Kusel Hätten Sie’s gewusst? Neuer Westrichkalender birgt Überraschendes

Mächtig was los in der Kreis- und Stadtbücherei Kusel bei der Vorstellung des neuen Westrichkalenders.
Mächtig was los in der Kreis- und Stadtbücherei Kusel bei der Vorstellung des neuen Westrichkalenders.

Ein Wälzer wie die Merkel-Memoiren, die die Sachbuch-Charts anführen, ist der Westrichkalender 2025 nicht. Doch auf immerhin 256 Seiten umfasst der Almanach eine gelungene Sammlung von Beiträgen zu Geschichte, Natur und Umwelt, Land und Leuten der Region.

Zur Vorstellung des neuen Kalenders hat der Landkreis Kusel als Herausgeber diesmal in die Kreis- und Stadtbücherei in Kusel geladen. Neben Autoren und Kommunalpolitikern fanden sich am Dienstag auch weitere an der Regionalgeschichte Interessierte ein, denen Schriftleiter Jan Fickert einen Überblick über die verschiedenen Texte präsentierte.

Fußball begegnet zunächst Skepsis

Das Schwerpunktthema des Jahresbandes ist dem Sport gewidmet. Illustriert ist das Kalendarium passend mit Fotos von Sportszenen, die von dem Fotografen und passionierten Läufer Eric Sayer stammen. Im Mittelpunkt stehen dabei keineswegs Medaillen, Bestzeiten oder sonstige Rekorde für sportliche Spitzenleistungen. Vielmehr werden ganz unterschiedliche Sportdisziplinen, die zu Wasser, Lande und Luft ausgeübt werden, in ihren Anfängen und heutigen Angeboten beleuchtet. Dabei bleiben auch für die Westpfalz exotische Sportarten im Blick, wie sie etwa der Eisstockclub Lauterecken seit 1981 betreibt.

Den Anspruch, dass Fußball im Kuseler Land erfunden worden sei, verficht der Regionalhistoriker Markus Bauer (Brücken) nicht, wenn er in seinem fundierten Beitrag die Anfangszeit des Fußballspielens in der Region nachzeichnet. Die ersten Klubs entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts an englischen Universitäten. Nach der Jahrhundertwende fasste der neue Ballsport in Lauterecken Fuß mit der Gründung des 1. Fußballklubs Lauterecken 1910. Eine erste Welle von Vereinsgründungen erfuhr das Gebiet des heutigen Kreises Kusel ab 1919. Doch es gab auch Bedenken und Gegenwind, denn neben den französischen Besatzungsstellen standen Kultusbehörden der Neuerung skeptisch gegenüber, wie Bauer darlegt. Und er erinnert auch daran, dass in der Weimarer Republik das Vereinswesen sehr ausdifferenziert war, bestanden doch neben bürgerlichen Vereinen auch Arbeitersportvereine sowie konfessionell gebundene Sportvereinigungen.

Otto Feicks Welterfindung

In die Gegenwart führt ein Beitrag von Christian Dingert. Der Schiedsrichter, der in Diensten des Landkreises steht, reflektiert seine Karriere als Unparteiischer, die von seinem ersten Pflichtspiel 1997 zwischen Herchweiler und Quirnbach über Begegnungen in der Landesliga bis hin zu nationalen und internationalen Spielen reicht, die er als DFB- und Fifa-Schiedsrichter leitete.

Zu den sogenannten Randsportarten kann gewiss auch das Rhönrad-Turnen gerechnet werden, dessen Entwicklung Gerd Häßel in seinem mit Dokumenten und Fotos reich illustrierten Beitrag nachzeichnet. Geht das Rhönrad, das 100 Jahre alt wird, doch auf den in Reichenbach-Steegen geborenen Otto Feick (1890-1959) zurück. Der gelernte Schlosser, Eisenbahner und Gewerkschafter meldete 1925 sein aus zwei verbundenen Reifen bestehendes Turnrad – „Reifen-, Turn- und Sportgerät“ – zum Patent an. Dass in dieser seltenen Sportart gar einmal Weltmeisterschaften ausgetragen werden, in diesem Jahr im niederländischen Almere, daran hat Feick wohl nicht gedacht.

Olympiagold für Lauterecken

Jochen Körbel erinnert am Beispiel des Radfahrvereins Blitz aus Hohenöllen an die vor rund 100 Jahren populäre Tradition des Radwanderns. Und überraschend weist er nach, dass zwei Frauen bei der Gründung des Hohenöllener Vereins 1921 mit von der Partie waren.

Einem besonderen Champion mit Wurzeln in der Westpfalz spürt Jan Fickert nach. Sein Beitrag skizziert Werdegang und familiäre Bindungen von Albert Jung (1877-1940) aus Lauterecken, der mit seiner Familie etwa 1882/83 nach Amerika auswanderte. Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis (US-Staat Missouri) errang der Boxer die erstmals im Weltergewicht vergebene Goldmedaille.

Mehr als Sport

Anhand von Protokollen, die für die Zeit von 1858 und 1938 vorliegen, gibt Werner Mohrbach Einblick in die Geschichte der Bade-Gesellschaft in Glan-Münchweiler. Bei deren Gründung auf Anregung der Regierung standen gesundheitliche Motive Pate, wie sich aus den Archivalien ergibt. Mit dem Bau eines Badehauses am Glan und dem Gebrauch „kalter Bäder“ sollte vielen Krankheiten vorgebeugt werden. Zu den Gründern gehörten mit Pfarrern, Ärzten, Apothekern, Lehrern und Ökonomen die Honoratioren aus Glan-Münchweiler und Nachbardörfern. In weiteren Beiträgen werden der SV Hinzweiler, die DLRG-Gruppen im Landkreis, der Flugsportverein Kusel/Langenbach, der Tennissport, das Laufen und die Angelsportvereine vorgestellt.

Abseits des Sportthemas enthält der Westrichkalender auch historische und naturkundliche Beiträge sowie Gedichte, Lieder und Erzählungen. Biografische Würdigungen erinnern an das Lebenswerk des Lehrers und Chronisten des Wandermusikantentums, Paul Engel (1932-2024), des Musikers Paul Christoffel (1931-2016) und des Breitenbachers Günter Schneider (1933-2020), der am Aufbau des Bergmannsbauern-Museum und der Christlichen Pfadfinderschaft maßgeblich mitgewirkt hat.

Info

Der Westrichkalender 2025 kostet sieben Euro. Er ist im Bürgerbüro der Kreisverwaltung, bei der Tourist-Info „Hin & Weg“ am Bahnhof Kusel und im Buchhandel erhältlich.

x