Thallichtenberg
Funde auf Burg Lichtenberg: Zwei Blidenkugeln und eine neue Spolie
Die Spolie ist ein Stein, der von einem älteren Gebäude stammt. Sie wurde in die Laibung eines Fensters im „Rondell“ der Burg eingemauert, die den Ost- mit dem Westpalas verbindet, und misst 25 mal 20 mal 15 Zentimeter. Der Stein war früher größer, aber entweder hat sich nur ein Teil von ihm erhalten oder man hat ihn so zugehauen, dass er in die Mauer passte.
Besonders auffällig ist das Ornament des Steins: In zwei rechteckigen Vertiefungen wurde jeweils ein Stern mit vier schlanken Zacken herausgearbeitet – eine Form, die eher selten ist. Rauch war sehr überrascht, als ihm die Spolie zum ersten Mal auffiel. „Sie befindet sich an einer gut sichtbaren Stelle, an der schon Hunderte von Besuchern vorbeigegangen sind“, sagt er. Der Burgverwalter vermutet, dass sie ursprünglich zu einer Wand gehörte, die im Stil der Renaissance gestaltet war.
Bei Grabearbeiten gefunden
Die Spolie ist nicht die einzige neue Entdeckung auf der Burg. Im Graben, der für eine Stromleitung auf der Unterburg gebuddelt wurde, fanden Rauch und Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein zwei Steine, die zu Kugeln behauen waren. Die größere ovale Kugel wiegt 5,4 Kilogramm, die kleine 2,2 Kilogramm. Rauch ist sicher, dass es sich um Geschosse handelt, wie sie früher von sogenannten Bliden geschleudert wurden.
Eine Blide war das größte Geschütz im Mittelalter, das man erstmals 1147 bei der Belagerung von Lissabon einsetzte. Wahrscheinlich wurde das Gerät im byzantinischen Reich entwickelt und durch Kreuzfahrer im übrigen Europa bekanntgemacht.
Wurfarm mit Lederschlinge
Zum Aussehen und zur Funktion der Blide gibt es Bilder aus dem Mittelalter, die auch zur Vorlage von Rekonstruktionen wurden. Das Gerät besteht aus Balken, die zu zwei dreieckigen Gestellen zusammengefügt wurden. Ihre Spitzen verband eine eiserne Achse. An ihr war eine bis zu 20 Meter lange Stange befestigt, die als Hebel diente. Der wesentlich längere Wurfarm endete mit einer Lederschlinge, in der sich die Kugel befand. Auf der anderen Seite diente eine mit Steinen gefüllte Kiste als Gegengewicht. Wenn der gespannte Wurfarm gelöst wurde, schnellte er nach oben. Die Schlinge löste sich und die Kugeln wurden mit großer Geschwindigkeit mehrere Hundert Meter weit geschleudert. Sie konnten an den Befestigungsanlagen oder den Gebäuden in der Burg erhebliche Schäden anrichten.
Vergleichbare Steinkugeln hat der Heimatverein Burg Lichtenberg auch im gesprengten Turm gefunden. Eine von ihnen ist so sorgfältig bearbeitet, dass sie wahrscheinlich bereits als Geschoss für eine Kanone, ein Steinbüchse, diente.
Gut gerüstet zur Verteidigung
Wie kommen diese Kugeln auf die Burg? Lichtenberg wurde im Laufe ihrer Geschichte wahrscheinlich nur zwei Mal belagert, aber nie erobert. Ob bei den Kämpfen zwischen den Herzögen von Pfalz-Zweibrücken und der Kurpfalz um das Veldenzer Erbe auch Lichtenberg betroffen war, ist ungewiss. Im 30-jährigen Krieg, als es 1634/35 zu Angriffen auf die Burg kam, waren Steinkugeln kaum noch in Gebrauch.
Rauch hat eine andere Erklärung. Die Kugeln stammen nicht von Angriffen, denn Bliden wurden auch zur Verteidigung genutzt und dafür war die Besatzung gut gerüstet. In einem Verzeichnis aus dem Jahr 1453 über die vorhandenen Waffen auf der Burg wird eine Steinbüchse mit 35 Kugeln aufgeführt. Vielleicht gab es vorher auch eine Blide, mit der ein Gegner abgewehrt oder abgeschreckt werden sollte.