St Julian RHEINPFALZ Plus Artikel Johannisnacht in Gumbsweiler: Das Gehannsesingen verbindet Generationen

 In der Johannisnacht zogen die Gehannsesänger mit Bollerwagen und Musik durch Gumbsweiler.
In der Johannisnacht zogen die Gehannsesänger mit Bollerwagen und Musik durch Gumbsweiler.

Das Gehannsesingen in Gumbsweiler ist mehr als ein Lied: Es ist Gemeinschaft, Tradition und ein lebendiges Stück Dorfkultur. Was steckt hinter dem alten Brauch?

Seit fast 90 Jahren zieht in der Nacht zu Johannis eine besondere Gruppe durch den St. Julianer Ortsteil Gumbsweiler: Frauen und Männer, jung und alt, singen gemeinsam das alte Gehannselied. Am Montagabend versammelten sich 16 Sangesfreunde in der Ortsmitte, um den traditionellen Rundgang durch den Ortsteil anzutreten – ein Brauch, der Generationen verbindet. Die erste der sieben Strophen: „Heut’ haben wir Johannisnacht. Rosarot drei Blümelein rot. So singen wir die ganze Nacht: Sei mein liebtrautes Mädchen.“

Brauchtumsverein übernimmt vom Gesangverein

Ursprung dieses Brauchs ist eine Dorfgeschichte, bewahrt von Hedwig Grindemann, die vor drei Jahren verstorben ist – kurz vor ihrem 99. Geburtstag. Sie war von Anfang an dabei und hat vieles weitergegeben, wie die aktuellen Teilnehmer wissen: „Als sie in der vierten Klasse war, hat ihnen ihr Lehrer Albert Korb das Gedicht beigebracht. Er hat auch eine Melodie dazu komponiert und ist mit den Kindern singend durch das Dorf gezogen.“ Seither wird das Lied – mit Ausnahme der Kriegs- und Nachkriegszeit – in jedem Jahr gesungen.

Mit einer Sense und zwei Hämmern im Takt: des Gehannsesingen des Brauchtumsvereins.
Mit einer Sense und zwei Hämmern im Takt: des Gehannsesingen des Brauchtumsvereins.

Über viele Jahre hatte der Gesangverein Gumbsweiler für das Gehannsesingen verantwortlich gezeichnet. Doch als die Sänger älter wurden, übergab der Verein vor neun Jahren die Organisation an den Brauchtumsverein, der neben Kerwe und Maifest nun auch diese besondere Tradition fortführt. Einige Mitglieder des alten Gesangvereins sind aber weiterhin mit Herzblut dabei. So auch das Ehepaar Paul und Edith Horbach, das schon seit einem halben Jahrhundert zu den Gehannsesängern zählt. Während Rita Horbach singt, gibt Paul Horbach mit einem ungewöhnlichen Instrument den Takt vor: einer Sense. Ein weiterer Taktgeber ist Thilo Emrich. Er schlägt zwei Hämmer aufeinander.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

„Die Leute geben uns Wein und Geld“, berichtet Bernd Kalweit vom Gesang- und Musikverein, der ebenfalls zur Gruppe gehört. 250 bis 350 Euro kommen jedes Jahr zusammen. Das Geld wird für Blumenschmuck im Dorf verwendet, der Wein in diesem Jahr bei einem Treffen am 13. Juli an der Gumbsweiler Mühle gemeinsam genossen.

Der Gesang beginnt bei Dieter Steinhauer, der zwar schon Schlafanzug trägt, es sich aber nicht nehmen lässt, der Gruppe ein Schnäpschen anzubieten – und zwei Flaschen Sekt. In der nächsten Straße stimmt die Gruppe erneut das Lied an, Rita Werner weiß genau, wo die Spender ihre Gaben deponiert haben. Dort wartet auch schon Susanne Linn im Nachthemd und gibt der Gesangsgruppe Sekt, Wein und Mineralwasser mit. Mit einem Bollerwagen ziehen die Sänger durchs Dorf, sammeln Spenden ein, zaubern ein Lächeln in viele Gesichter und lassen die Johannisnacht zu einem lebendigen Stück Dorfkultur werden. „Das wird wieder eine lange Nacht“, orakelt Teilnehmer Dirk Steinhauer. Und er soll recht behalten: Erst um 1.30 Uhr löst sich die Gruppe auf.

x