Wochenendkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Feiertage nach Verlust oder ohne Familie: An Weihnachten kann es schmerzhaft still sein

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Wenn ein Platz leer bleibt und die Soße niemand kritisiert: Über Verlust, Mut, Familienbesuche – und warum Einsamkeit krank machen kann. Mit Leseraufruf.

Na, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon alle Geschenke zusammen? Ist ja heute nicht mehr so einfach, das passende Geschenk zu finden. Das haben wir diese Woche bei einer Umfrage unter Teenagern erfahren. Fast alle von ihnen haben irgendwann mal gestrickte Socken geschenkt bekommen – und sich nicht darüber gefreut. Dabei ist das doch für viele Großeltern ein sehr persönliches Geschenk: Denn nicht selten strickt die Oma selbst, gibt sich dabei viel Mühe. Doch das Herzblut wird meistens nicht gewürdigt, wie sich gezeigt hat. Mit zunehmendem Alter werden gestrickte Socken dann wieder cooler – aber auch seltener, weil dann die strickwütige Großmutter nicht mehr da ist ...

Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, dann sind die Weihnachtsfeiertage immer besonders hart. Schließlich bleibt ein Platz am Tisch frei, der bisher immer ihm war. Das Lachen fehlt und vielleicht auch der obligatorische Kommentar zur Bratensoße der Schwiegertochter. Was Jahr für Jahr auch mal genervt hat, fehlt nun unendlich. Kommt nicht mehr zurück. Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Dass es nach Schicksalsschlägen aber auch wieder bergauf gehen kann – zumindest wenn der Schlag nicht endgültig war –, das wird unsere Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr zeigen, die Sie am 24. Dezember lesen können. Weihnachten ist schließlich ein Fest, das Mut macht. Und Familien zusammenbringt.

Große Vielfalt an Autokennzeichen

In vielen Häusern im Landkreis Kusel fehlen aber nicht nur Großeltern, sondern oft ist es umgekehrt. Oma und Opa leben noch hier, während die Kinder und Enkel ihre Heimat dort gefunden haben, wo sie arbeiten. Also nicht im Landkreis Kusel und auch vielfach nicht gerade in der Nähe. Wer nächste Woche einen Blick auf die Autokennzeichen wirft, die rund um die Weihnachtsfeiertage hier unterwegs sind, bemerkt das schnell. Denn wenn die Großeltern nicht zu den Enkeln fahren, kommen viele Familien zumindest für ein paar Tage hierher.

In vielen Fällen. Aber manchmal wird auch niemand in das Dorf in der Westpfalz kommen, sich keiner an den Tisch setzen, um mit seinem Vater zu plaudern oder die selbst gebackenen Plätzchen der Mutter zu probieren. In einigen Häusern wird’s über die Weihnachtsfeiertage besonders still werden. Bedrückend still. Weil Freunde und Bekannte eben mit den eigenen Familien feiern und nicht mit dem Nachbarn, der alleine im Haus wohnt. Solche Fälle dürfte es in einem strukturschwachen Landkreis wie dem unseren einige geben – Tendenz steigend.

Einsamkeit erhöht das Demenzrisiko

Übrigens ist Einsamkeit einer der größten Risikofaktoren für eine Demenz. Ohne oder mit nur wenigen sozialen Kontakten steigt das Risiko, daran zu erkranken. Zumindest wenn die Einsamkeit längere Zeit besteht und ungewollt ist. Wie so oft ist das subjektive Empfinden dabei ein entscheidender Faktor, sagen Demenz-Experten. Denn es kann ja durchaus sein, dass es alleinstehende Menschen gibt, die von sich aus nur wenige Kontakte brauchen. Denen der Plausch beim Bäcker oder an der Straße schon reicht. Doch das dürfte nur eine überschaubare Anzahl sein ...

Wir würden das Thema Einsamkeit gerne verstärkt in unserer Berichterstattung aufgreifen – doch da es für viele Menschen schambesetzt ist, ist es für uns schwierig, an Gesprächspartner zu kommen. Und im privaten Umfeld Leute anzusprechen: „Bist du einsam?“ ist auch seltsam. Deshalb: Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, gern auch ohne Namensnennung, erzählen wollen, wie es Ihnen damit geht, viel Zeit allein zu verbringen, melden Sie sich bitte bei uns. Per E-Mail an redkus@rheinpfalz.de oder unter der Woche telefonisch: 06381 921217.

Zeit mit den Lieblingsmenschen verbringen

Wir glauben nämlich, dass Einsamkeit im Landkreis Kusel eine deutlich größere Rolle spielt, als man zunächst so annehmen würde. Wird ja auch gerne ausgeblendet. Deshalb wollen wir ein Schlaglicht auf das Thema werfen, und dazu nicht (nur) mit Experten sprechen, sondern mit Menschen, die Einsamkeit tagtäglich erleben oder den Schritt aus der Einsamkeit geschafft haben. Wenn sie Lust dazu haben und sich melden.

Bleibt uns nur noch – schließlich ist es die letzte Wochenendkolumne vor Weihnachten – Ihnen zu wünschen, dass Sie die Weihnachtsfeiertage und auch den Jahreswechsel im Kreise Ihrer Lieblingsmenschen verbringen – ob das nun viele sind oder ganz wenige. Wir drücken die Daumen, dass die Enkel nicht an den Socken herummäkeln, die Schwiegereltern nicht Ihre Soße kritisieren und die Autos mit den auswärtigen Kennzeichen nicht schon nach zwei Stunden wieder aus dem Kuseler Land rollen ... Schönes viertes Adventswochenende!

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