Schönenberg-Kübelberg
Finanzielle Bildung von Kindern: Autorin und Finanzexpertin gibt Tipps für Eltern
„Über Geld spricht man nicht.“ Ein Satz, der gefühlt genau so alt wie die Menschheit selbst ist. Aber stimmt das überhaupt? „Geld ist ein ganz selbstverständlicher und neutraler Bestandteil des Alltags“, sagt Isabel Sorg. Sie muss es wissen: Die Schönenberg-Kübelbergerin ist hauptberufliche Finanzexpertin – und neuerdings auch Autorin. Zusammen mit Claudia Müller hat sie das Buch „Über Geld spricht man doch! Wie Kinder spielerisch einen guten Umgang mit Geld lernen“ geschrieben, einen Ratgeber für Erwachsene zum Thema finanzielle Bildung von Kindern.
„Es gibt einen riesigen Bedarf, gerade bei dieser Zielgruppe“, erklärt Sorg. Aus diesem Grund sei der Kösel-Verlag, der das Buch herausgibt, an ihre Mitautorin Claudia Müller herangetreten. Diese hat bereits einen Finanzratgeber für Frauen geschrieben und Sorg um Unterstützung gebeten.
Kuseler Südkreis statt Main-Metropole
Die beiden haben sich beim Auslandsstudium im kanadischen Montreal kennengelernt, seit fast genau zwei Jahren ist Müller Sorgs Chefin beim „Female Finance Forum“ – einem in Frankfurt am Main ansässigen Unternehmen, das finanzielle Bildung – besonders an Frauen – vermittelt. Sorg ist dort als Chefredakteurin und Finanzexpertin tätig.
Doch anstatt in die Main-Metropole zu ziehen oder jeden Tag die rund 150 Kilometer pro Strecke zu pendeln, kann Sorg meist von zu Hause aus arbeiten. Es sei ihr wichtig gewesen, im Kuseler Südkreis bleiben zu können, sagt sie und ergänzt: „Mein Sohn ist hier verwurzelt. Das will ich nicht leichtfertig über den Haufen werfen.“
Eineinhalb Jahre von „Schnapsidee“ bis Veröffentlichung
Zurück zum Buch: Eineinhalb Jahre sind seit der ersten „Schnapsidee“, wie Isabel Sorg lachend sagt, und der Veröffentlichung am Mittwoch vergangen. „Es ging schnell und langsam zugleich“, resümiert sie. Sorge bereitete Müller und ihr, dass es innerhalb des Buchs zu einem Bruch kommen könnte. Diese blieb allerdings unbegründet: „Für die Leserin oder den Leser ist nicht ersichtlich, was von wem geschrieben wurde. Unsere Meinungen zu dem Thema sind sehr gleich, wir mussten inhaltlich nicht viel debattieren.“
Ein großes Problem sei, dass finanzielle Bildung in der Schule kein Thema sei. „Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind die einzigen Bundesländer, in denen es auf dem Lehrplan steht“, bemängelt die Finanzexpertin. Kinder bekämen Finanzwissen maximal im Elternhaus oder im Umfeld vermittelt. „Die Kinder merken aber auch, wenn das Thema Geld zu Hause etwa zu Streit führt. Aber Geld ist weder gut noch schlecht“, betont Sorg.
„Taschengeld sollte immer bedingungslos sein“
Wichtig sei, dass Kinder früh lernen, dass Geld Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit bedeutet. Thema Taschengeld: „Taschengeld sollte immer bedingungslos sein. Streit oder schlechte Noten müssen außen vor bleiben.“ Zudem sollte es den Kindern stets zur freien Verfügung stehen. Aber, so empfiehlt die Finanzexpertin, sollte man über Budgets nachdenken. Ihr Tipp: Gläser zusammen mit den Kindern nach ihren Vorstellungen gestalten und mit dem jeweiligen Zweck beschriften. So sehen die Kinder, wie sich beispielsweise die Ersparnisse für ein Spielzeug vermehren. Entscheidend sei, diesen Vorschlag ohne Druck zu unterbreiten. „Wenn keine Bereitschaft vom Kind da ist, sollte man es lieber später noch einmal probieren“, so Isabel Sorg.
Die Schönenberg-Kübelbergerin nennt noch einen weiteren Tipp, wie man den Nachwuchs zur Mäßigung beim Geldausgeben erziehen kann: „Man kann ein wöchentliches oder monatliches Taschengeld vereinbaren und sagen, dass das, was bis zum Ende des Zeitraums nicht ausgegeben wurde, verdoppelt wird.“ Das handhabe sie mit ihrem siebenjährigen Sohn selbst so. „Das klappt bei uns gut, aber ich muss schauen, wie lange ich noch mitgehen kann“, sagt sie mit einem Lachen. Sorg betont aber auch, dass Taschengeld zu geben, keine Pflicht sei: „Das ist ein Privileg und muss natürlich machbar sein.“
Schublade im Kopf nicht vollmüllen
Isabel Sorg appelliert an Eltern, genauer darauf zu achten, was man dem Nachwuchs vorlebt: „Jeder, der mit Kindern zu tun hat, muss begreifen: Die machen eh alles nach. Man sollte immer bei sich selbst anfangen und sich fragen: ,Was vermittle ich?’“ Kinder hätten zu verschiedenen Themen eine Schublade im Kopf, so auch bei Geld, veranschaulicht Sorg. „Wir als Eltern müssen darauf achten, diese Schublade nicht vollzumüllen und den Kindern Sinnvolles mitzugeben – das ist einfacher, als jeder denkt.“