Körborn RHEINPFALZ Plus Artikel Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel erklärt die Folgen des Klimawandels

Mit Tabellen und Schautafeln macht Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, beispielsweise das Ausmaß des Temperaturanst
Mit Tabellen und Schautafeln macht Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, beispielsweise das Ausmaß des Temperaturanstieges in den vergangenen Jahren deutlich.

Haben Bäume den Kampf gegen die Trockenheit verloren? Wie sollte der Wald der Zukunft aussehen? Mit welchen Bemühungen und Ideen treten Förster in ihren Revieren dem Klimawandel entgegen? Antworten gab Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, am Samstagmorgen in einem Waldstück bei Körborn.

Kurz nach elf Uhr: Feuerwehrsirenen im nahen Körborn heulen auf – wie in anderen Orten jedoch nur ein Sirenentest. Am Samstag auch Aufbruchsignal für den kleinen Tross, der sich gut 300 Meter hinter den letzten Häusern Körborns in Richtung Dennweiler-Frohnbach neben einem Feldweg versammelt hat. Strahlend blauer Himmel, die Sonne steht bereits im Zenit und brennt auf den asphaltierten Wirtschaftsweg. Am Horizont der Gemeindewald von Körborn am Rande der Preußischen Berge.

Bereits nach knapp 100 Metern lenkt Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel die Aufmerksamkeit auf eine kleine Enklave, eine Ansammlung ganz unterschiedlicher Baumarten, die zu einem gesunden, scheinbar klimaresistenten Wald zusammengewachsen sind. Umsäumt von starken Eichen gedeihen dort Haselnuss und Kirsche. Aber auch Birken, Buchen und einige Speierlinge sind im dichten, grünen Blätterwald zu erkennen. Der ist ohne menschliche Eingriffe natürlich gewachsen – ähnlich wie bei einem Urwald, sagt die Forstamtsleiterin.

Wirklich der Klimawandel?

Nach gut einem Kilometer erreicht die Gruppe das zu Körborn gehörende Waldstück. Auf schattigen Wegen geht es bergan. Immer wieder bleibt der Tross stehen und Forstamtsleiterin Kleinhempel nutzt die Zeit, um den Waldgängern beispielsweise Hitzeschäden an mächtigen Eschen zu zeigen, die neben majestätisch anmutenden Douglasien an tiefen Schluchten aber auch an Steilhängen stehen.

Erika Reiber, eine der Exkursionsteilnehmerinnen, fragt: „Was ist da passiert? Ist es wirklich der Klimawandel? Oder gibt es noch andere Ursachen?“ Den Eschen setzten Schädlinge wie die sogenannte Gallmilbe sowie Blattläuse zu, erklärt Kleinhempel. Ursächlich für die Schäden sei aber auch hier die Trockenheit der vergangenen Jahre, die zu einer übermäßigen Vermehrung dieser Schädlinge geführt hat.

Wassernot in Gießkannen berechnet

Die Forstamtsleiterin untermalt ihre Aussage mit einer Tabelle des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen, das in Trippstadt angesiedelt ist: Die Temperaturaufzeichnungen von 1821 bis ins Jahr 2020 zeigen einen deutlichen Temperaturanstieg in den vergangenen 20 Jahren. Kleinhempel weiter: „Der Niederschlag im letzten, nassen Sommer hat nicht ausgereicht, um die Waldböden ausreichend mit Wasser zu versorgen.“

Die Wassernot der Bäume rechnet sie in „Gießkannengröße“ vor: „Je Quadratmeter Waldboden fehlen schon heute 27 Gießkannen (à zehn Liter) Wasser.“ Zur Erinnerung: Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern. Dies im Hinterkopf, ist leicht zu errechnen, wie wahnsinnig viel Wasser gebraucht wird: Der Kreis hat insgesamt 16.500 Hektar Waldboden. Davon sind übrigens 8000 Hektar Gemeindewald und rund 3500 Hektar Staatswald, der Rest befindet sich in privater Hand.

Chancen nach Schäden

Aber nicht nur mit Tabellen und Schautafeln rückt Kleinhempel das Ökosystem Wald ins Bild. Spannend auch die forstwirtschaftlichen Maßnahmen: So erblühen im Schatten totgeglaubter Baumstümpfe mit deren Samen neue Bäume mit herrlichen Baumkronen. Und wenn besagte Stümpfe tatsächlich nur noch Totholz sind, zimmern Spechte darin ihre Bruthöhlen. Werden Fichten vom Borkenkäfer zerstörte und dann vom Forst Freiflächen geschaffenen, bietet sich dort geschützt von Holzgattern neuer Raum für die Ansiedlung von Elsbeere und klimaresistenter Weißtanne.

Nach Aussage von Kleinhempel ist gerade die Elsbeere ökologisch wertvoll. Ihr weit ausladendes, tiefgründiges Wurzelwerk lockert den Boden und festigt ihn gleichzeitig für benachbarte Baumarten – wie zum Beispiel für Eichen, Eschen und Buchen, die sich später als natürliche Verjüngung dazugesellen können.

Eichen brauchen Licht

Selbst hinter kahlen, aufgeräumten Steilhängen, wie sie Marga Angelhausen gesehen hat, stecke System, verrät die Chefin des Forstamtes Kusel: „Hier versucht unser Revierförster Werner Häußer, durch Naturverjüngung Eichen anzusiedeln. Und die brauchen zum Wachsen viel Licht.“

Kleinhempel weiß, dass die Menschen im Kuseler Land mit ihren Wäldern verbunden sind. Dass es viele Fragen gibt – die sie gerne beantwortet. Diese kleine Exkursion unter dem Motto „Unser Wald im Klimawandel“ hatte auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Kusch stattgefunden, der wegen Krankheit jedoch von seinem Mitarbeiter Daniel Fehrentz vertreten wurde.

Info

An gleicher Stelle findet eine ähnliche Wanderung mit Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel statt: am Samstag, 9. Juli, 10 bis 13 Uhr, organisiert von der Volkshochschule des Landkreises Kusel. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung unter www.kvhs-kusel.de oder telefonisch unter 06381 9175300.

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