Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer auf einem Firmengelände: Junge Wehrleute proben den Ernstfall

Nach einigen Minuten sind keine hohen Flammen, sondern nur noch Glutnester zu sehen.
Nach einigen Minuten sind keine hohen Flammen, sondern nur noch Glutnester zu sehen.

Ein Feuer beim Entsorgungsbetrieb Zahn, zwei bewusstlose Personen nahe des Brandherdes. Alle Hände voll zu tun für die Feuerwehr. Nur: Diesmal waren Aktive der Wehr in Lauterecken für die Flammen verantwortlich – als Teil einer 24-Stunden-Übung für den Nachwuchs.

Janusz-Korczak-Schule, 22.03 Uhr: 22 Kinder und Jugendliche der Jugendfeuerwehr Lauterecken haben bereits einen harten Tag in den Knochen. Den ganzen Tag haben die Zehn- bis 15-Jährigen verschiedene Einsatzszenarien geübt, gemeinsam gespielt, gekocht und gegessen. Im Moto-Raum der Schule stehen die Feldbetten bereits für den wohlverdienten Schlaf bereit. Melina, seit viereinhalb Jahren bei der Jugendfeuerwehr aktiv, und ihre Freundin Vivien, sie ist seit dreieinhalb Jahren dabei, berichten von einem schönen, wenn auch anstrengenden Tag und einer tollen Gemeinschaft, als plötzlich der Alarm losgeht.

Blitzschnell springen die Kinder von den Betten. Ab in die Umkleide. In gekonnten Bewegungen schlüpfen sie in die orange-blaue Einsatzkleidung, Handschuhe und Helm werden gegriffen, dann geht’s zu den vier Einsatzfahrzeugen. „Los, schnell, das ist ein Einsatz“, werden die Kameraden zur Eile aufgerufen. Die Aufregung ist groß: Denn auf ihren Piepsern wird ein Brand gemeldet. Ein echtes Feuer? Was brennt? Eine Fläche, ein Gebäude?

Klare Kommandos

22.10 Uhr: Die Kolonne fährt durch die Stadt. Über Funk erreichen die Einsatzkräfte weitere Informationen. Im Einsatzwagen ist es still. Keiner spricht. Von der Saarbrücker Straße aus sind Flammen zu sehen. „Das ist selbstgemacht“, erkennt Nils sofort. Dennoch sind einige Kinder und Jugendliche aufgeregt – sie haben noch nie einen größeren Brand gelöscht. In Höhe der Firma Cellpack wird das Blaulicht eingeschaltet.

Die Nachwuchswehrleute müssen einen Brand einem Firmengelände bekämpfen.
Die Nachwuchswehrleute müssen einen Brand einem Firmengelände bekämpfen.

Nach und nach trudeln weitere Infos ein. Unter anderem, dass sich eines der Mädchen unmittelbar nach der Alarmierung leicht an der Hand verletzt hat. Sie ist tapfer, fährt mit zum Brandort und wird an der Einsatzstelle verarztet. Ihre Kameraden machen sich, beim Entsorgungsbetrieb Zahn angekommen, ein Bild von der Lage und bereiten das Löschen des Brandes vor: Ein Trupp leuchtet den Einsatzort aus, ein anderer rollt Schläuche aus und kümmert sich um die Wasserversorgung.

Unter Beobachtung

Jeder hat seine Aufgabe, weiß, was zu tun ist. Es gibt klare Kommandos. „Wasser marsch.“ Ein Zischen ist zu hören, als das Wasser auf die Flammen trifft. Der Brand ist schnell gelöscht. Nahe des Brandherdes liegen zwei Bewusstlose – auch sie werden zügig in Sicherheit gebracht. Dann stehen die Nachlöscharbeiten an. Die jungen Einsatzkräfte suchen nach möglichen Glutnestern. Eine Wärmebildkamera kommt zum Einsatz.

Die Nachwuchswehrleute haben Zuschauer, oder eher kritische Beobachter. Darunter sind auch der Lauterecker Wehrführer Maximilian Fritz und dessen Stellvertreter Florian Stude. Sie schauen genau hin, ob die Kinder und Jugendlichen das Gelernte richtig umsetzen. Beide nicken. Daumen hoch. Wenig später ist der Einsatz abgeschlossen und die Kinder und Jugendlichen haben Feierabend.

Derzeit 31 Nachwuchskräfte

Fritz und Stude betonen, wie wichtig solche Aktionen sind, mit denen der Nachwuchs spielerisch gefördert und die Arbeit der Wehr beworben wird. Das Konzept scheint aufzugehen: Die 1968 gegründete Jugendfeuerwehr – die zweitälteste in Rheinland-Pfalz – habe keine Nachwuchssorgen. Viele bleiben aktiv, in Lauterecken sowie in den umliegenden Gemeinden. „Wer in der Jugendfeuerwehr war, bringt schon viel Wissen mit“, erklärt Fritz.

Die Übung fand auf dem Gelände der Firma Zahn statt.
Die Übung fand auf dem Gelände der Firma Zahn statt.

Aktuell gehören der Jugendfeuerwehr 31 Kinder an, rund ein Drittel davon sind Mädchen. Viele bleiben am Ball, berichtet Jugendwart Felix Leppla. Das Einzugsgebiet reiche von Homberg bis Eßweiler. Dieses Jahr habe es über die Grumbacher Bambini-Gruppe zehn Neuzugänge gegeben. Durchschnittlich wechseln zwei bis drei Jugendliche pro Jahr zu den Aktiven. Mittlerweile sei etwa die Hälfte der rund 65 Aktiven – das Durchschnittsalter liegt bei 31 – zuvor bei der Jugendfeuerwehr gewesen. Die Unterstützung durch den Träger – die Verbandsgemeinde – sei sehr gut: So werde beispielsweise die neunteilige Basisausrüstung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Beim Zündeln entdeckt

Der Brand auf dem Gelände des Entsorgungsbetriebs ist Teil einer 24-Stunden-Übung, die am nächsten Morgen weitergeht. Nach dem Frühsport beteiligen sich die Jungen und Mädchen an einer Personensuche und sie leisten einer unter einem Auto eingeklemmten Person nahe Buborn Hilfe. Dann rückt nochmal das Thema Feuer in den Mittelpunkt, allerdings nicht bei einem Einsatz. Zum Abschluss der Übung wird gemeinsam gegrillt.

Mehrere Wochen lang hatten Leppla und sein Team die Übung vorbereitet. Ein Aufwand, der sich auszahle, ist der Jugendwart überzeugt. Es gebe aber auch Dinge, die trotz intensiver Planung nicht zu verhindern seien: etwa die vielen Notrufe, die bei der Leitstelle eingegangen sind, oder Anrufer, die die Familie Zahn über den Brand auf deren Firmengelände informieren. Und auch die Brandstifter von der Feuerwehr seien überrascht worden. Autofahrer hatten die Aktiven von der Saarbrücker Straße aus beim Zündeln entdeckt. Vom Parkplatz aus schalteten sie das Fernlicht ein, vermutlich um die „Täter“ zur Flucht zu bewegen. Leppla bewertet dies positiv: „Auf dem Land schaut keiner einfach weg.“

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