Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Gruselgestalten aus der Kindheit: Einige Leser fürchten sich bis heute an Gewässern

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Während „de Hogelmann“ vielen ein Begriff ist, sieht’s beim Mann „mit de Broodworscht in die Aue“ anders aus. Und dann sind da noch der „Wullewux“ und der „Greis Geimer“.

Die RHEINPFALZ hatte Leserinnen und Leser gefragt, ob sie gruselige Gestalten sie aus dem Landkreis Kusel kennen – und wenn ja, welche. Zuschriften zu real existierenden Personen haben uns überraschenderweise keine erreicht – dabei waren wir sicher, dass es den ein oder anderen Witzbold gibt, der’s versucht. Mehrere Leserinnen und Leser sind dem Aufruf gefolgt und haben sich mit ihren Geschichten zu gruseligen Erzählungen beteiligt. Eine Auswahl.

Noch immer extrem vorsichtig

Christine Schmitt, Mühlbach: Ich bin mit dem „Hogelmann“ aufgewachsen. Meine Mutter war alleinerziehend und musste arbeiten. Um zu verhindern, dass ich ans Wasser – also an den Glan – gehe, hat sie mir immer wüste Geschichten vom „Hogelmann“ erzählt: Wenn ich nah am Glan bin, kommt plötzlich ein Wesen mit langen Armen und mit einem Haken – pfälzisch: „Hoge“ – in den Händen und holt mich zu sich ins Wasser.

Meine Mutter hat mir damit solche Angst gemacht, dass ich weder in der Nähe noch in der Ferne überhaupt noch ins Wasser schauen konnte. Zwischen Altenglan und Rammelsbach war früher so ein grünes Gewässer. Weder im Zug noch im Bus sitzend konnte ich einen Blick darauf werden. Selbst erwachsen werdend war mir der kleine Weiher noch sehr gefährlich vorgekommen. Bis heute mag ich keine Filme, in denen Wasser eine große Rolle spielt.

Als junge Mutter wollte ich ein Vorbild für mein erstes Kind sein und schwimmen lernen. Das habe ich dann einigermaßen geschafft. Meine Söhne haben schließlich auf mein Drängen hin Schwimmkurse besucht, weil es für mich so wichtig war, ihnen Wasser ohne „Hogelmann“, aber als positives Erlebnis nahezubringen. Ich dagegen bin an Gewässern bis heute extrem vorsichtig. Meine Geschichte mit Wasser ist für mich immer noch nicht zu Ende.

Übrigens war – im Gegensatz zum „Hogelmann“ – in meiner Kindheit uns Kindern immer klar, dass „de Mann mit de Broodworscht in de Aue“ nur Spaß war. Im Gegensatz zum „Hogelmann“.

Nur noch im Laufschritt über die Glanbrücke

Stephan Müller, Börsborn: Ich verbrachte als Ferienkind die Schulferien bei einer Schreinerfamilie in Nanzdietschweiler. Zusammen mit den Dorfkindern erkundete ich alles, was die Umgebung an Abenteuern zu bieten hatte. Dazu gehörte auch der Glan. An diesem Gewässer konnten wir uns mit der Suche nach Fischen und Kaulquappen stundenlang verweilen.

Voller Stolz erzählte ich später meiner Gastfamilie, was ich alles am Glan erlebt hatte. Entgegen meiner Erwartung, bewundert zu werden, bekam ich von den Erwachsenen erzählt, wie lebensgefährlich es am Glan ist. Denn tief im Glan wohnt der „Hogelmann“ mit seinem Dreizack und er fängt Kinder, welche sich zu nahe an das Wasser wagen.

Der bei der Familie beschäftige Schreinergeselle bestätigte diese Aussage, indem er mir seinen Fuß mit dem orthopädischen Schuh zeigte. „In diesem Fuß steckte einmal der Dreizack vom ,Hogelmann’!“, behauptete er. Diese Nachricht hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck, denn der Anblick dieses unförmigen Fußes war für mich damals äußerst angsteinflößend.

Die Geschichte tat ihre Wirkung, ich hielt mich vom Glan fern. Und wenn mich mal der Weg über Glanbrücke führte, so überquerte ich sie mit einem flotten Laufschritt.

