Konken / Albessen RHEINPFALZ Plus Artikel Interessent für ehemaliges Haus der Kulinarischen Landstraße

Seit Mitte August ist das Kulinarische Haus in der Konker Ortsmitte geschlossen. In der Hof am Weiher AG gibt es einen Interesse
Seit Mitte August ist das Kulinarische Haus in der Konker Ortsmitte geschlossen. In der Hof am Weiher AG gibt es einen Interessenten, der dort einen Hof- und Bioladen eröffnen möchte.

Wenige Monate nach der Schließung des Kulinarischen Hauses in Konken gibt es Ideen für einen Weiterbetrieb. Ein Interessent möchte den Laden übernehmen. Allerdings müssen einige Kriterien erfüllt sein.

In den Räumen des Kulinarischen Hauses in der Konker Ortsmitte sind seit Mitte August die Lichter aus. Rund zwei Jahrzehnte lang wurden dort Produkte landwirtschaftlicher Selbstvermarkter aus dem Kreis und aus den Partnerregionen angeboten. Allerdings lohnte sich der Betrieb nicht mehr, sodass die Mitglieder des Vereins „Kulinarisches Haus Landkreis Kusel“ letztlich die Notbremse zogen. Nun deutet sich eine Lösung für das leerstehende Gebäude an.

Die Hof am Weiher AG mit ihrer Tochtergesellschaft, der Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH, erwägt, einen Hof- und Dorfladen mit Bioprodukten zu eröffnen, berichtet Vorstand Kornelius Burgdörfer-Bensel. Das Konzept müsse allerdings anders sein als bei herkömmlichen Dorfläden, ist er nach jüngsten Schließungen solcher Läden – Beispiel Frohnhofen – überzeugt. Gelingen könne das Projekt allerdings auf einer solidarischen Grundlage, sagt der Landwirt aus Albessen.

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Verpflichtung zum Einkauf

Dies würde bedeuten, dass sich Kunden vorab zum regelmäßigen Einkauf verpflichten. Denn „so ein Laden kann nicht überleben, wenn ab und zu jemand ein Stück Butter kauft“, verdeutlicht Burgdörfer-Bensel. Ein jährlicher Umsatz von 450.000 Euro müsste gesichert sein, um das Geschäft rentabel zu betreiben. Dies könne durch die Verpflichtung von 200 bis 300 Personen erreicht werden, schätzt er. Die müssten natürlich nicht ausschließlich aus Konken kommen. „Unsere Idee ist auch, dass Kunden der Mehrwert gutgeschrieben wird, sollte der Laden Gewinn erwirtschaften“, fügt Burgdörfer-Bensel hinzu. Die Folge wäre, dass Kunden sozusagen „bei sich selbst einkaufen“ und dadurch profitieren könnten, erläutert er die Vorteile.

Neben Obst und Gemüse – vieles gedeiht auf den Feldern rund um Konken – solle das Angebot Grundnahrungsmittel und Milchprodukte umfassen. Burgdörfer-Bensel geht davon aus, dass rund 95 Prozent in Bio-Qualität angeboten wird, dabei will die AG auch auf günstigere Biomarken als Einstiegsprodukte für Verbraucher von konventionellen Erzeugnissen setzen. Neben dem eigenen Obst und Gemüse vom Hof am Weiher kämen auch frische Waren von Bio-Kollegen der Öko-Marktgemeinschaft zum Verkauf. Es werde aber auch ein kleines konventionelles Sortiment angeboten, „etwa Eier und Honig von lokalen Anbietern nebenan“. Die Pläne hat der Vorstand vergangene Woche dem Gemeinderat Albessen vorgestellt.

Kundenfreundlichere Öffnungszeiten

Besonderen Charme erhalte das Projekt durch die Nähe zur neuen Logistikhalle der AG auf der Konker Erlenhöhe. Der Umzug dorthin sei für die erste Januar-Woche geplant. „Durch die Nähe können Lebensmittel täglich frisch für den Laden nachbestellt werden“, verdeutlicht Burgdörfer-Bensel die Vorteile des lokalen Wirtschaftens. „Die Frische wäre wie auf einem Wochenmarkt auf sehr hohem Niveau“, betont er.

