Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfbereitschaft für Bedürftige: So schön wie beschenkt werden

In der Ausgabestelle der Kuseler Tafel werden Geschenke an Kinder verteilt.
In der Ausgabestelle der Kuseler Tafel werden Geschenke an Kinder verteilt.

An Weihnachten zeigen sich viele gerne spendierfreudig. Nicht nur, was Geschenke für die Liebsten betrifft. Auch Spenden an Fremde haben dann Konjunktur. Im Kreis Kusel gibt es zahlreiche Beispiele, wie Bedürftige unterstützt werden – nicht nur mit materiellen Dingen.

Ihre Krebsdiagnose vor fünf Jahren hat eine Mutter aus einem kleinen Dorf in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein „komplett zurückgeschmissen“. Inzwischen versucht die 49-Jährige wieder stundenweise zu arbeiten, „aber manchmal geht es eben nicht“. Der Ehemann hat zwar Arbeit, doch Haus, Kinder und Krankheit zehren am Finanziellen, berichtet sie der RHEINPFALZ.

„Essen haben wir. Wir sind genügsam, freuen uns an kleinen Dingen“, erzählt die Frau. Wenn sie die warme Winterjacke für die Tochter nicht selbst zahlen muss, ist das eine große Hilfe, berichtet sie. Dankbar ist sie auch über kostenlose Ferienfreizeiten für die Kinder. „Ich weiß, dass sie Angst um meine Gesundheit haben. Solche Abwechslungen tun ihnen einfach gut“, schildert die Mutter.

Über Schule und Kirche

„Am Anfang war es mir schon unangenehm“, schildert eine 52-Jährige aus einem Dorf im Nordkreis. Hilfe von Fremden anzunehmen, sei ihr schwergefallen. Doch inzwischen steht die Mutter von sieben Kindern dazu. „Als wir hier ins Dorf kamen, hatten wir es nicht so einfach“, erzählt sie. Viele hätten über die Kinderschar getratscht, und „uns in irgendeine Schublade gesteckt“.

Über Schule und Kirche sei sie an Hilfsangebote gekommen, habe auch Tipps zur Selbsthilfe erhalten. Ihr Mann sei krank, könne nicht arbeiten. Die Familie bezieht Hartz IV. „Ich bin froh, dass es bei uns in der Gegend engagierte Helfer gibt! Es ist gut zu wissen, dass wir nicht allein da stehen.“ Sie wünscht sich, dass Hilfsangebote gestärkt werden, damit auch viele andere unterstützt werden könnten.

Ziel: Zeit und Liebe schenken

Ein gelungenes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe ist die „Soziale Gruppe Grumbach“. Die ehemalige Jugendamt-Mitarbeiterin Karin Zeiser gründete sie vor 37 Jahren. In der „Mutter-Kind-Gruppe“ – der auch Väter angehören – treffen sich monatlich Eltern und Kinder in Grumbach zur gegenseitigen Beratung in Familienfragen.

Inzwischen kommen die 24 Erwachsenen und 23 Kinder nicht mehr nur aus dem Nordkreis, berichtet Zeiser, die die Gruppe gemeinsam mit Rolf Mees leitet. Das Ziel: Dass Eltern ihren Kindern auch unter schwierigeren Bedingungen Zeit und Liebe schenken können. Vom Kinderschutzbund, über die Schuldnerberatung und das Rote Kreuz: Zahlreiche Referenten seien schon eingeladen gewesen. Die Gruppe ist laut Zeiser hervorragend vernetzt und genießt breite Unterstützung. Auch Freizeiten und Ausflüge werden organisiert, aktuell fehle allerdings eine Kinderbetreuung.

