Pfeffelbach RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer unterm Schulhausdach: Wehrleute bereiten sich bei Übung auf den Ernstfall vor

Überstürztes Handeln bringt nichts: Bei der Großübung in Pfeffelbach ziehen die Kräfte erst einmal den Raumplan des Einsatzorts
Überstürztes Handeln bringt nichts: Bei der Großübung in Pfeffelbach ziehen die Kräfte erst einmal den Raumplan des Einsatzorts zu Rate.

Dichter Rauch dringt aus der Schule, Kinder sitzen in der Falle: Ebenso schnelles wie effektives Handeln ist gefragt. Leben zu retten will allerdings geübt sein. So geschehen bei einer Großübung in Pfeffelbach. Sogar Vierbeiner waren im Einsatz.

Samstagnachmittag, der Tag vor dem ersten Advent, kurz vor 15.30 Uhr. Der Himmel über Pfeffelbach ist wolkenverhangen, die engen Ortsstraßen wirken wie leergefegt. Nur gegenüber der Kirche, am Weihnachtsbaum, stehen einige Dorfbewohner in geselliger Runde beisammen. Plötzlich, schrill und ohrenbetäubend, heult die Sirene auf dem benachbarten Schulgebäude auf und durchbricht die Ruhe des Nachmittags. Aufregung aber ist fehl am Platz, denn es handelt sich „nur“ um eine großangelegte Übung.

Minuten nach der Sirene ertönt ein Martinshorn, das Signal kommt immer näher. Dann biegt ein Feuerwehrauto direkt gegenüber der kleinen Gesellschaft in die Straße hin zum Schulgebäude ein. Sofort sperren Feuerwehrleute die Zufahrt, nur noch Einsatzfahrzeuge dürfen das Gelände befahren.

Sieben Kinder im Schulhaus gefangen

Das Szenario: Es brennt in der Grundschule. Vermutet wird ein Unfall im Chemie-Saal. Ein Kind und eine Lehrerin konnten sich aus dem Gebäude retten. Die Lehrerin setzte einen Notruf ab. Sieben Kinder werden noch im Haus vermutet. Rauch kriecht durch die Ritzen der noch geschlossenen Eingangstür. Außer dem nervigen Piepsen von Rauchmeldern dringen keine Geräusche nach außen.

Die Lage ist unübersichtlich. Pascal Haupt, 29 Jahre alt und seit 16 Jahren bei der Feuerwehr Pfeffelbach, übernimmt die Einsatzleitung. Mittlerweile sind die Wehren aus Reichweiler und Thallichtenberg eingetroffen. Immer wieder durchdringen Schreie besorgter Mütter die Szenerie: „Milan, Marcel!“ Frauen flehen die Einsatzkräfte förmlich an, doch endlich in das Gebäude einzudringen, um ihre Kinder rauszuholen. Nicht wissend, dass Haupt bereits einen sogenannten Angriffstrupp, zwei Mann mit schweren Atemschutzgeräten ausgerüstet, sofort nach ihrem Eintreffen in die undurchdringlich anmutenden Rauchschwaden schickte.

Einsatzkräfte kriechen auf allen Vieren

Die Wehrleute arbeiten sich auf allen Vieren kriechend zu den Eingeschlossenen vor und stehen im ständigen Funkkontakt mit der Leitung. Jeder Feuerwehrmann, jede Feuerwehrfrau weiß, was zu tun ist. Haupt schaut immer wieder auf einen Plan des Hauses, seine Anweisungen kommen kurz und bestimmt.

Dann: Sanitäter werden zur Eingangstür beordert. Im Haus befinden sich mittlerweile mindestens sechs Einsatzkräfte. Und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, gelingt es, die Kinder ins Freie zu holen. Ein Junge muss liegend geborgen werden. Alle Geretteten werden sofort zur Sammelstelle gebracht, um dort versorgt zu werden.

Einer der Retter verliert das Bewusstsein

Gleichwohl spitzt sich die Lage zu: In den unteren Räumen verlor ein Feuerwehrmann während der Rettungsaktion das Bewusstsein. Er muss mittels eines Tragetuches über eine Treppe aus dem Haus und ebenfalls von seinen Kameraden zur Sammelstelle gebracht werden. Einsatzleiter Haupt trifft die Entscheidung, auch die Wehren aus Herchweiler, Körborn und Ruthweiler anzufordern.

Vor Einbruch der Dunkelheit eine weitere Hiobsbotschaft: Ein Kind und eine erwachsene Person haben sich unter Schock von der Sammelstelle entfernt und gelten seither als vermisst. Ohne zu zögern, fordert Einsatzleiter Haupt die Hundestaffel der DLRG Altenglan an. Wenig später werden die beiden Vermissten von den Hunden gefunden. Endlich, um 18.10 Uhr, die erlösende Meldung von Einsatzleiter Pascal Haupt: Feuer aus. Die Großübung ist beendet.

Reichlich Lob bei Manöverkritik

Stefan Kühn, Oberbrandmeister bei der Altenglaner Wehr, hat den Einsatz als Beobachter kritisch begleitet. Er attestiert wenig später im Mannschaftsraum allen Teilnehmern gute Leistungen. Kühn macht auch Optimierungsvorschläge. Voll des Lobes, insbesondere für Pascal Haupt, zeigt sich Pfeffelbachs Wehrführer Ingo Heinz. Für den 29-Jährigen war es gleichzeitig eine weitere Prüfung auf dem Weg hin zum Brandmeister.

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