Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Hintergrund: Warum Nahwärme aus der Lauter nicht funktioniert

Wärme aus der Lauter zu gewinnen sei von Anfang an nicht möglich gewesen, sagen die Gutachter.
Wärme aus der Lauter zu gewinnen sei von Anfang an nicht möglich gewesen, sagen die Gutachter.

Günstige Wärme aus dem Wasser der Lauter zu gewinnen, das war eine Idee und Herzensangelegenheit des ehemaligen Lauterecker Stadtbürgermeisters Heinrich Steinhauer. Es hat nicht funktioniert, ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Planer-Firma folgte, der vor kurzem mit einem Vergleich geendet hat. Aber woran ist das Pilotprojekt gescheitert?

„Die Lauter schickt uns keine Rechnung“, habe Steinhauer damals als Begründung gesagt, erinnert sich Helmut Dahlmanns. Der Leiter der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung war bei der Planung und beim Scheitern der Nahwärmezentrale dabei. Die Idee: Klimaschutz, möglichst umweltfreundliches Heizen. Ein Pilotprojekt sollte es werden, das vor mehr als zehn Jahren ganz schnell aufgesetzt werden musste, um noch an ein Investitionspaket der Energieoffensive Rheinland-Pfalz zu kommen.

„Im Eiltempo aus dem Boden gestampft“ worden sei die Nahwärme-Idee, sagt Dahlmanns. Und: „Die Ingenieure haben gesagt: Es geht.“ Früh sei klar gewesen: Die Kosten waren viel zu niedrig angesetzt worden. Zum Glück sei noch Geld im Fördertopf übrig gewesen – die Mittel für das Lauterecker Projekt konnten aufgestockt werden.

Hoch- statt Niedrigtemperatur

Ähnliche Projekte mit einer Wärmepumpe arbeiten mit Niedrigtemperatur, weiß Dahlmanns. Doch habe das Planungsbüro damals einen Hersteller von Hochtemperatur-Wärmepumpen auftreiben können – die jedoch vorher nur im Bereich der Wärmerückgewinnung eingesetzt worden seien. Hochtemperatur war für das Projekt erforderlich, da in den angeschlossenen Gebäuden ganz normale Heizkörper verbaut sind.

Das sei von Anfang an schwierig gewesen, berichtet Dahlmanns. Der Wärmetauscher sei ständig veralgt – natürlich habe man das Wasser der Lauter nicht behandeln dürfen, da es wieder in den Fluss zurückgeleitet wurde. Als es dann Herbst wurde, gar Winter, wurde auch die Lauter kälter: „Es war nicht mehr genug Wärme drin. Bei Temperaturen wie jetzt funktionierte es wunderbar, aber im Winter nicht.“

Gas als Notnagel

Im Sommer sei es nicht wirtschaftlich gewesen, die Wärmepumpe für Warmwasser laufen zu lassen. Deswegen und für den Fall, dass es „im arktischen Winter mal 14 Tage“ nicht mit der Wärmepumpe funktionieren könnte, waren von vorneherein Gas-Brennwert-Therme eingebaut worden: „Kaskadenartig hintereinander, so kann je nach Anforderung hinzugeschaltet werden.“ So mussten die Netzwärme-Nutzer nicht frieren, seit die Anlage 2011 installiert wurde: Gas, als Notnagel gedacht, wurde zur Dauerlösung.

Es gab wohl noch eine Reihe Versuche, das Projekt zu retten: Sandfilter wurden nachgerüstet, Pumpeneinstellungen mehrfach geändert. Die Nachbesserungsversuche kosteten mehr Geld. „Irgendwann war der Punkt erreicht: Beweissicherung“, berichtet Dahlmanns. Einer der ersten Gutachter habe direkt ein vernichtendes Urteil gefällt: Die Anlage funktioniere nicht und könne auch durch Modifizierungen nicht ertüchtigt werden.

Alternativen verworfen

Dennoch zogen sich die Gerichtsverhandlungen über Jahre hin. Als Trostpflaster bezeichnet der Bauamtsleiter den jetzigen Vergleich, bei dem die Stadt eine halbe Million Euro erhält. Immerhin: Die Fördergelder müssen nicht zurückgezahlt werden. „Es war ein Feldversuch und wir waren Versuchskaninchen.“ Man habe erkannt, was man feststellen wollte: Heizen mit Wasser aus einem Fluss wie der Lauter „geht nicht oder nur schwer“.

Dahlmanns betont, man habe es sich „in Lauterecken nicht leicht gemacht“. Alternativen seien gesichtet worden: Grundwassersonden seien wegen der Sorge um Setzungen ausgeschieden, Wärme aus dem Abwasser wegen der in der Nacht nicht ausreichenden Wassermenge im Kanal. Immerhin gehe es nicht um die Versorgung eines einzelnen Hauses, sondern einer ganzen Reihe, inzwischen 14.

Und es könnten noch mehr werden, passierten doch die Rohre des Nahwärmenetz viele private Häuser, sagt Dahlmanns. Wie Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis ist er zuversichtlich, dass mit einem Blockheizkraftwerk als Herzstück der Anlage das Nahwärmenetz wirtschaftlich und umweltfreundlich weitergeführt werden kann – wenn auch nicht so innovativ und umweltschonend wie man sich das in Lauterecken vor mehr als zehn Jahren erhofft hat.

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