Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Ganze Kraft für halbe Gaststätten – wie die Wirte in den Corona-Herbst gehen

Oliver Jakob vor der Tafel, mit den Corona-Regeln.
Oliver Jakob vor der Tafel, mit den Corona-Regeln.

Gastwirte im Landkreis blicken mit gemischten Gefühlen in den Herbst und den Winter. Außenbereiche können nicht mehr genutzt werden. Im Hinblick auf die Corona-Auflagen ist das vor allem für kleine Restaurants und Cafés eine Herausforderung, die sie mit Optimismus angehen.

Das Café zur Scheune in Rehweiler hat 32 Sitzplätze, die nur etwa zur Hälfte genutzt werden können. Laut Inhaberin Gerlinde Schneider ist das nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten schwierig: „Das sorgt auch für Unmut bei den Gästen. Sie können sich nicht einfach an ihren Lieblingstisch setzen, sondern bekommen von uns einen Platz zugewiesen.“ Spontanbesucher müssten auch damit rechnen, abgewiesen zu werden, weil es keine freien Plätze mehr gebe.

Ähnlich sieht das Oliver Jakob, Inhaber von „Pfälzer Hof“ und Pizzeria Firenze in Lauterecken. Für die Gastronomie sei der Wechsel von Sommer- auf Wintersaison sowieso immer eine Umstellung, aber die Pandemie sorge für zusätzlichen Aufwand. „Die Corona-Auflagen machen viel Organisation und Überzeugungsarbeit beim Gast nötig“, sagt Jakob.

Reservierungen wichtig

Als Gastronom sei man auf die Mitarbeit der Gäste angewiesen. So seien Reservierungen noch wichtiger für die Planung. Im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft zeigt sich Jakob optimistisch: „Die größeren Betriebsfeiern werden wegfallen, aber dafür werden vermutlich mehr Kleingruppen und Familien essen gehen.“

Hartmut Christoffel vom Landgasthof Bauernstube in Matzenbach erklärt, dass das Hauptproblem nicht unbedingt die gesperrten Tische seien. Auch die nutzbaren Tische könnten nicht immer mit der maximal möglichen Personenzahl besetzt werden – wenn beispielsweise nur zwei Personen an einem Tisch säßen, der für vier vorgesehen sei.

Weihnachtsgeschäft planen

Dies wirkt sich auf Christoffels Planungen für die Weihnachtszeit aus: „Wir werden vermutlich Gästen, die nach einer bestimmten Frist absagen oder mit weniger Personen kommen als angegeben, das Essen in Rechnung stellen müssen.“ Anders sei die Planung und Organisation des Weihnachtsgeschäfts nicht machbar.

Auch die Weiherhütte in Langenbach muss im Innenraum auf zwölf bis 16 der insgesamt 50 bis 60 Sitzplätze verzichten. Dennoch äußert sich Inhaber Daniel Schmitt zuversichtlich: „Wir sind jetzt schon im voraus für die nächsten Wochen ausgebucht.“ Auch die Sommersaison verlief laut Schmitt sehr gut. Deswegen freue er sich nun auf eine etwas ruhigere Phase.

Durchgehend warme Küche

Beheizte Außenbereiche kommen aus Kostengründen für die befragten Gastronomen nicht in Frage. Auch geänderten Öffnungszeiten oder Schichtbetrieb sehen die Wirte kritisch. Mit Ausnahme des Landguts Jungfleisch in Schönenberg-Kübelberg. Geschäftsführer und Koch Mark Jungfleisch bietet seit der Wiedereröffnung an den Wochenenden durchgehend warme Küche an. Das habe den Vorteil, abgewiesene Spontanbesucher auf andere Uhrzeiten verweisen zu können. Auch für Weihnachten kämen schon die ersten Anfragen.

Da im Innenraum nur etwa die Hälfte der sonstigen Kapazität von 85 Sitzplätzen genutzt werden könne, soll ein Schichtsystem den Platzmangel kompensieren. Die Gäste könnten für vier verschiedene Essenszeiträume Tische reservieren. Zwischen den einzelnen Schichten gebe es Pausen, um zu lüften und zu desinfizieren.

x