Oberes Glantal RHEINPFALZ Plus Artikel Foodsharing: Lebensmittel verteilen statt wegwerfen

Gemüse, Backwaren, auch abgelaufene Lebensmittel und schon mal Blumen oder Weihnachtsbäume: Foodsaver (Essensretter) verteilen,
Gemüse, Backwaren, auch abgelaufene Lebensmittel und schon mal Blumen oder Weihnachtsbäume: Foodsaver (Essensretter) verteilen, was im Lebensmittelmarkt übrigbleibt.

Nicht wegwerfen, sondern weiterverteilen – so lautet die Devise beim Foodsharing, einer internationalen Initiative gegen Lebensmittelverschwendung. Seit diesem Jahr haben sich auch die Bezirke Oberes Glantal und Kusel-Altenglan dem Projekt verschrieben – und bereits einige hundert Kilogramm Lebensmittel retten können.

Das Prinzip von Foodsharing – auf Deutsch: Essen teilen – ist einfach: „Wir wollen Lebensmittel davor bewahren, in der Mülltonne zu landen“, erzählt Jessica Becker, Botschafterin der Initiative für die Bezirke Oberes Glantal und Kusel-Altenglan. Um dieses Ziel zu erreichen, kooperiert Foodsharing mit verschiedenen Betrieben. Das können Supermärkte, Bäckereien, Restaurants oder Bauernhöfe sein – alle Orte, an denen Lebensmittel verkauft oder gelagert werden. Für jeden Betrieb wird ein kleineres Team aus Helfern gebildet, das regelmäßig übrig gebliebene Lebensmittel abholt und anschließend weiterverteilt – an Freunde, Familie oder Bekannte. „Jeder von uns baut sich einen kleinen Abnehmerstamm auf“, erklärt Becker.

Achten auf Nachhaltigkeit

Sie achte darauf, dass sie die Lebensmittel an Leute weitergebe, die sie auch wirklich verbrauchen, berichtet die engagierte junge Frau. Denn: „Das Thema Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig.“ Auch der Weg zum Betrieb sollte nicht zu weit sein. „Der Weg muss sich lohnen. Die Teams sollten nicht länger als 15 Minuten brauchen“, sagt Becker.

Mitmachen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und eine Ausbildung zum Foodsaver – wörtlich übersetzt: Essensretter – absolviert hat. Dafür muss man sich in einem ersten Schritt auf der Internetseite Foodsharing.de registrieren und ein Quiz bestehen. In einem zweiten, praktischen Teil übernehmen die angehenden Foodsaver mindestens drei Einführungsabholungen, bei denen sie von erfahrenen Kollegen begleitet und beurteilt werden. „Hat alles geklappt, werden sie von uns Botschaftern verifiziert und erhalten ihren Ausweis“, erklärt Becker. Erst dann dürfen sie in kleinen Teams Lebensmittel abholen und verteilen. Im Bezirk Oberes Glantal gibt es 50 Foodsaver, in Kusel-Altenglan sind es 39. „Von 18 bis 73 Jahren – wir haben in allen Altersklassen jemanden dabei.“

350 Kilogramm gerettet

Jedoch: In beiden Bezirken gibt es bisher jeweils nur einen kooperierenden Betrieb. „Es ist nicht einfach, Partner zu finden“, berichtet Becker. Die Betriebe hätten entweder nichts zum Wegwerfen oder würden die übrig gebliebenen Lebensmittel an die Tafel spenden – was auch ganz im Sinne der Foodsaver sei. „Unser Grundsatz lautet: Die Tafel ist zuerst dran. Das ist uns sehr wichtig“, betont die Botschafterin. Zudem stünden beide Bezirke noch ganz am Anfang. Den Bezirk Oberes Glantal gibt es erst seit drei Monaten, Kusel-Altenglan seit einem halben Jahr. „Wir sind also noch ganz frisch“, resümiert Becker.

Trotzdem: Beide Bezirksgruppen hätten bereits Erfolge verzeichnet. „Die Kooperation mit den beiden Betrieben läuft sehr gut. Insgesamt haben wir bisher etwa 350 Kilogramm Lebensmittel retten können“, freut sich die Botschafterin. Im Oberen Glantal habe die Gruppe durch tägliche Abholungen innerhalb von vier Wochen ungefähr 200 Kilogramm vor der Mülltonne bewahrt. In Kusel-Altenglan wurden mit wöchentlichen Besuchen etwa 150 Kilogramm gerettet.

Fairteiler in Waldmohr geplant

„Im Moment planen wir das Aufstellen eines sogenannten Fairteilers“, berichtet Becker von den kommenden Vorhaben der Gruppe. Ein Fairteiler – ein Wortspiel aus fair und Verteiler – ist ein Ort, zu dem alle Menschen Lebensmittel bringen und kostenlos von dort mitnehmen können. Im Bezirk Oberes Glantal soll ein solcher Fairteiler in Waldmohr Platz finden – als Regal im Hof eines Foodsavers. „Täglich wird dort ein Team das Regal mit neuen Lebensmitteln befüllen und kontrollieren, ob die vorhandenen Nahrungsmittel noch in Ordnung sind“, erklärt Becker. Auf Hygiene werde dabei großen Wert gelegt: „Das Regal wird natürlich täglich gereinigt.“

Für die Zukunft wünscht sich die Foodsharing-Botschafterin, dass die Bezirke noch weiter ausgebaut werden können: „Wir wollen mehr Betriebe und Foodsaver gewinnen, damit mehr Menschen den Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegenbringen und sich gegen ihre Verschwendung einsetzen“. Das könne bereits privat im Kleinen beginnen und bestenfalls zu einem Engagement als Foodsaver führen. „Wer mitmachen möchte, kann uns einfach über Facebook oder Instagram anschreiben“, so Becker. Für Anfang des kommenden Jahres plant sie ein erstes Bezirkstreffen.

Info

Foodsharing Oberes Glantal heißt die Facebook-Seite der Gruppe, auf Instagram nennt sie sich foodsharing.vg.oberes_glantal.

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