann erkannte schnell, dass eine Erweiterung notwendig ist. Gemeinsam mit Fuchs machte er sich an die Planung und Umsetzung eines Neubaus, der schließlich 1931 erfolgte, westlich der Landschreiberei. Entworfen wurde der Neubau vom Kirner Architekten Friedrich Otto. Festliche Einweihung mit zahlreichen hochrangigen Besuchern war am 28. Juni. Das Fest fiel wohl auch deshalb so groß und pompös aus, weil man damit versuchte, das patriotische Selbstbewusstsein zu stärken, dessen Darniederliegen allgemein beklagt wurde. Die gehaltenen Reden wurden per Lautsprecher übertragen.

So sah das Gebäude 1942 aus.
So sah das Gebäude 1942 aus.

Zudem wurde ein Bühnenstück „Burg Lichtenberg“ kreiert, das die Pfarrersfrau Lina Haarbeck (1871-1954) mit den Einwohnern von Thallichtenberg einstudiert hatte. Auch die Ausstattung der Bühne und die Kostüme der Akteure wurden dort gefertigt. Haarbeck war damals schon eine Schriftstellerin mit viel Erfahrung. Sie hatte mehrere Dutzend Bücher veröffentlicht. Ihre Zielgruppe: junge Mädchen, denen sie den Einstieg in ein Leben als Hausfrau und Mutter erleichtern wollte. Jener Tag wurde auch überörtlich in den Medien wegen seiner positiven Ausstrahlung außerordentlich stark beachtet.

Die Rolle von Fuchs

Die Eröffnung der Jugendherberge – nun unter dem Schirm des DJH – war auch deshalb ein besonderes Ereignis, da sie „Oberpräsident-Fuchs-Herberge“ heißen sollte. Man vertraute sich damit seiner besonderen Fürsorge an, die er dem Haus allerdings nur kurz hatte angedeihen lassen können. Grund: Die Nationalsozialisten versetzten Fuchs im März 1933 im Alter von 59 Jahren in den Ruhestand, nachdem er drei Jahre zuvor das Auftreten der Nationalsozialisten öffentlich kritisiert hatte. So geriet dieser Name gleich wieder in Vergessenheit, obwohl er nie förmlich außer Kraft gesetzt wurde; Offiziell müsste das Gebäude eigentlich immer noch „Oberpräsident-Fuch-Herberge“ genannt werden. Johannes Fuchs wurde von April bis Mai 1945 von den Amerikanern als Regierungspräsident von Koblenz eingesetzt, blieb ab Juni 1945 Oberpräsident der Provinz Nordrhein in der britischen Besatzungszone bis zu seiner Entlassung im Oktober jenes Jahres. Danach war er Präsident des Rotkreuz-Landesverbands Rheinland-Pfalz.

Hoevermanns Karriere setzte sich fort als Mitglied der NSDAP in seiner Funktion als Regierungsdirektor der Provinz Schleswig-Holstein in Kiel. Im Mai 1945 übernahm er dort die Leitung der Verwaltung im Auftrag der britischen Besatzung bis November des gleichen Jahres. Anschließend leitete er bis zu seinem Tod 1953 das Landesversorgungsamt in Neumünster.

Mehrere Umbauten

Mit dem Anbau 1931 wurde die Herberge auch größer. Auf einem Bild von 1942 ist im Vordergrund die Jugendherberge zu sehen, links dahinter befindet sich die Landschreiberei mit der ehemaligen Herberge. Nach dem Neubau bot die Herberge Platz für 50 Betten in für beide Geschlechter getrennten Räumen. Waschplätze und Brausebäder befanden sich im Keller. In der Küche des Hausverwalters war ein Herd aufgestellt, den die Wanderer nutzen konnten. Ein Tagesraum war vorhanden.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1965.
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1965.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1965 zeigt, dass das Gebäude erneut in westlicher Richtung verlängert wurde. Am Eingang befand sich zudem ein Vorbau. Das Gebäude zwischen der Herberge und der Landschreiberei wurde erst nach 1965 als Gaststätte erbaut. Dabei wurde eine noch bestehende Außenfassade eines längst abgerissenen Vorgängergebäudes verwendet. Der Trakt der Jugendherberge zur Gaststätte wurde entsprechend verlängert.

Die letzte Erweiterung aus dem Jahr 1996 geht auf einen Entwurf von Dieter Rumpenhorst zurück, ein leitender Mitarbeiter der bis 1999 bestehenden Architektengruppe Voss, Naujack und von Canal in Koblenz. Rumpenhorst wählte für das Äußere der Jugendherberge eine moderne Form und integrierte einen barrierefreien Zugang zum Untergeschoss der Jugendherberge in seine Planung. Das Raumangebot wurde auf die noch heute vorhandenen 106 Betten erweitert.

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