Brücken RHEINPFALZ Plus Artikel Hausarztpraxis Evenschor schließt: Zukunft der medizinischen Versorgung in Brücken ungewiss

Beate und Stephan Evenschor geben ihre Praxis in Brücken nach 36 Jahren auf.
Beate und Stephan Evenschor geben ihre Praxis in Brücken nach 36 Jahren auf.

In Brücken geht eine Ära zu Ende: Ende März gehen die Hausärzte Beate und Stephan Evenschor in Ruhestand. Einen Praxis-Nachfolger haben sie nicht finden können.

Stephan Evenschor hat schon vor einem Jahr das gesetzliche Rentenalter erreicht, mit 67 Jahren ist jetzt endgültig Schluss. Seine Frau hätte noch zwei Jahre Zeit bis zur Rente, „aber allein ist die Gemeinschaftspraxis nicht zu stemmen“, sagt sie. Seit 36 Jahren behandeln die beiden Allgemeinmediziner Patienten in Brücken, die Praxis selbst gibt es allerdings schon seit 1961. „Wir haben sie von meinem Schwiegervater übernommen“, der selbst 28 Jahre lang in Brücken praktiziert habe, erzählt Beate Evenschor.

Dass Ende März Schluss sein wird, darüber haben sie die Patienten vor einem halben Jahr informiert. Sie können nach Terminvereinbarung ihre Unterlagen abholen, damit der künftige Arzt über ihr Krankheitsbild informiert sein wird. Die beiden Mitarbeiterinnen der Praxis hätten bereits eine neue Stelle gefunden, „zuverlässige medizinische Fachkräfte sind begehrt und rar“, sagt Beate Evenschor.

9,5 Hausarztstellen im Kreis nicht besetzt

Das Ärzteehepaar hat nach eigenen Angaben alles versucht, um einen Nachfolger für die Praxis in Brücken zu finden. Es habe auch Vorstellungsgespräche mit Bewerberinnen gegeben, aber unterm Strich ohne Erfolg. „Wir Hausärzte sind wie Dinosaurier, wir sterben wahrscheinlich aus“, sagen Beate und Stephan Evenschor. Allein im Landkreis Kusel seien derzeit 9,5 Hausarztstellen nicht besetzt.

Junge Leute seien immer weniger bereit, sich als Hausärzte vollumfänglich auf die Versorgung von Patienten einzulassen, zu sehen, wie sie aufwachsen und älter werden, und für sie Verantwortung zu übernehmen. Zumal die Vergütung in keinem Verhältnis stehe zu Arbeitsaufwand und Belastung. Und die „Gängelei durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen“ trage auch nicht dazu bei, Hausärzte zu finden, so das Ärzteehepaar – schon gar nicht auf dem Land, denn „die jungen Leute wollen in die Stadt“, dort oft lieber als angestellte Ärzte arbeiten und womöglich in Teilzeit arbeiten.

Der Gemeinde Brücken werden Beate und Stephan Evenschor nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben treu bleiben. „Hier ist die Welt noch in Ordnung, es ist ein beschauliches Örtchen mit einer wunderschönen Natur“, sagen die beiden. Der Langeweile werden sie auch im Ruhestand keine Chance geben. Sie wollen sportlich aktiv bleiben, sagen die Golfspieler. Da ist der große Garten – „ich arbeite zwangsweise mit“, scherzt der Ehemann. Und sie wollen häufiger ihre vier Enkel besuchen, die über den Norden und Süden der Republik verteilt sind. Auch für Hobbys wie Lesen oder den Besuch von Kulturveranstaltungen sei bald mehr Zeit.

Gemeinde hofft auf MVZ

Mit der Schließung der Gemeinschaftspraxis Evenschor verliert Brücken ab April die hausärztliche Versorgung. Umso mehr hofft Ortsbürgermeister Johannes Huber auf die Realisierung eines Projekts in der Dorfmitte: Dort wird ein früheres Geschäftshaus umgebaut, das unter anderem als Medizinisches Versorgungszentrum oder Ärztehaus auch Arztpraxen aufnehmen soll. So jedenfalls hieß es bei der Vorstellung des Projekts im August 2023. Huber bestätigt, dass die Pläne noch aktuell sind, „es sind nach wie vor Praxisräume vorgesehen“, sagt er. Gespräche mit Interessenten habe es bereits gegeben.

Stephan Evenschor sieht in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das auch Patienten aus den umliegenden Gemeinden anspricht, durchaus einen zukunftsfähigen Ersatz für das „Auslaufmodell Hausarztpraxis“. Aber auch dafür brauche man Ärzte – mindestens zwei sind für die Gründung eines MVZ vorgeschrieben. Tatsächlich benötige man aber eher vier Mediziner, weil nicht jeder in Vollzeit arbeiten wolle.

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