98 Geschenktüten gepackt

An Weihnachten erhält jedes Kind in der Gruppe ein Geschenk vom Jugendamt. Besonders engagiert ist da Heddi Köhl. „Ich war schon mit meinen Kindern in der Gruppe, war mit den Enkeln da und werde auch mit meinen Urenkeln hingehen“, sagt die rührige Lautereckerin. Sie berichtet, dass die Lauterecker Tafel auf Initiative der Gruppe entstanden ist. Zudem gibt es Hilfe unter anderem beim Suchen von Wohnungen und Möbeln. Köhl: „Ich helfe gerne und es macht mir Spaß.“

Um die Situation bedürftiger Familien im Kreis weiß auch die Vorsitzende des katholischen Pfarreirats Lauterecken, Inge Lütz. Häufig liegen diese nur mit wenigen Euro über der Grenze der staatlichen Unterstützung. Dennoch ist Unterstützung willkommen, schildert sie. „Mir werden immer wieder Familien genannt“ sagt Lütz, die in der Region über Ihre Ehrenämter gut vernetzt ist. Sie sammele das ganze Jahr über Spenden, darunter auch Hygieneartikel und Pflegeprodukte als Sachspende von Firmen. „Gerade für die Päckchen für Jugendliche mit Deos oder Schminksachen ist da Bedarf“, berichtet sie. Bereits im vergangenen Jahr packte sie mit einer Kollegin der Kirchengemeinde 98 Tüten mit Hygieneartikeln, kleinen Spielsachen und Süßigkeiten und brachte diese zu den Familien. Den Rest – unter anderem Shampoo, Duschgel und Babycreme – wurde an die Tafel gegeben.

Grundschüler helfen mit

„Auch in diesem Jahr habe ich wieder eine Spende bekommen“, berichtet Lütz. Hinzu kamen Spielsachen, und die Pfarrei beteiligt sich erstmals mit Schoko-Nikoläusen – natürlich mit Bischofsmütze. Die Tüten für rund 100 Kinder in 65 Familien wurden rechtzeitig zu Weihnachten ausgefahren. Was übrig ist, wird erneut der Tafel gespendet. In den Tüten ist – wichtig gerade in der Corona-Zeit – auch Handdesinfektionsmittel, fügt Lütz hinzu.

Dem Bedarf kommt auch eine Kleiderkammer der katholischen Pfarrei entgegen, die im kommenden Jahr in Reipoltkirchen neu eröffnen soll. Sie befindet sich im ehemaligen Pfarrhaus und wird vom Bürgerbus nach dessen Corona-Pause angesteuert, heißt es im Gemeindebrief. Auch Inge Lütz erhält regelmäßig Kleiderspenden zum Weitergeben. „Das ist eine sehr sensible Sache“, weiß sie. Abholer wollen nicht gerne gesehen werden. Doch die Sachen werden gebraucht.

Wunschbaum der IG

Auch die Kinder der Grundschule in Wolfstein haben ein Herz für Altersgenossen, denen es finanziell nicht so gut geht. „Wir packen schon seit zehn Jahren Päckchen für die Kinder der Lauterecker Tafel“, berichtet Schulleiterin Birgit Gehm-Schmitt. Die Kinder haben mit Begeisterung 60 Päckchen mit Bastelsachen, Stiften, kleinen Spielzeugen, Süßigkeiten oder auch Pflegemitteln gepackt, schildert sie. „Wegen Corona sind es seit zwei Jahren nur neue Sachen. Die Eltern sind sehr spendierfreudig“, freut sie sich. Denn Schenken sei genauso schön wie beschenkt werden. Das lässt sich an den strahlenden Kinderaugen ablesen, wenn sie die Päckchen stolz übergeben.

Für die Kinder der Kuseler Tafel hatte auch die Interessengemeinschaft Kusel wieder eine „Wunschbaumaktion“ gestartet. Passanten konnten dabei Wünsche von Kindern der Tafel-Bezieher nach Spielsachen oder warmer Kleidung erfüllen. Unlängst hatte auch die katholische Pfarrei in Kusel zur Unterstützung der Tafel aufgerufen. Dort wurden vor allem Toilettenartikel gesammelt.

98 Geschenktüten hat der kahtolische Pfarreirat für Bedürftige gepackt.
98 Geschenktüten hat der kahtolische Pfarreirat für Bedürftige gepackt.
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