Leseraufruf RHEINPFALZ Plus Artikel Hogelmann & Co: Vom Vater, der Kindern einen Bären aufbindet und Brigger Fantasiefiguren

In einem alten Stollen bei Brücken lebt der – frei erfundene – Grubentroll „Kohlebeiß“. Heimatkenner bemerken sofort: Das Foto i
In einem alten Stollen bei Brücken lebt der – frei erfundene – Grubentroll »Kohlebeiß«. Heimatkenner bemerken sofort: Das Foto ist im Kalkbergwerk in Wolfstein entstanden.

In den letzten beiden Leserzuschriften, die wir zu den gruseligen Fantasiegestalten aus vergangenen Zeiten veröffentlichen, geht’s um frei erfundene Gruselgeschichten.

Kennen Sie „de Hogelmann“, „de Mann mit de Broodworscht in die Aue“ oder andere Gestalten, die Kindern früher Angst einjagen sollten? Das wollte die RHEINPFALZ von Leserinnen und Lesern wissen – und etliche haben sich beteiligt. Mit diesen zwei Texten wollen wir den Reigen an Leserzuschriften schließen.

Den Kindern im Dorf ein bisschen Angst eingejagt

Gabriele Ecker, Rehweiler: Ich kenne den Ausdruck „De Mann mit de Broodworscht in de Aue“. Mein Vater (1932-2006), geboren und aufgewachsen in Bettenhausen (heute Glan-Münchweiler), hat mir von diesem in meiner Kindheit erzählt. Die Hintergründe dieser Gestalt weiß ich allerdings nicht. Mein Vater wollte den Kindern damals im Dorf mit verschiedenen Gestalten Angst einjagen. Er meinte, sie würden im Wald umgehen – und wir Kinder sollten da nicht alleine rumstreifen.

Trotz seiner Gruselgeschichten war er bei den Kindern sehr beliebt. Sie besuchten ihn oft und lauschten den Erzählungen. Er erzählte immer von einem fernen Land namens „Schlamerika“. Einmal kam sogar ein Kind mit gepacktem Koffer zu uns. Mein Vater hatte das Kind zuvor gefragt, ob es mit ihm nach Schlamerika fahren wolle. Das hatte er so echt rübergebracht, dass auch ich an Schlamerika glaubte.

Die genannten verschiedenen Gestalten waren neben dem Bratwurstmann auch die sehr bekannte Elwetrische und der Belzebub (Teufel) sowie die „Schnerrgäse“, deren Wortherkunft ich auch nicht weiß. Der „Greis Geimer“ war der Tod. Ich dachte als Kind immer, dass er die Gestaltsnamen „De Mann mit de Broodworscht in de Aue“, die „Schnerrgäse“ und „Greis Geimer“ selbst erfunden hatte. Mit Begriffen war er sehr kreativ. Allerdings hat mich der Zeitungsartikel zumindest bei der Wurstgestalt eines Besseren gelehrt.

Grubentroll „Kohlebeiß“ hat ein eigenes Gedicht

Willi Bücker, Brücken: Zur Hexennacht wird der alte Grubenschacht in Brücken seit drei Jahren im Zuge einer Gruselwanderung aufgesucht. Also bot es sich an, eine Gruselgeschichte dazu zu erzählen. Unsere Story mit dem Grubentroll „Kohlebeiß“ ist zwar frei erfunden, allerdings ist der einsame Ort schon als ein unheimlicher Platz bekannt. Es hat sich also angeboten, eine mythische Geschichte um den abgelegenen Grubenschacht herum zu spinnen. Das im letzten Sommer aufgeführte Märchenwaldmusical benannte dann „Kohlebeiß“ als festen, gruseligen Bestandteil des Grubenstollens. „Kohlebeiß“ und der alte Grubenschacht gehören nun endgültig zusammen.

In der Hexennacht führen verschlungene Pfade von Pauls Märchenwald aus durch den tiefen Wald ans Ende der Grubenstraße, wo der alte Grubenstollen diesen Troll beherbergt. In dieser einen Nacht können tapfere Kinder und Erwachsene den Troll durch die Gitterstäbe sogar sehen, bewacht vom Stollengeist „Waldfried“. Der uralte, langbärtige „Waldfried“ erzählt dann die Geschichte vom Grubentroll, was die großen und kleinen Besucher seit Jahren in ihren Bann zieht. Diese beiden Fantasiefiguren sind etwas ganz Besonderes, können sie doch – im Gegensatz zu vielen anderen, alten Fantasiefiguren – mit allen Sinnen erlebt werden.

Für Grubentroll „Kohlebeiß“ wurde sogar ein kleines Gruselgedicht geschrieben, das zu Halloween und Hexennacht, gerne den Jungen vorgelesen wird: „Der Grubentroll zu Brücken“.

Er lebt in der dunklen Tiefe der Grube, man sieht ihn nicht, / nur wenige bekommen ihn zu Gesicht. / Nachts erhebt sich der Grubentroll, spukt oben im Wald. / Schaurig sein Ruf, hässlich die schwarze Buckelgestalt. / In Vollmondnächten schleicht er um Häuser und Hecken, / um die Kinder, unten im Tal, zu erschrecken. / Dann springt er durch Straßen und Gassen, / schaut schaurig durch Fenster, zieht Gruselgrimassen. / Dann ist es der alte, bärtige Stollengeist, / er ihn wieder einfängt und zurück in die Grube verweist.

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