Die eingeschränkten Öffnungszeiten des früheren Ladens mit Produkten von Selbstvermarktern und aus den Partnerregionen des Landkreises im Haus der Kulinarischen Landstraße seien für viele nicht attraktiv gewesen, sagt Burgdörfer-Bensel. Daher solle der neue Dorfladen mit Öffnungszeiten zwischen 7 und 19 Uhr mit einer längeren Mittagspause wesentlich kundenfreundlicher sein. Dies komme auch Berufspendlern auf der B420 entgegen. Insgesamt sei die Lage des Ladens auch durch die Parkplätze direkt davor „exzellent“.

Eine Leitung wird bereits gesucht

Das Projekt sei auch an Bedingungen geknüpft. „Wir brauchen Zusagen von Kunden für ein Jahr.“ Diese müssten jeweils für die kommenden Jahre erneuert werden. Zudem müsse der geplante Umsatz erwirtschaftet werden und, als erste Voraussetzung: „Wir suchen eine Person, die den Dorfladen leitet.“ Unter dem Unternehmensdach solle der Laden weitgehend eigenständig betrieben werden. Eine Stellenausschreibung hat der Hof am Weiher bereits veröffentlicht. Darin wird von einem Betriebsstart im August/September 2024 ausgegangen – also zum Europäischen Bauernmarkt, der nächstes Jahr in Konken stattfindet.

Viel investieren wolle die AG aus Albessen nicht in das Projekt, berichtet Burgdörfer-Bensel. Damit meint er, dass der Laden in Selbstbedienung mit wenig Personal laufen solle. Zudem sollen digitale Möglichkeiten verstärkt genutzt werden, etwa beim bargeldlosen Bezahlen. Aber: „Je stabiler es läuft, desto mehr kann man machen“, stellt er für die Zukunft in Aussicht. Die neue Dorfladengemeinschaft solle auch mitreden, was einem ähnlichen Ansatz wie bei der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) entspricht. Die einzige Solawi im Kreis Kusel gibt es auf dem Mayweilerhof. Insgesamt ist Burgdörfer-Bensel überzeugt, dass die Idee eines solchen Dorfladens auch für andere Regionen „eine Initialzündung“ sein könnte.

Projekt der Öffentlichkeit vorstellen

Konkens Ortsbürgermeister Christian Gießler sieht in dem Projekt eine „große Bereicherung für das Dorf“. Deshalb habe er beim Hof am Weiher auch zweimal auf der Matte gestanden. Bei seiner ersten Anfrage hatte er ihm zunächst eine Absage beschert, wie Burgdörfer-Bensel verrät. Doch Gießler ließ nicht locker, um die dörfliche Nahversorgung wieder in Gang zu bringen. Daraufhin entwickelte der Landwirt aus Albessen das Konzept. „Für uns wäre es eine weitere regionale Absatzquelle“, sieht Burgdörfer-Bensel auch Vorteile für seinen Betrieb. Denn zuletzt sei die Bio-Branche massiv unter Druck geraten. Doch viel Geld verdienen würde der Hof damit nicht. Denn als gemeinwohlzertifiziertes Handelsunternehmen setze sich der Bioland-Bauernhof primär dafür ein, dem Gemeinwohl zu dienen, nicht der Gewinnmaximierung, stellt er klar.

Bei einer Veranstaltung in der Konker Turnhalle soll das Projekt Ende Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dabei soll geprüft werden, ob sich genügend Abnehmer für das solidarische Konzept finden. Schon zuvor möchte Burgdörfer-Bensel einen Austausch mit Interessenten aus umliegenden Dörfern initiieren, um gemeinsam die Pläne voranzubringen.

Internet

www.hof-am-weiher.de

Die neue Halle der Hof am Weiher AG auf der Konker Erlenhöhe soll in der ersten Januar-Woche bezogen werden. Der Weg zum Kulinar
Die neue Halle der Hof am Weiher AG auf der Konker Erlenhöhe soll in der ersten Januar-Woche bezogen werden. Der Weg zum Kulinarischen Haus ist dann nicht weit.
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