Kreis Kusel Gänsehaut ist programmiert

Einfach traumhaft: Singen im Licht der Taschenlampen vor der Silhouette von Burg Lichtenberg.

Eine kleine Bühne, keine Beleuchtung und viele Stimmen: Musikantenlandpreisträger Martin Folz lud für Samstag zu einen Taschenlampenkonzert auf die Burg Lichtenberg und viele kamen. Es wurde aus der Mundorgel gesungen, bis es dunkel wurde. Die einzige Beleuchtung waren Taschenlampen, mit denen die Sänger Texte und Noten entziffern konnten. Aufgrund der einzigartigen Atmosphäre waren alle hellauf begeistert.

Mit seinem Projekt „Freak out and sing along“ möchte der Musikantenlandpreisträger das Singen in die Gesellschaft zurückbringen. Singen sei die unmittelbarste Art des Musizierens und jeder könne – mehr oder weniger gut – singen. Zudem möchte Folz mit seinem Projekt den Geist der Wandermusikanten erhalten, die ebenfalls umherzogen und Musik machten – wie auch er in verschiedenen Orten singt. Da die Musik „immer elitärer“ geworden sei, bietet der Musiker dabei allen die Möglichkeit, zu singen. Auch mal falsche Töne. Die Idee für ein Taschenlampenkonzert stammt nicht von dem Dirigenten Folz, sondern von seiner Frau. Er war von der Idee aber direkt begeistert. Es müsse nicht alles immer pompös inszeniert sein. So wurde auf kleiner Bühne, ohne Beleuchtung und ohne viel Aufwand sowie Geld gesungen – auch der Eintritt war frei. „Einfach abends zusammensitzen und gemeinsam singen“, beschreibt Folz die Intention des Konzertes. Gesungen wurden Lieder aus der Mundorgel. Diese enthält christliche und volkstümliche Lieder, aber auch moderne Songs und Schlager – perfekt für die Sänger verschiedener Altersgruppen auf der Burg. Als es los ging, war es noch hell. „Ein schöneres Ambiente kann ich mir nicht vorstellen“, kommentierte Folz. Erwartungsvoll versammelten sich die vielen Sänger. Folz legte dann mit seinem Akkordeon los. Begleitet wurde er von Matthias Stoffel (Trommel). Der Kanon „Viva la musica“ war das erste Lied des Abends. Zu Beginn waren die Sänger noch etwas zurückhaltend, jedoch motivierte Folz mit seiner euphorischen Art alle schnell zum lautstarken Mitsingen und es gelang dabei ein dreistimmiger Kanon. Folz bezeichnet von Anfang an die erste Gruppe als Genuss-Gruppe, da diese reichlich Wein trank und von Anfang an guter Laune war. Dies griff der humorvolle Musiker immer wieder auf. Doch trotz allem bestand Folz auch darauf, dass richtige Töne gesungen wurden, sonst würden die Kanons nicht gut klingen, betonte er. Auch unbekanntere Lieder brachte er allen spontan bei und gab sich erst zufrieden, als die Sänger sie mehr oder weniger konnten. Schnell wurde es dunkel auf der Burg und die ersten Taschenlampen wurden gezückt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Die vielen Lichter schufen mit der Burg im Hintergrund eine besondere Stimmung. Manche Klassiker bekamen einen neuen Anstrich verpasst. „Hoch auf dem gelben Wagen“ wurde etwa als Reggae gespielt. Bei dem Lied tat sich wieder die Genuss-Ecke hervor: Beim Refrain bauten sie nach der Phrase „der Wagen rollt“, „zieh die Brems`“ ein. Folz zeigte sich begeistert und sang dies sofort mit. „In Kusel erlebt man was“, scherzte er. Es folgten bekannte Schlager wie „Heute hier, morgen dort“ sowie „Sag mir, wo die Blumen sind“. Sogar Simon and Garfunkel waren mit „Sound of Silence“ vertreten – der „musikalische Höhepunkt“ des Programms, sagte Folz. Gänsehaut war da programmiert. Danach wurde es feierlich: Es wurde a capella gesungen. Damit dies funktionierte, dirigierte Folz mit dem Leuchtstab einer Sängerin, damit man ihn auch sehen konnte. Auch ein „Mitmach-Lied“ war mit „Wir sind die Sternenfänger“ im Programm – und alle machten freudig mit. Mit „Nehmt Abschied Brüder“ nahm auch Folz offiziell Abschied. „Ich bin froh, dass ich das gemacht haben“, sagte er am Ende. „Wir auch“, lautete der allgemeine Tenor und Folz möchte zur Freude der Sänger das Konzert wiederholen.

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