Kinder an den Beinen ins Wasser ziehen

Heike Kohl, Eßweiler: In meiner frühen Kindheit wohnten wir eine Zeit lang nahe am Ufer der Lauter in Roßbach. Meine besorgten Eltern warnten mich eindringlich vor dem „Hogelmann“, der am Uferrand nach Kindern Ausschau hielt, um sie ins Wasser zu hogeln. Den „Hogelmann“ stellte ich mir als alten Mann vor, der einen „Gangelstecken“ verkehrt herum hielt, um mit dem gebogenen Ende nach den Beinen der Kinder zu hogeln und sie ins Wasser zu ziehen. Ich habe mich tatsächlich stets in größerem Abstand zur Lauter gehalten.

Den Kindern im Dorf ein bisschen Angst eingejagt

Gabriele Ecker, Rehweiler: Ich kenne den Ausdruck „De Mann mit de Brotworscht in de Aue“. Mein Vater (1932-2006), geboren und aufgewachsen in Bettenhausen (heute Glan-Münchweiler), hat mir von diesem in meiner Kindheit erzählt. Die Hintergründe dieser Gestalt weiß ich allerdings nicht. Mein Vater wollte den Kindern damals im Dorf mit verschiedenen Gestalten Angst einjagen. Er meinte, sie würden im Wald umgehen – und wir Kinder sollten da nicht alleine rumstreifen.

Trotz seiner Gruselgeschichten war er bei den Kindern sehr beliebt. Sie besuchten ihn oft und lauschten den Erzählungen. Er erzählte immer von einem fernen Land namens „Schlamerika“. Einmal kam sogar ein Kind mit gepacktem Koffer zu uns. Mein Vater hatte das Kind zuvor gefragt, ob es mit ihm nach Schlamerika fahren wolle. Das hatte er so echt rübergebracht, dass auch ich an Schlamerika glaubte.

Die genannten verschiedenen Gestalten waren neben dem Bratwurstmann auch die sehr bekannte Elwetrische und der Belzebub (Teufel) und die „Schnerrgäse“, deren Wort-Herkunft ich auch nicht weiß. Der „Greis Geimer“ war der Tod. Ich dachte als Kind immer, dass er die Gestaltsnamen „De Mann mit de Brotworscht in de Aue“, die „Schnerrgäse“ und „Greis Geimer“ selbst erfunden hatte. Mit Begriffen war er sehr kreativ. Allerdings hat mich der Zeitungsartikel zumindest bei der Wurstgestalt eines Besseren gelehrt.

Vor der Entführung noch von der Bratwurst abbeißen

Laura Möller, Lauterecken: Ich bin 30 und ursprünglich aus Schönenberg-Kübelberg, bin dort auch in den Kindergarten, die Grund- und die Realschule gegangen. Sowohl meine Freunde aus der Kindheit als auch meine Großeltern haben mir immer vom „Wullewux“ erzählt. Unter uns Kindern hat man immer erzählt, dass der „Wullewux“ nur nachts unterwegs ist und sich Kinder schnappt, die nach der Dämmerung noch nicht zu Hause sind. Wenn also die Straßenlaternen angingen, war man dann immer ein Stück schneller unterwegs als sonst.

Wie der „Wullewux“ aussieht, hat sich immer ein bisschen unterschieden, je nachdem wen man gefragt hat. Vor allem das Thema mit den „Broodworschd-Aue“ variierte von wurstförmigen Pupillen, bis zur richtigen „Broodworschd“ von der man in manchen Erzählungen noch abbeißen durfte, bevor er einen mitgenommen hat.

Er hatte aber eigentlich immer zotteliges Fell und wurde als „wild aussehend“ beschrieben. Zumindest habe ich schon öfter den Spruch „Du siehschd aus wie de ,Wullewux’“ gehört. Mir wurde auch immer erzählt, dass der „Wullewux“ überall sein konnte, auch in der Kanalisation, um die Kinder aus dem Gully heraus zu schnappen, im Wald oder in jeder anderen dunklen Ecke. Als Kind war der „Wullewux“ schon eine ganze Zeit lang etwas, vor dem ich Angst hatte.

Vor einiger Zeit hab ich mich mit meiner Oma unterhalten, da mein Partner nicht von hier ist und entsprechend den „Wullewux“ nicht kennt. Auf Google findet man nichts zu der Schreckfigur und wir konnten uns auch nur erklären, dass der „Wullewux“ eine Anspielung auf die „bösen“ Franzosen ist, vor denen sich die Kinder in Acht nehmen sollten. Eventuell wie bei „Visite ma tent“ („Mach mir bloß ke Visimatente“) eine Ableitung von „Voulez-vous“ zu „Wullewux“.

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