Wochenendkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Job-Scams: Wenn auf das Traumangebot die Abzocke folgt

jobbetrug2 kopie

Produkte testen und dafür gutes Geld kassieren – klingt nach einem lukrativen Job. Doch hinter manchen Angeboten stecken auch perfide Betrugsmaschen.

Ob falsche Polizeibeamte, Schockanrufe oder der klassische Enkeltrick: Als Redakteur befasst man sich immer wieder unweigerlich mit Betrugsmaschen, wenn die Polizei entsprechende Pressemitteilungen weiterleitet. Häufig werden die Opfer um hohe Geldsummen geprellt, sodass sie laut Experten oft jahrelang unter Selbstvorwürfen und Ängsten leiden.

Vor ein paar Wochen stieß ich allerdings auf eine Betrugsmasche, die mir völlig neu war – und mich stutzig machte. Um sie kurz zu erklären: Stellen Sie sich vor, sie suchen auf einer Internetseite wie Indeed oder Stepstone nach einem neuen Job und stoßen auf eine Stellenanzeige, die mit einfacher Homeoffice-Arbeit schnell verdientes Geld verspricht – beispielsweise geht es darum, Produkte oder Apps für Händler zu testen.

Dahinter steckt allerdings ein betrügerisches Angebot, bei dem die Täter beispielsweise die persönlichen Daten der Tester nutzen, um in ihrem Namen illegale Geschäfte abzuwickeln. Das Bundeskriminalamt warnt: Auch die Kontoinhaber selbst könnten dann wegen des Vorwurfs der Geldwäsche in den Fokus polizeilicher Ermittlungen geraten.

Jüngst wurde nach Angaben der Polizei eine 34-jährige Kuselerin Opfer eines sogenannten Job-Scams. Die Täter hätten sie mit angeblichen Provisionszahlungen gelockt - und um da heranzukommen, hätte sie Geld von ihrem Konto in Kryptowährung umwandeln müssen. Das Ende vom Lied: Die Frau transferierte das Geld – und verlor einen niedrigen fünfstelligen Betrag, den sie wohl nie wieder zurückbekommen wird.

„Mich wird es bestimmt nicht erwischen“

Es fällt an dieser Stelle leicht, Naivität zu unterstellen, da beim Lesen solcher Nachrichten aus dem warmen Sessel natürlich immer rechtzeitig die Alarmglocken schlagen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Täter bei den Betrugsmaschen meistens psychologisch sehr geschickt vorgehen, um ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Verbraucherzentrale nennt zum Beispiel die sogenannte „Fear of Missing Out“ – die Angst, eine einmalige Gelegenheit zu verpassen, die andere wahrnehmen könnten. Bei klassischen Betrügereien wie dem Enkeltrick erzeugen die Täter wiederum eine Schocksituation, bei der klares Denken oft nicht mehr möglich ist. Häufig hört man von den Opfern, dass sie später nicht mehr nachvollziehen konnten, wie sie vor wenigen Stunden noch gehandelt haben. Nicht umsonst warnen deshalb Vereine wie der Weiße Ring: Im richtigen Moment und mit der richtigen Geschichte könnte theoretisch jeder Opfer eines solchen Betrugs werden.

Zu vorschnell die Polizei angerufen?

Was also tun – bei jedem Vertreter, der an der Haustür klingelt und beispielsweise einen Glasfaser-Vertrag anbietet, sofort die Polizei rufen? Ich gebe zu: Bei einem Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens habe ich wegen Zweifel an seiner Echtheit schon einmal die Telefonnummer meines örtlichen Polizeireviers gewählt. War ich damit etwas zu vorschnell? Auf der einen Seite machte mich seine aufdringliche Art zwar skeptisch, auf der anderen Seite beschuldigt man im Zweifel einen völlig unbescholtenen Außendienstmitarbeiter einer Straftat. „Nein“, meinte allerdings der Polizeibeamte am Hörer. Auch wenn es banal klingen mag: Im Zweifel sei es immer richtig, auf Nummer sicher zu gehen.

Auch das Polizeipräsidium Westpfalz rät, bei verdächtigen Job-Angeboten oder Unsicherheit nach der Zusage die Polizei zu informieren. Denn bei der 34-jährigen Frau aus Kusel, die Opfer eines sogenannten Job-Scams wurde, handelt es sich um keinen Einzelfall: Zu ähnlichen Fällen teilt das Polizeipräsidium Westpfalz mit, dass im laufenden Jahr bislang ein niedriger zweistelliger Bereich an entsprechenden Straftaten registriert wurde. Die Beamten merken allerdings auch an: Die Daten beruhen auf polizeilichen Ermittlungen, die zum Teil noch nicht abgeschlossen sind und entsprechend für statistische Auswertungen mit Vorsicht zu genießen sind.

Was Verbraucherzentrale und Polizei raten

Abschließend noch ein paar Hinweise, die auf verdächtige Jobangebote auf seriös geltenden Internetseiten hindeuten könnten: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt etwa vor Stellenbeschreibungen mit zu einfachen Aufgaben, die mit unrealistisch hohen Geldern bezahlt werden. Auch sei es eine gängige Masche, sensible Informationen wie Ausweiskopien, Kontodaten oder Steuer- und Versicherungsnummern über unsichere Kanäle wie Whatsapp oder einfache E-Mails abzufragen.

„Generell sollte man immer wachsam sein“, teilt auch das Polizeipräsidium Westpfalz auf Anfrage mit. Gerade wenn es darum gehe, Pakete anzunehmen und dann ins Ausland weiterzuleiten, könnte das schon ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass ein betrügerisches Unternehmen im Hintergrund arbeitet. Auch Job-Börsen wie Indeed weisen darauf hin, dass Betrüger Jobtitel, nach denen viele Menschen suchen, gerne nutzen – beispielsweise Büroassistent, Buchhalter oder Auslieferungsfahrer.

Zum Ende hin sei gesagt: Misstrauen sollte nicht paranoid machen, aber ein kleines bisschen Wachsamkeit schadet nie. Denn wer Bescheid weiß, lässt sich nicht so leicht aufs Glatteis führen ... hoffentlich nicht auch Sie, liebe Leserinnen und Leser.

img_8022
x