Lauterecken
Im Porträt: Christian Sauer, Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein
Ein Wirtschaftsförderer muss vor allem schnell reagieren. Als die RHEINPFALZ kürzlich über Sauers Kollegen in Kusel-Altenglan, Marcel Keidel, berichtete, merkte der Odenbacher IT-Selbstständige und Vorsitzende der Meisenheimer Werbegemeinschaft, Helge Stolz, öffentlich an, ein Wirtschaftsförderer täte auch seiner Verbandsgemeinde gut. Sauer las die Kritik, nahm den Telefonhörer in die Hand und traf sich kurze Zeit später mit Stolz. „Alles ausgeräumt, es war ein sehr gutes Gespräch“, vermeldete er.
Sauer ist, obwohl seit 2019 in Amt und Würden, immer noch dabei, bekannt zu werden. Vor allem in den ersten Monaten fuhr er von Betrieb zu Betrieb, um sich kundig zu machen. Kundig darüber, was der Wirtschaft fehlt zum Glücklichsein und wobei die Verbandsgemeinde helfen kann.
Vorübergehende Hauptaufgabe: Corona
Die Corona-Krise hat da den Tatendrang gebremst. Sauer hatte vor allem andere Aufgaben zu bewältigen. Denn die Wirtschaftsförderung ist nicht sein einziges Thema. „Projektmanagement“ steht mit im Titel seines Sachgebiets. Und das aktuelle Projekt hieß: Corona. „Wir waren die einzige Verbandsgemeinde, in der es binnen 48 Stunden in allen Ortsgemeinden ehrenamtliche Hilfsdienste gab“, erzählt er stolz. Dazu der Aufbau eines Krisenstabs, die Unterstützung der Lauterecker Tafel, der es vorübergehend an Helfern fehlte. Der Sulzbachtaler, der bald 45 wird, hat einen guten Job gemacht.
Sauer ist nicht auf direktem Weg zu seinem Job in der Verwaltung gekommen. Nach dem Hauptschulabschluss lernte er in Kaiserslautern Bäcker, holte die Fachhochschulreife nach und trat 1996, nach dem Grundwehrdienst in Zweibrücken, in die Dienste der damaligen Verbandsgemeinde Wolfstein. Er baute sein Diplom als Verwaltungswirt, stieg auf: stellvertretender Fachbereichsleiter „Bauen und Umwelt“, Fachbereichsleiter „Bürgerservice, Sicherheit und Soziales“, nach der Fusion mit Lauterecken mitverantwortlich für den Bürgerservice und Sachgebietsgruppenleiter „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“.
Der Reiz: „Kein Schatten, keine Fußstapfen“
Nun also Wirtschaftsförderer. „Mich hat gereizt, dass das etwas völlig Neues ist. Es gibt keine Fußstapfen, die man füllen muss, keinen Schatten, aus dem man heraustreten muss. Es ist ein bislang unbearbeitetes Feld.“ Und auf dem gibt es viel zu tun bei jeder menge Kleinbetriebe, aber auch bei Großunternehmen wie IGM, Niehoffs Vaihinger oder Bito. Dort ist Sauer ausführlich getourt, hat vor allem zugehört.
Die Klagen, denen er dabei lauschen durfte, sind nicht überraschend. Die schlechte Verkehrsanbindung des Nordkreises steht obenan. Zudem müsse die ärztliche Versorgung gesichert sein. Und: Um überhaupt Personal zu bekommen oder zumindest hier zu halten, müssen Schulen und Kitas gut ausgestattet sein. „Da sind wir aber gut aufgestellt. Das haben mir alle bestätigt.“
Vor allem netzwerken
Dass Lauterecken-Wolfstein in Sachen Verkehrsinfrastruktur alleine wenig ausrichten kann, weiß Sauer. „Unsere Aufgabe ist es, Seilschaften zu bilden, Verbündete zu finden, die dasselbe Ziel haben.“ Dass es nun eine Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung der Glantalbahn geben wird, sieht er als einen Erfolg. Dass auch benachbarte Verbandsgemeinden weitere Ortsumgehungen für die B 270 fordern, ebenfalls. „Es ist halt was Anderes, wenn mehrere gemeinsam für etwas kämpfen als wenn ein Bürgermeister aus einer Provinzstadt etwas fordert.“ Netzwerken heißt folglich eine seiner wichtigsten Aufgaben.
Wie gut das funktionieren kann, zeigt in seinen Augen ein anderes Beispiel: die Alte-Welt-Initiative, bei der seine Verbandsgemeinde und auch er selbst als deren Koordinator mittendrin sind. „Hier werden Strukturen geschaffen, wie es sie bislang noch nie gegeben hat.“ Und: Es seien ja auch Teilerfolge zu sehen – angefangen bei den Alte-Welt-Bustouren bis hin zur 5G-Initiative. Als einzelne Kommune hätte man das nie geschafft. „Ob es am Ende ein Erfolg wird, muss man sehen. Aber sie ist ein toller Versuch.“