Hinzweiler
Gelungene Wiederauferstehung: „Technology“ nach 25 Jahren wieder in der Königslandhalle
Googelt man den Namen „Hinzweiler“, erscheinen Bilder eines kleinen, ruhigen und friedlichen Örtchens, mitten im Pfälzer Bergland gelegen – im Landkreis Kusel. Hier eine Kirche, dort ein schmales Rinnsal und dort drüben ein Schützenverein. Die Gebäude leicht marode. Und ab 22 Uhr sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“.
Doch nicht an diesem Samstagabend. Aus der Königslandhalle im Zentrum des verschlafenen Dörfchens dringt Musik durch die kalte Märzluft. Man hört sie schon aus der Ferne; drumherum ist alles still. Wild rotierende Electro-Rhythmen bringen das Wohngebiet zum Beben. Und je näher man der Königslandhalle kommt, desto lauter pumpen die „Technology“-Bässe durch die Straßen. Die Halle wird an diesem Abend zum Mekka für alle technoverliebten Gemeindemitglieder – junge und alte, solche, die noch hier leben und solche, die von auswärts kommen.
200 Gäste um Mitternacht
Zugegeben: Die Anfahrt zur Königslandhalle ist schon eine kleine Odyssee. Denn die bei Google markierte Adresse stimmt mit dem tatsächlichen Standort der Halle nicht überein: Die Königslandhalle steht nämlich „In der Au“ und nicht am Mühlberg 21. „Einige Gäste, die mit ihren Campingwägen angefahren kamen, haben uns auch angerufen, weil sie sich verfahren hatten“, bestätigt Co-Organisator Thorsten Schmitt auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Er hat den Abend zusammen mit Michael Bohnert organisiert. Beide sind dennoch sichtlich stolz auf das gelungene Rave-Klassentreffen in Hinzweiler. Und was die Anfahrt angeht: Ab 22 Uhr muss man nur den eigenen Ohren folgen.
Um Punkt 21 Uhr stehen bereits die ersten Partygäste parat. Und mit jeder Minute werden es mehr. Um Mitternacht ist die Anzahl der Menschen, die der Musik ihrer Jugend frönen wollen, schon auf knapp 200 angewachsen. „Damals, zu den Anfängen der ,Technology’ waren es natürlich etwas mehr Leute“, erinnert sich Schmitt, der an diesem Abend – wie früher – auch selbst Musik auflegt. „Aber dafür, dass es diese Party nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder gibt, sind wir sehr zufrieden“, bestätigt sein Kollege Michael Bohnert.
„Friedlich, wie wir es kennen“
Die „Technology“-Party in Hinzweiler war einst eine beliebte Tradition im Ort. „Viele, die in unserem Alter sind und die Original-Partys miterlebt hatten, sind aus sentimentalen Gründen hierhergekommen und haben ihre Kinder gleich mitgebracht“, erzählt Bohnert. Und von den damaligen Dorfjugendlichen, die die Techno-Party im Vereinsheim überhaupt erst in Gang gesetzt haben, sind bei der Jubiläumsausgabe nahezu alle wieder dabei – bis auf einen, der krankheitsbedingt ausgefallen ist. „Die arme Sau“, grüßt Thorsten Schmitt.
Einige schlaflose Nächte „und Gedanken, ob das überhaupt was wird“, haben die beiden Organisatoren hinter sich. Aber an dem Abend selbst läuft alles bestens: keine Eskalation, keine wütenden Anwohner – „alles friedlich, so wie wir es kennen“, sagt der Veranstalter. Und die Stimmung hätte für das Team nicht besser sein können: „Alle sind begeistert und haben uns immer wieder ihren Dank ausgesprochen“, berichtet Schmitt.
Zwischen Nebel und Laserlichtern
Die Stimmung im Inneren der Halle ist tatsächlich bombig. Auf der Tanzfläche lassen sich die eine Hälfte der Gäste von den Technobeats, die DJ Rodriguez via Nadel, Rädchen und Knöpfen durch den Raum jagt, treiben. Sie bewegen sich wie einst in ihrer Jugend zur Musik, lassen sich von der Atmosphäre zwischen dichtem Nebel und gleißenden Laserlichtern einnehmen und haben sichtlich Spaß. Die andere Hälfte der Gäste steht entspannt an den Seiten und an der Theke, plaudert und tauscht Erinnerungen aus. Und durch einen Vorhang geht es von der großen Halle zur etwas ruhigen Bar, wo sich die restlichen Gäste bei Shots unterhalten.
„Es ist einfach nur großartig, was Thorsten und Michael hier mit ihrem Team auf die Beine gestellt haben“, schwärmt eine Dame, die namentlich nicht genannt werden will, von der Veranstaltung. „Ich habe solche Partys im Ort sehr vermisst und würde mir wünschen, dass die Jungs die Reihe neu auflegen. Aber ich weiß natürlich auch, dass alle ihren Berufen und Familien nachgehen und dass das wohl nie passieren wird. Umso mehr genieße ich diesen Abend und erinnere mich zurück. Die ,Technology’ wird für immer Kult bleiben!“