Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Infoabend zum Wolf im Kreis Kusel: Von Herdenschutz, Prävention und Regulierung

Der Wolf – unser Foto ist ein Symbolbild – zeige kein aktives Interesse am Menschen, sagte Biologin Ina Brüggemeier vom Kluwo Lu
Der Wolf – unser Foto ist ein Symbolbild – zeige kein aktives Interesse am Menschen, sagte Biologin Ina Brüggemeier vom Kluwo Luchs und Wolf beim Infoabend in Kusel.

Ein Wolf sorgt nach Schafsrissen für Debatten im Kreis Kusel: In Kusel diskutieren Fachleute und Tierhalter über Herdenschutz, Prävention – und Grenzen der Regulierung.

Der Wolfsrüde GW4433m ist für eine Serie von Nutztierrissen im Glantal verantwortlich. Wie sehr das Thema Wolf die Gemüter bewegt, zeigte der Zuspruch zur Infoveranstaltung „Wolf im Landkreis Kusel“. Die Diskussion am Mittwoch in Kusel verlief überwiegend sachlich – von Streit zwischen Weidetierhaltern und Wolfsfreunden keine Spur.

Das Interesse am Informationsabend zum Thema „Wolf im Landkreis Kusel“ im Horst-Eckel-Haus war groß.
Das Interesse am Informationsabend zum Thema »Wolf im Landkreis Kusel« im Horst-Eckel-Haus war groß.

Ein Porträt des Wolfes zeichnete zum Auftakt Biologin Ina Brüggemeier vom Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo). Das nach langer Abwesenheit wieder zurückgekehrte Wildtier komme als „Opportunist“ und „Habitat-Generalist“ daher. Seine Nahrung bestehe vor allem aus Rehen und Wildschweinen; Schafe machten nur bis zu zwei Prozent der Beute aus. Brüggemeier charakterisierte den Wolf als konfliktscheu: Er zeige „kein aktives Interesse am Menschen“. Dennoch empfiehlt sie bei Begegnungen zwischen Mensch und Wolf: Ruhe bewahren, Abstand halten, nicht anlocken, keinesfalls füttern sowie Hunde anleinen.

Was Tierhalter tun können

GW4433m sei gekommen, um zu bleiben, sagt Kluwo-Leiter Julian Sandrini über den Wolfsrüden, der bereits vor einem Jahr in der Region Bad Sobernheim nachgewiesen worden sei. Deshalb sei das Präventionsgebiet „Hunsrück“ im Januar um große Teile der Nord- und Westpfalz erweitert worden – vorerst befristet auf ein Jahr.

Eine Minimalisierung der Konflikte zwischen Weidetierhaltung und Wolf gleiche einer „Quadratur des Kreises“, räumte Sandrini ein. Angestrebt sei eine „konfliktarme Koexistenz“. Dafür stehe im Präventionsgebiet ein gut gefüllter „Werkzeugkasten“ bereit. Sandrini nannte Förderungen für Investitionen in den Herdenschutz, etwa mobile und stationäre Weidezäune samt Zubehör, sowie Pauschalen für Mehraufwand und Unterhalt.

Beim wolfsabweisenden Herdenschutz müsse Tempo gemacht werden, appellierte er an die Weidetierhalter. Nach Rissen könnten Schaf- und Ziegenhalter kurzfristig mit Zäunen ausgerüstet werden. Wenn Förderanträge vollständig vorliegen, könne das Koordinationszentrum rasch einem „vorzeitigen Maßnahmebeginn“ zustimmen. Landesweit seien in den vergangenen Jahren jeweils bis zu 700.000 Euro für den Herdenschutz gezahlt worden, sagte Sandrini. Mit einer „Kostenexplosion“ rechne er nicht.

Weiterer Ausbreitung Grenzen setzen

Dass es für die weitere Ausbreitung des Wolfes Grenzen geben werde, erläuterte Lea Lorscheider vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium in Mainz. Die im Dezember beschlossene Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz, die voraussichtlich im Mai wirksam wird, sei eine Reaktion darauf, dass sich der Wolfsbestand in Deutschland erholt und insgesamt positiv entwickelt habe.

Bei einem günstigen Erhaltungszustand könne die Landesjagdbehörde einen revierübergreifenden Managementplan aufstellen. Er könne die Entnahme unauffälliger Jungwölfe zwischen Juni und November regeln, um den Bestand zu steuern. Im Fall eines ungünstigen Erhaltungszustands sei nach Nutztierrissen die Entnahme eines Wolfes in einem räumlich und zeitlich begrenzten Rahmen nur zur Abwendung wirtschaftlicher Schäden zulässig, erläuterte die Ministerialreferentin. Sie räumte ein, dass dafür noch Konkretisierungen – etwa zum „zumutbaren Herdenschutz“ – erforderlich seien. Generell werde dabei die Anonymität der „jagdausübungsberechtigten Personen“ gewahrt.

Landesjagdverband warnt vor großen Erwartungen

Geschäftsführer Sven Bischoff vom Landesjagdverband warnte vor zu großen Erwartungen an die Jägerschaft bei der Wolfsregulierung. Es werde nicht ohne präventiven Herdenschutz gehen. „Schützt eure Herden“, appellierte Bischoff an die Weidetierhalter, und ergänzte: „Wir Jäger werden unseren Jagdschein nicht aufs Spiel setzen.“

Mit Hinweis auf Mutterkuhbetriebe mit großen Weideflächen forderte Landwirt Günter Albrecht aus Reichenbach-Steegen, landwirtschaftliche Weideregionen vom Wolf freizuhalten. Andernfalls würden Landwirte dort die Tierhaltung aufgeben, und die Flächen würden verwildern, warnte er: „Wir brauchen wolfsfreie Gebiete.“

Bernd Merscher, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Ziegenzüchter und Vorstandsmitglied im Landesverband der rheinland-pfälzischen Schaf- und Ziegenhalter, plädierte dafür, das gesamte Bundesland als Präventionsgebiet auszuweisen. Tierhalter sollten eine jährliche Pauschale für den Herdenschutz erhalten, um Probleme bei der Vorfinanzierung zu vermeiden. Landrat Johannes Huber, der für den Kreis gemeinsam mit den Verbandsgemeinden zu dem Infoabend eingeladen hatte, bilanzierte nach zwei Stunden, es habe sich um einen „konstruktiven Austausch“ gehandelt.

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