Lauterecken Im Pro-Seniore-Wohnpark grassiert das Coronavirus
Ein „heißes Wochenende“ habe er hinter sich, sagt Pro-Seniore-Sprecher Peter Müller. Von den 69 infizierten Bewohnern stammen die meisten, nämlich 59, aus Obrigheim. Im dortigen Pro-Seniore-Heim hatte im Oktober ein Brand die Heizung außer Betrieb gesetzt. 74 der 78 Bewohner des Hauses wurden damals in Lauterecken untergebracht (wir berichteten).
Wie sich das Virus im Lauterecker Seniorenwohnpark verbreiten konnte, ist Müller ein Rätsel. „Keiner weiß es“, sagt er: „Wenn’s mal da ist, macht es nicht halt“, fährt er fort. Man achte im Haus strengstens auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Vollschutz und FFP2-Masken seien Standard. Und trotzdem verbreite sich das Virus. „Es ist einfach nicht nachvollziehbar.“
Schutzprogramm läuft
Im Haus herrsche nun Krankenhausbetrieb. Die Infizierten seien streng getrennt von den Nicht-Infizierten. Das ganze Schutzprogramm laufe planmäßig ab: Vollschutz, räumliche Trennung und Arztbesuche. Jeden Tag würden die Gesundheitsdaten, beispielsweise die Körpertemperatur oder Symptome, der Bewohner an das Kuseler Gesundheitsamt geliefert. Das entscheide dann, ob eine Testung anstehe oder nicht. Man arbeite eng zusammen. Für die Mitarbeiter gebe es Schnelltests, um möglichst frühzeitig eventuelle Infektionen zu erkennen.
Alle Fälle „beherrschbar“
Angesichts der Infektionsrate im Haus spricht Müller von einer „trostlosen Perspektive, was Corona angeht“. Er sagt aber auch, dass alle Fälle zum jetzigen Zeitpunkt „beherrschbar“ seien. „Ich kann immer nur den aktuellen Ist-Zustand beschreiben. Das kann sich innerhalb weniger Stunden aber schon wieder ändern“, beschreibt Müller die Lage.
Zurzeit befinde man sich in einer Therapiephase, während der sich ständig Ärzte um die Patienten kümmerten. Eine Prognose über die weitere Entwicklung mag Müller nicht abgeben. Da bekannt sei, dass die höchste Viruslast zwischen dem achten und zwölften Tag nach der Ansteckung erreicht werde, müsse man noch ein paar Tage abwarten. Dann erst entscheide sich, wo die Reise hingehe. „Es liegt nicht in unserer Hand, wir hoffen, dass es nicht zu weiteren Todesfällen kommt.“
Die Rückverfolgung, wie das Virus in das Lauterecker Seniorenhaus gekommen ist, sei schwierig, teilt die Sprecherin der Kreisverwaltung, Karla Hagner, auf Anfrage mit. Vor allem sei eine Rückverfolgung bei mehreren Fällen problematisch. Auch könne es asymptomatische Fälle geben, wenn also eine Person infiziert sei, aber keine Krankheitsanzeichen habe. Diese Person könne das Virus weitergeben, ohne dass sie erkannt werde.
Nicht in der Statistik
Da bei der Berechnung der Corona-Fälle das Wohnortprinzip gilt, werden die 69 infizierten Personen nicht dem Landkreis Kusel zugerechnet, sondern dem Landkreis Bad Dürkheim. Obwohl es also im nördlichen Landkreis einen Corona-Hotspot gibt, wird er in der offiziellen Statistik nicht abgebildet.