Lauterecken
Hotel-Restaurant Pfälzer Hof: 50 Jahre und weiter modern
Lauterecken. Die Tische im Restaurant Pfälzer Hof eingedeckt hat Anja Jacob (40), die Schwester von Oliver Jacob. Beide haben im Deidesheimer Hof, – ja, dort wo Helmut Kohl Gorbatschow oder die Queen bewirten ließ – gelernt und sind zurückgekommen nach Lauterecken, wo Großvater Dietmar von 1972 an die damalige Weinstube Lehné Schritt für Schritt ausbaute.
„Als alles fertig war, ist er 1983 tot umgefallen, weil er zu viel gearbeitet hat“, berichtet Oliver Jacob aus der Familiengeschichte. Seine Großmutter Regina machte weiter, holte ihren Sohn früh in die Verantwortung. Jetzt ist es an der Zeit, dass Peter Jakob (66) und seine Frau Gertrud Jakob (64) langsam kürzer treten.
Die vierte Generation kommt
Und die nächste Generation steht vor ihrer Ausbildung: Pauline Jakob (18) wird nach dem Fach-Abitur eine Ausbildung in der Branche machen und „bestimmt zurückkehren“. Da ist sich Vater Oliver sicher. Nur was aus Noah Jakob (15) wird, scheint in den Augen seines Vaters noch offen: „Er hilft natürlich, ist aber auch sehr sportbegeistert.“ Und klar, die 91-jährige Oma Regina schaut noch regelmäßig, dass der Laden läuft. Ende der Vorstellungsrunde.
Aktuelles Erfolgsrezept: Die Geschwister Oliver und Anja Jakob ergänzen sich prima. „Ich bin der Frühaufsteher, schaue, dass morgens um sechs im Haus alles läuft. Meine Schwester ist die Nachteule. Spät am Abend noch die Gäste zu bewirten, das ist ihr Ding“, beschreibt Oliver Jakob die Arbeitsteilung. Streit habe es noch nie gegeben: „Wir dischpedieren, danach wissen wir, was wir wollen.“
Filiale Pizza Firenze
Was die dritte Generation anders macht? Viermal im Jahr ist das komplette Haus für eine Woche geschlossen. „Wir müssen auch mal durchschnaufen können.“ Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ist das Restaurant nur für die Hausgäste geöffnet. Von Freitag bis Montag geht es rund. Für Oliver Jakob sogar noch in einer Filiale. 2012 schloss die Pizzeria Firenze um die Ecke, weil Wirt Paolo in den Ruhestand ging. Drei Jahre später kaufte Peter Jakob das Gebäude, und Oliver Jakob überredet Paolo zum Comeback. „Ich weiß, das war keine rationale Entscheidung, aber ich habe es nie bereut, dort den Abend ausklingen zu lassen“, berichtet Oliver Jakob und lacht.
Die Jakobs tragen das Herz auf der Zunge. Das mag ihnen die vielen Stammgäste bescheren. Oliver Jakob lebt seinen Beruf. Das hat aber auch zur Folge, dass er einem Gast auch mal sagt, dass die Chemie vielleicht weniger stimmt und er sich kein Wiedersehen vorstellen könne. Selbstbewusst sagt er dazu: „Wir verkaufen nicht nur Essen und Trinken, sondern auch unsere Seele. Da will ich Menschen um mich haben, die ich mag.“
Draisine lockt Gäste an
Die Corona-Pandemie hatte für Jakob den Begleiteffekt, „dass alle gemerkt haben, dass es nicht nur aufwärts geht“. Sie habe geerdet und ihm deutlich gemacht, dass nichts selbstverständlich sei, sagt der Chef des Teams mit 24 Mitarbeitern.
Doch wer sind die Gäste im dem Hotel mit 15 Zimmern (vier weitere gibt es im benachbarten Gästehaus)? Oliver Jakob nennt die Draisine als wichtigen Frequenzbringer. Rad- und Motorradfahrer stiegen in den Sommermonaten regelmäßig ab, werktags auch Geschäftsreisende. Die Kegelbahn, in den 1970er Jahren der absolute Renner, erlebe gerade so etwas wie eine Renaissance. „Wir haben wieder Buchungen. Das hätte ich nicht gedacht“, erzählt Jakob.
Drei Sterne reichen
Mit den Internet-Hotelportalen arbeitet Jakob nur eingeschränkt zusammen: „Bei 15 Prozent Provision und einer zusätzlichen Kreditkartengebühr bleibt mir da nicht viel.“ Drei Sterne hat das Haus. Mehr sind Jakob nicht wichtig, „sonst verliere ich meine Stammgäste“.
Wie im Dezember das 50. Jubiläum gefeiert wird, weiß Jakob noch nicht. Umso zuversichtlicher blickt er in die Zukunft. Wenn Vater und Mutter sich aus der Küche verabschieden, werde es eine andere Lösung geben. „Ich kann auch kochen“, sagt Oliver Jakob. Und erzählt, wie er es genießt, sich einmal in der Woche in die Waschküche zu verziehen und die Blusen des Personals zu bügeln.